Detmold. Gerade ist er 66 Jahre alt geworden. Noch einige Wochen und Vorstand Reinhard zum Hebel wird plötzlich viel freie Zeit haben. Rund zwölf Jahre lang hat er erfolgreich die St. Elisabeth Stiftung geleitet, die inzwischen auf etwa 500 Mitarbeiter angewachsen ist. Es könnten noch mehr sein - darüber macht sich der Detmolder Sorgen. Seit 40 Jahren ist er im sozialen Sektor tätig - „habe Pflege von der Pike auf gelernt“ - nach dem Studium mit Schwerpunkt Heimerziehung aber zunächst in einer psychiatrischen Einrichtung in Neubeckum. Im Jahr 2000 bleibt er der Psychiatrie zunächst treu und wechselt nach Liesborn als Prokurist und Leiter. Ab 2013 steht der Diplom-Sozialpädagoge und Betriebswirt als Vorstand der St. Elisabeth Stiftung in Detmold vor, wo die Familie mit zwei Söhnen schon seit Langem lebt. Gestalten und bewegen Dinge neu zu entwickeln und zu gestalten, etwas zu bewegen - das sei immer die Triebfeder seines Handelns gewesen, bekundet Reinhard zum Hebel. Und so wuchs die Zahl der Mitarbeiter im Laufe der Jahre von 300 auf 500. „Die Komplexität tut der Stiftung gut“, meint Hebel, weil Synergien genutzt werden könnten, beispielsweise beim Einsatz der Mitarbeiter. Der Fachkräftemangel macht dem 66-Jährigen jedoch Sorgen. Ein Beispiel: Acht Kurzzeitpflegekräfte kann die Stiftung anbieten. Der Bedarf ist aber wesentlich höher, doch es fehlen Mitarbeiter. Ebenso in der Kinder- und Jugendhilfe, wo zwei Gruppen aus genau diesem Grund geschlossen werden mussten. „Wir schaffen es nicht, die Kinder weiter zu versorgen“, bedauert Reinhard zum Hebel. Kinder, die aus verschiedenen Gründen bei ihren Familien nicht leben können. Im Pflegeheim Dolzer Teich mussten 31 Betten aus Mangel an Fachkräften abgebaut werden. Wenig arbeiten - viel Freizeit Der Nachwuchs fehlt: „Wir stellen fest, dass junge Menschen herausfordernde Arbeit nicht wollen“, resümiert der Vorstand. Diese wollten wenig arbeiten, viel Freizeit haben, aber viel verdienen - und das zu ihren eigenen Bedingungen. Pflege sei jedoch durchaus herausfordernd. „Funktioniert unser System in Deutschland noch“, fragt zum Hebel sich. In der Stiftung gingen in den nächsten zehn Jahren die Hälfte der Mitarbeiter in den Ruhestand. Doch: „Eine bessere Vergütung rettet uns nicht.“ Es stelle sich die Frage nach der künftigen Qualität der Pflege und ob die derzeitigen Standards weiter zu halten sind. Allein der Dokumentationsaufgrund sei in der Pflege sehr hoch. Trotz gestiegener Professionalität würden in Zukunft wesentlich mehr Mitarbeiter aus dem Ausland und mit Migrationshintergrund benötigt. „Wir können nicht alle wieder nach Hause schicken.“ Doch die Menschen brauchten auch Kümmerer, die ihnen in ihrem neuen Leben helfend zur Seite stünden. Mehr Ehrenamt notwendig „Es wird ein höheres gesellschaftliches Engagement notwendig sein“, prognostiziert Reinhard zum Hebel. Derzeit würden rund 80 Prozent der pflegebedürftigen Menschen in ihren Familien gepflegt, diese benötigten jedoch Hilfe, zum Beispiel für eine Nachtpflege. Künftig müssten vielleicht auch mal Nachbarn mehr nach dem Rechten sehen. „Die Vollkaskomentalität werden wir abstreifen müssen“, denkt der 66-Jährige. Er selbst habe das Glück gehabt, bei den Mitarbeitern immer eine Bereitschaft zum Wandel gefunden zu haben, um professionelle Strukturen einführen zu können. Die Belegschaft sei das Fundament für alles. Die Stiftung als Baum gesehen, sei stetig gewachsen. Dieser werde aber krank durch Fachkräftemangel, wodurch das eine oder andere Blatt noch abfallen werde, malt der Vorstand ein gedankliches Bild. In Zukunft würden neue Ansätze und Ideen benötigt, etwa bei Themen wie KI, Robotik und Digitalisierung. „Ich hatte das Glück, immer mit wunderbaren Menschen zusammenzusein und sie zu begleiten“, resümiert zum Hebel. Er wird am 15. Juni im Rahmen eines Gottesdienstes verabschiedet und räumt Mitte Juli seinen Schreibtisch für Nachfolger Karsten Hentschel vom Caritasverband Paderborn. Für seinen Ruhestand hat er schon so einiges vor, etwa im September mit dem Rad nach London zu fahren. Ehrenamtlich werde er sich sicher engagieren, vielleicht sogar als Rikschafahrer am Dolzer Teich. Auch das Laufen werde er weiter als Hobby pflegen, beispielsweise für den nächsten Halbmarathon in Berlin. St. Elisabeth Stiftung Die Stiftung ist auf vielen Feldern tätig. Sie unterhält die Pflegeeinrichtungen Haus am Dolzer Teich und Haus Elisabeth sowie Wohngebäude in Detmold und Bad Meinberg. Es gibt zudem Tages- und ambulante Pflege für Ältere. Auch engagiert sie sich im Bereich Kinder- und Jugendhilfe mit stationärer Betreuung, Familienambulanz, Pflegefamilien und ist Träger von Offenen Ganztagsschulen.