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Detmold

Tommi Schmitt über seine TV-Show, Heimat und Comedy: "Humor wirkt wie ein Medikament"

Detmold/Köln. Für Tommi Schmitt ist seine Heimatstadt Detmold ein bisschen wie das Auenland. Wenn er nach Hause kommt, ist alles wie früher. „Dann meckern meine Eltern immer noch, dass ich den Wäschekorb doch bitte mit hochnehmen soll – und das ist gut so", sagt der 33-Jährige und muss lachen. Irgendwo ist er halt immer noch der „Junge vom Leopoldinum" – nur hat der jetzt halt eine eigene Late-Night-Show.

„Das ist immer noch komplett absurd", meint Tommi Schmitt. Manchmal könne er es selbst nicht fassen, dass man ihm direkt eine eigene Fernsehsendung gegeben hat. Doch die ist real: Seit einem Jahr strahlt ZDFneo wöchentlich neue Folgen von „Studio Schmitt" aus. Gerade ist die dritte Staffel gestartet – und das ganz anders als erwartet.

Es muss nicht immer lustig sein

Zum Auftakt hat das Team gleich das komplette Konzept über Bord werfen müssen. Statt eines Humorfeuerwerks und lustiger Einspieler blieb der Moderator in Folge 1 bei einem kurzen Stand-up und gab der hochkarätigen Talkrunde aus Dr. Leon Windscheid, Samira El Ouassil und Vassili Golod genügend Raum, um über reale Ängste und den Krieg in der Ukraine zu sprechen. Es muss nicht immer lustig sein bei „Studio Schmitt", das hatte Tommi Schmitt schon vor seiner allerersten Sendung betont.

Für die Unterhaltungsbranche sei es aktuell schwer, die richtige Balance zu finden. „Wir wollten die Sendung nicht abblasen. Ich glaube, damit hätten wir die Show und deren Bedeutung überschätzt." Aber wie viel Comedy geht momentan überhaupt? Oder sollten wir am besten gar nicht mehr lachen?

Der studierte Journalist und langjährige Comedy-Autor hat dazu eine differenzierte Meinung. „Es gibt da diese Schockstarre, in der will man ein paar Tage nicht witzig sein – höchstens privat", sagt Tommi Schmitt. Doch irgendwann käme wieder ganz automatisch die Zeit für Humor, selbst wenn die Welt drumherum keine bessere geworden wäre. „Humor wirkt dann wie ein Medikament." Genau diese Reaktion zeige der 33-Jährige auch selbst auf Beerdigungen, verrät er. „Meine Hauptemotion ist da anschließend oft das Lachen, warum auch immer. Das wirkt wie ein Brustlöser." Dieses Gefühl des Durchatmens möchte Tommi Schmitt auch seinem Publikum geben. Das konnte live dabei sein, wie der „Junge aus Detmold" seinen Platz auf der TV-Bühne eroberte.

„Es war schön zu sehen, wie sich die Sendung entwickelt hat, wie wir Fehler machen, an Schrauben drehen und als Team zusammengewachsen sind", resümiert Tommi Schmitt. Schließlich waren die Erwartungen an ihn besonders groß, kannte den Comedy-Autor damals durch seinen Podcast „Gemischtes Hack" mit Comedian Felix Lobrecht doch bereits vor Sendestart ein Millionenpublikum.

Von Stärken und Schwächen

Ein wenig holprig sei der Start daher gewesen, gibt Tommi Schmitt zu. „Ich habe mich zu sehr verkrampft an die Fernsehregeln gehalten. Meine Stärke ist ja das Spontane – und nicht dieses steife In-die-Kamera-Geplapper." Doch vor dem Fernseher konnte man hautnah beobachten, wie der Moderator von Sendung zu Sendung in seine neue Rolle eintauchte. Inzwischen hat Tommi Schmitt mit Gregor Ryl auch einen langersehnten „Sidekick" an seiner Seite, mit dem er sich die Bälle zuspielen kann. „Wir sind auch privat befreundet, lachen über die gleichen Dinge, das macht es viel organischer", sagt er.

Vom Comedy-Autoren zum Fernsehmoderator: Tommi Schmitt.  - © Ben Gabe/ZDF)
Vom Comedy-Autoren zum Fernsehmoderator: Tommi Schmitt.  (© Ben Gabe/ZDF))

Was von außen kaum jemand mitbekommt: Hinter jeder halbstündigen Sendung steckt ein nahezu klassischer Arbeitstag in nine-to-five-Manier. Ein junges Autorenteam plant Beiträge, Redakteurinnen und Redakteure recherchieren zu den prominenten Gästen, Requisiteure bereiten Spielkulissen vor – die Palette ist lang und ein Drehtag hat es in sich. „Fernsehen ist wahnsinnig aufwendig, alles ist getimt und muss sitzen." Dienstags sitzt Tommi Schmitt bis nachts am Schreibtisch und verfasst sein Stand-Up als Opener für die Show. Alles muss möglichst aktuell sein, schließlich überschlägt sich der Zeitgeist quasi selbst mit Lichtgeschwindigkeit. „Wenn ich was Witziges vor der Kamera erzähle, haben andere schon zehn Tweets dazu gelesen." Doch Tommi Schmitt liebt die Herausforderung und ist gespannt auf das, was kommt. „Ich freu mich sehr darauf, dass sich die Show weiter verfestigt."

Der Hermann als Requisite

Trotz allem Hype in der Kölner Medienbubble kehrt Tommi Schmitt übrigens immer noch gerne nach Detmold zurück. „Es ist die beste Stadt der Welt. Aber wahrscheinlich bin ich da nicht ganz objektiv." Als Hommage an seine Heimat hat daher seit Sendungsbeginn auch ein kleiner Hermann seinen festen Platz auf dem Moderationstisch. Wenn die Kamera ihn einfängt, wird in ganz Detmold gejubelt.

Information

Die Sendung 

Die Late-Night-Personality-Show „Studio Schmitt" läuft immer donnerstags gegen 22.15 Uhr (manchmal ist es auch 22.08 Uhr) auf ZDFneo. Alle Folgen sind in der ZDF-Mediathek verfügbar. In der Sendung präsentiert Tommi Schmitt nach Beschreibung des Senders „seinen persönlichen Blick auf die Welt und die kleinen Dinge des Alltags". Das Format setzt neben Stand-up-Opener und humorvoller Beiträge besonders auf die authentischen Talks mit hochkarätigen Gästen. Mit dabei waren schon Promis wie Bastian Pastewka, Mai Thi Nguyen-Kim, Bill Kaulitz und Ina Müller.

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