Detmold. Das Modehaus Sinn feiert in diesem Jahr ein ganz besonderes Jubiläum: Seit 175 Jahren steht das Unternehmen für Mode am Puls der Zeit, mit Qualität und persönlicher Beratung. Über 30 Filialen in Deutschland und rund 1500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tragen heute die Tradition fort, die 1850 in Köln begann. Auch in Detmold hat Sinn seit einigen Jahren einen zentralen Standort. Der Ort, wo heute das Modehaus Sinn seine Detmolder Filiale hat, ist eine geschichtsträchtige Stelle in der Stadt. An der Ecke Lange Straße und Krumme Straße befand sich nämlich nicht immer ein Bekleidungsgeschäft. Einst gab es dort auch ein Restaurant: die „Arminus-Halle“, geführt von einem Wirt namens Hähnchen-Brüggemeier. Die Gaststätte war um 1878 herum bei den Detmoldern ein beliebter Treffpunkt für gesellige Runden. Irgendwann war allerdings Schluss mit Speis und Trank an der Ecke. Lesen Sie auch: Impuls oder Konkurrenz? Das sagen Detmolder Einzelhändler über Klingemann am Hornschen Tor Letzter Platz für den lippischen Einzelhandel Übernahme durch P&C scheitert: Sinn in Detmold bleibt Sinn Modekette „Sinn“ insolvent - Filialen in Bielefeld und Detmold betroffen Später zog das Modehaus Wiese an der Adresse ein. 1912 in Lemgo gegründet, wurde es in der Detmolder Innenstadt zu einer Institution. Fast 100 Jahre lang prägte Wiese das Bild der Langen Straße und galt als feste Größe im Einzelhandel. Geführt wurde das Haus lange Zeit von Busso Freise und seiner Frau Angela, geborene Wiese. Doch 2010 verkauften sie das Geschäft. Käufer war der Multilabel-Filialist Mensing aus Bottrop, der die Bekleidungsgeschäft-Tradition an gleicher Stelle fortsetzte. „Oberste Priorität hatte, dass der Betrieb weiterläuft und die Mitarbeiter übernommen werden“, erinnerte sich Freise später an die Wiese-Übernahme in der LZ. Wechselvolle Jahre und Rettung Die Einzelhandelskrise machte jedoch auch vor Mensing nicht halt. 2020 musste das Modehaus Insolvenz anmelden, was die Zukunft des Detmolder Standorts erneut infrage stellte. Die Rettung kam schließlich mit Sinn: Die Modehauskette übernahm das Modegeschäft in Detmold und sicherte die Arbeitsplätze. Store-Managerin Birgit Röttger zeigte sich damals in der LZ erleichtert: „Wir sind unfassbar froh, dass es weitergeht, und zwar mit kompletter Mannschaft.“ Unter dem neuen Namen firmiert das traditionsreiche Haus in Detmold mittlerweile seit März 2021. Für die Kunden bedeutete dies nicht nur Kontinuität, sondern auch Veränderungen. Während die Herrenabteilung im Erdgeschoss blieb, wurde die Damenmode stärker ausgeweitet, die Kinderabteilung hingegen gestrichen. Auch das Sortiment wurde breiter aufgestellt, neue Marken kamen hinzu. Standort in Detmold trotzt Insolvenzen Doch die Geschichte blieb bewegt: Auch Sinn selbst hatte in der Vergangenheit bereits Insolvenz anmelden müssen, zuletzt im Sommer 2024. Bundesweit führte dies erneut zu Unsicherheit, auch in Detmold. Doch hier blieb der Betrieb unberührt. Rund 25 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sorgen dafür, dass das größte Modegeschäft Detmolds seine Rolle als Frequenzbringer erfüllt. Die Bedeutung für die Detmolder Innenstadt ist unbestritten. Auch wenn mit dem Modehaus Klingemann aus Höxter, das sich mit einer Filiale am Hornschen Tor niederlassen wird, weitere Konkurrenz in die Fußgängerzone kommt. Während Sinn und dessen Vorgänger in Detmold ihre ganz eigene wechselvolle Chronik haben, hat das Unternehmen Sinn insgesamt ebenfalls eine Historie vorzuweisen - vom Wanderhandel der Brüder Johannes und Friedrich Sinn über die Eröffnung der ersten Kurzwarenhandlung im Jahr 1850 am Heumarkt in Köln bis hin zu heute 34 Modehäusern in 32 Städten. Sinn-Häuser sollen Trends aufgreifen Die Firmenzentrale von Sinn ist in Hagen, von wo auch die Logistik gesteuert wird. Seit 2017 ist Sinn wieder familiengeführt. „Seit Generationen vertrauen unsere Kunden ihrem Sinn-Modehaus. Unsere Stammkunden, generationsübergreifend, sind der lebendige Beweis dafür, dass wir Zukunft aus Herkunft schaffen“, wird Sinn-Geschäftsführerin Dr. Isabella Goebel in einer Pressemitteilung des Unternehmens zum 175-jährigen Bestehen zitiert. In Zukunft werde es in der Modebranche besonders darum gehen, nicht nur auf optischen Glanz zu setzen, sondern den Sinn und Zweck von Bekleidung neu zu definieren, teilt das Unternehmen mit. So haben die Modeexperten bei Sinn nach eigener Aussage ein Auge auf Mode, die von der Auflösung der klassischen Geschlechterrollen inspiriert ist. Außerdem wollen die Sinn-Modehäuser künftig noch stärker Modetrends in den Fokus rücken, die auf TikTok, Instagram & Co. angesagt sind, während auch dem Ruf der Verbraucher nach Nachhaltigkeit und bewusstem Konsum Rechnung getragen werden soll. Die Zukunft des Bekleidungshandels bleibt also spannend - auch in Detmold.