Detmold. Der Australier und Preisträger des "Alternativen Nobelpreises" Tony Rinaudo ist am Wochenende mit seiner Frau Liz bei dem Detmolder Dr. Martin Falkenberg zu Gast gewesen. Zusammen mit seinem Arbeitskollegen Karsten Berends vom Zentrum für ambulante Rehabilitation hat der Chefarzt für Neurologie den Australier im Jahr 2016 bei der "Right Livelihood Foundation" für den "Right Livelihood Award" vorgeschlagen.
Die Auszeichnung gilt gemeinhin als der "Alternative Nobelpreis" und fördert Menschen und Projekte, die sich für bessere Lebensverhältnisse in der Dritten Welt engagieren. In 2018 bekam Rinaudo den Zuschlag und wurde für seine Entwicklung der "FMNR"-Methode mit der Ehrung ausgezeichnet. Die "Farmer Managed Natural Regeneration" ist eine natürliche und kostengünstige Methoder der Wiederbegrünung entwaldeter Böden.
In insgesamt acht Ländern, unter anderen in Kenia und Uganda, schaffte es Tony Rinaudo zusammen mit der Organisation "World Vision", bis heute rund 16 Millonen Hektar Brachfläche mithilfe der "FMNR"-Methode wieder zu begrünen. Bereits vor rund 30 Jahren hatte Rinaudo in der Sahel-Zone im Niger mit seinem Projekt gestartet.
Die dort beheimateten Familien wurden jahrelang von Dürre geplagt. Hunger und Armut zehrten an den Kräften der Einheimischen. Rinaudo nutzte die unter der Oberfläche des Ödlandes verzweigten Wurzeln für sich, beginnt, daraus junge Bäume zu ziehen.
"Über Jahre beackerten die örtlichen Bauern für Holz und Nahrung jeden Zentimeter Erde. Dabei hätten sie ihren Pflanzen nur erlauben müssen, zu wachsen", so der Australier. Es sei bei seiner Arbeit vor allem darum gegangen, das Verhalten der Einwohner zu verändern.
Mit der Zeit hätten sich immer neue Wurzeln und Sprößlinge gebildet und auch Trinkwasser hätte sich mehr und mehr im Boden gesammelt. "Die sichtbaren Fortschritte haben den Einwohnern die Hoffnung auf ein würdevolles Leben geschenkt."
Dr. Martin Falkenberg stieß vor einigen Jahren durch Zufall auf die Arbeit von Tony Rinaudo: "Ich interessierte mich für die Bekämpfung des Klimawandels und der steigenden Armut auf der Welt und wollte ein Projekt unterstützen, was großen Einfluss auf unsere Zukunft haben könnte. Nachdem ich im Internet auf Tonys Arbeit gestoßen war, habe ich sofort World Vision kontaktiert und eine 'FMNR-Regionalgruppe' in Bielefeld gegründet", berichtete der dreifache Familienvater.
Wenig später habe er zusammen mit seinem Kollegen Karsten Berends den Entschluss gefasst, Tony Rinaudo für den "Right Livelihood Award" vorzuschlagen. "Er kam schnell in die engere Auswahl und in 2018 wurde er schließlich ausgewählt."
Seither verbindet ihn eine gute Freundschaft mit dem "verrückten weißen Bauern", wie Rinaudo noch heute in Afrika aufgrund seiner simplen und doch revolutionären Methode genannt wird. Am vergangenen Sonntag stellte der Australier in gemütlicher Runde bei Familie Falkenberg auch einem sehr interessierten Bürgermeister Rainer Heller seine "FMNR"-Methode vor.