Detmold. Auch in diesem Sommer fällt in vielen Freibädern der Badebetrieb immer wieder tage- oder sogar wochenweise aus. Der Grund ist vielerorts derselbe: Es fehlen Schwimmmeister. Auch in Detmold mussten die Öffnungszeiten der vier städtischen Freibäder deswegen zuletzt immer wieder neu justiert werden. Die Kommunalpolitische Vereinigung von CDU und CSU (KPV) und die Deutsche Gesellschaft für das Badewesen (DGfdB) kommen nun mit einem Lösungsvorschlag um die Ecke. Ihre Idee: Qualifizierte Rettungsschwimmer sollen auch ohne direkte Anwesenheit einer Fachkraft den Badebetrieb beaufsichtigen dürfen Lesen Sie auch: Das halten Detmolder Badegäste von den wechselnden Freibad-Öffnungszeiten Öffnungszeiten-Wirrwarr in den Detmolder Freibädern: Was Badegäste jetzt wissen müssen Badekultur in Detmold: Vom Postteich zum Freibad Schwarzenbrink Die DGfdB hat dazu eine entsprechende Richtlinie angepasst. Diese erlaubt es, „Nichtfachkräfte“, also Personal für die Beaufsichtigung des Badebetriebes beziehungsweise Rettungsschwimmer, unter Leitung und Aufsicht einer Fachkraft einzusetzen, auch wenn diese nicht zeitgleich vor Ort ist. Bedingung ist unter anderem das Bestehen einer kombinierten Rettungsübung, bei der diverse Rettungstechniken wie das Schleppen und Sichern von Personen abgefragt werden. Mithilfe der Regeländerung soll es gelingen, trotz chronischen Fachkräftemangels Bäder offen zu halten. Außerdem verweist die DGfdB auf neue technische Hilfen wie KI-gestützte Ertrinkenden-Erkennungssysteme, die das Freibadpersonal entlasten könnten. DetCon-Verantwortliche ziehen ernüchterndes Fazit Das von der DGfdB vorgeschlagene Modell mit den sogenannten „qualifizierten Rettungsschwimmern“ hat die städtische Beteiligungsgesellschaft DetCon, zuständig für die Freibäder, nach Aussage von Stadt-Pressereferent Thorsten Engelhardt bereits getestet - stets mit einer Fachkraft in Rufbereitschaft. Das Fazit fällt ernüchternd aus: „Aus unserer Sicht hat sich das Modell leider nicht bewährt“, sagt Engelhardt. Der Grund dafür liege nach Erkenntnissen der Verwaltung in der „eher vage formulierten Richtlinie“ der DGfdB und in der Struktur der örtlichen Bäderlandschaft. Ferner lege die Richtlinie nicht rechtssicher fest, wie die allgemeine Zusatzqualifikation des qualifizierten Rettungsschwimmers ausgestaltet sein muss. Eine Definition dafür gebe es noch nicht. Hinzu kommt ein praktisches Problem: Müsste die Fachkraft während des Betriebs in ein anderes Bad ausrücken, könnte dies zur Schließung des eigenen Standorts führen. „Das kann immer dann passieren, wenn in dem Bad selbst keine Person mit der Zusatzqualifikation mehr anwesend ist, sobald der Schwimmmeister an einen anderen Ort gerufen wird,“ erklärt Engelhardt. Dem Einsatz neuer Technologien steht die DetCon dagegen aufgeschlossen gegenüber. KI-gestützte Überwachungssysteme seien den Verantwortlichen bekannt. In den Detmolder Freibädern sei ein Einsatz derzeit aber nicht geplant. Die DetCon beschäftigt derzeit sechs Fachkräfte für Bäderbetrieb, sieben Rettungsschwimmer, eine Auszubildende und eine zusätzliche Fachkraft über einen Personaldienstleister. Damit lässt sich laut der Pressestelle immerhin der Betrieb mit nur einem wöchentlichen Schließtag je Bad aufrechterhalten. Bereits mit Ablauf der vergangenen Badesaison begann die DetCon ihre Suche nach Verstärkung. Im Juli konnte schließlich ein neuer Mitarbeiter eingestellt werden.