Detmold. Beim Betreten des Proberaums knarzt die große Tür. In der Mitte steht schon eine kleine Gruppe. Das Altersspektrum ist gemischt und es herrscht erst noch eine gewisse Zurückhaltung. Ich lege meine Kameratasche und den Schreibblock auf einen kleinen Tisch in eine Ecke des Raumes. Mit einem Lächeln von Workshop-Leiterin Natascha Mamier werde ich begrüßt. Sie ist die Chefin des Jungen Theaters Detmold und leitet heute den Schauspiel-Workshop. Anlässlich des 200-jährigen Jubiläums gewährt das Haus einen Einblick in den Theateralltag und bietet verschiedene Mitmach-Angebote an. Wir beginnen mit einer Vorstellungsrunde. Jeder soll seinen Vornamen sagen und dazu eine Alliteration erfinden. „Ich bin der rasende Raffa“, und fahre mit übertriebenem Lenkradschwung ein imaginäres Auto. Anfangs ist mir das peinlich, doch das Gefühl vergeht schnell. Nach und nach tauen die Teilnehmer auf und die Stimmung lockert sich. Es ist erstaunlich, wie schnell fremde Menschen kreativ werden, wenn sie müssen. Zwischen Fußball und Bowlingkugel Dann das nächste Spiel. Wir stellen uns im Kreis auf und Mamier legt einen Ball an ihre Füße. Das Rund soll nun innerhalb der Teilnehmer zugepasst werden. Als langjähriger Kreisliga-Fußballer müsste ich dafür ja der Experte im Raum sein - daher passe ich selbstbewusst den Ball zu einem Teamkollegen. Alles zum Landestheater-Jubiläum finden Sie unter lz.de/serien/landestheater „Egal, ob der Pass gut oder schlecht ist“, erklärt Mamier. „Wir müssen ihn annehmen, weiterspielen, improvisieren“. Alles sei wichtig auf der Bühne. Besonders bei Fehlern müsse man einfach weiterspielen. Ganz nach dem Motto: „Auf der Bühne ist alles richtig“. Die nächste Übung beinhaltet eine schwere Bowlingkugel und einen Tennisball. Natürlich nur imaginär. Mit leichter Skepsis schauen wir uns im Kreis an. Die schwere Bowlingkugel wird losgerollt und die Gruppenmitglieder müssen versuchen, gleichmäßig hochzuspringen, wenn die Kugel über ihre Füße zu rollen droht. Diese Übung soll bezwecken, dass das Gruppengefühl gestärkt wird. Besonders wenn plötzlich diese schwere Bowlingkugel verschwindet, weil einer nicht aufgepasst hat, entsteht ein irritierendes Gelächter. „Das passiert auch Profis“, sagt Mamier grinsend. Fehler gehören dazu. Imaginärer Strandurlaub Nächster Punkt: im gleichen Tempo gehen. Mal langsamer, mal schneller. Wir laufen durcheinander und müssen die Geschwindigkeit von Stufe eins bis Stufe zehn auf Kommando erhöhen. Nach einigen Beinahe-Kollisionen haben wir auch diese Aufgabe gemeistert. Um etwas runterzukommen, wird gegähnt. Und das gemeinsam. Mir persönlich kommt das nach dem langen Arbeitstag sehr gelegen und fällt nicht allzu schwer. „Gähnen öffnet die Stimme“, erklärt sie. Zum Schluss geht es dann endlich an das Schauspielern selbst. Zwei der Teilnehmer spielen Gärtner. Sie jäten Unkraut oder schneiden eine Hecke. Mit einem lauten „Freeze“ unterbricht Mamier die Szene. Die Schauspieler erstarren. Einer der außenstehenden Teilnehmer traut sich nach vorn und tippt eine der erstarrten Personen an. Die wird dann abgelöst. Zwischen Schweißperlen und Lob Der neue Schauspieler soll nun die Szene in eine neue verwandeln. Und so landen wir von der Gartenarbeit in Sekunden an den Strand und schlürfen unsichtbare Cocktails. Nach mehreren Szenen zieht Natascha Mamier ein Fazit: „Das habt ihr super gemacht“, lobt sie die gesamte Gruppe. Ein bisschen Stolz ist man dann schon, wenn man bedenkt, dass man vor 60 Minuten noch nie etwas mit der Bühne zu tun gehabt hat. Als wir am Ende die letzten Stühle zusammenpacken, ist der Raum aufgeheizt, die Fenster sind beschlagen. In den Gesichtern sind nicht nur kleine Schweißperlen zu sehen - sondern auch ein Lächeln.