Detmold-Vahlhausen. Über viele Jahre hatte die evangelische Kirchengemeinde Vahlhausen gemeinsam mit dem Partnerschaftsausschuss Nordlippe ordentlich und mit viel Herzblut und Geld beim Bau einer Klinik in Ghana geholfen - die läuft inzwischen, wird aus dem Detmolder Ortsteil gelegentlich weiter unterstützt. So lagern in Vahlhausen noch einige medizinische Geräte, die nach Kpalba geschafft werden müssen, berichtet Pastor Andres Wagner. Bei dem einen Krankenhaus, das sich nun selbst trägt, ist es allerdings nicht geblieben: Nun unterstützt die Gemeinde eine Diakoniestation in Nkwanta, einem Ort im Osten Ghanas. Ältere leben oft allein Denn: Manche Probleme in Ghana sind gar nicht so anders als hier bei uns. Viele Ältere leben allein, die Kinder sind weggezogen. Eine Situation, die es so in der afrikanischen Geschichte kaum gab, die dramatische Auswirkungen hat und auf die reagiert werden muss - zum Beispiel mit einer Diakoniestation. „Wir haben bereits Projekte in zwei umliegenden Dörfern mitbetreut und gute Kontakte dorthin“, erzählt Wagner, der - WhatsApp sei Dank - sich immer auf dem Laufenden hält. „Eine Pflegeversicherung gibt es nicht. Eine Pflegestation wäre also ein wirklich sehr gutes und sinnvolles Projekt, wenn es umgesetzt werden könnte“, berichtet Wagner von den Überlegungen im Kirchenvorstand. Gesagt, getan. Die Gemeinde zeigte eine Tatkraft und Hilfsbereitschaft, auf die ihr Pfarrer sehr stolz ist. Er spricht von konkreter Missionsarbeit, gelebter Entwicklungshilfe. „Wir konzentrieren uns auf Sozialarbeit dort.“ Es galt, in Ghana eine Hilfsorganisation zu gründen, etwa, um überhaupt Konten einrichten zu können, und um weitere Formalitäten zu klären. Die Station musste beim ghanaischen Gesundheitssystem angemeldet werden, schon allein, um etwaige Zuschüsse erhalten zu können. Dann jedoch verzögerte sich die Sache - es gab Unruhen in der Region, viele Tote. „Da zeigen sich die Klimaveränderungen live vor Ort. Die Trockenzeit dauerte zu lange, es gab Landstreit unter drei Ethnien-Stämmen“, berichtet Andres Wagner. „In Nwanta selbst brannten mehrere Häuser, Schulen und das Krankenhaus waren angegriffen worden.“ Denn die Menschen mussten andere Anbaugebiete suchen, es fehlte an Landfläche, es trafen Ethnien aufeinander, die dort in früheren Zeiten gar nicht beheimatet gewesen und nach dem Bau eines Staudamms umgesiedelt worden waren. „In der Regel gelang das Zusammenleben recht gut. Man arrangierte sich, auch wenn es alte Feindschaften zu unterdrücken galt. Neuerdings scheint das aber gekippt zu sein - da geht es um den Besitz von Ackerland.“ Dank aus Afrika Zurzeit ist Ruhe, doch wie lange die Wogen sich geglättet haben, weiß Wagner natürlich nicht. Er blickt nun nach vorn. Ein Gebäude wurde gefunden, die Renovierungen des Büros und des Lagerraumes sind so gut wie abgeschlossen, ein geländegängiges Motorrad ebenso wie ein Mobiltelefon angeschafft. Die ausgebildete Krankenschwester Patience Ujakpa hat den pflegerischen Dienst übernommen, fährt zu den Senioren nach Hause, versorgt sie mit Medikamenten und Salben, wickelt sie. In der Station selbst gibt es einen kleinen Behandlungsraum, wer kleinere Wehwehchen hat, wird dort behandelt. Wagner rechnet mit rund 8300 Euro Kosten im Jahr - für Gehalt, den Unterhalt des Motorrads, Material und Miete. Geld, das die Vahlhauser fürs Erste aufgebracht haben, die Finanzierung der Folgejahre bleibt abzuwarten. Fürs Frühjahr plant er eine Reise nach Westafrika. Der Pfarrer hat auch schon weitere Ideen für die „gelebte Mission“ im Kopf, verrät sie aber noch nicht. Dank ist den Detmoldern gewiss. Andres Wagner hat eine Mail des Geschäftsführers der Station erhalten, der über die ausgegebenen Gelder Auskunft gibt und schreibt: „Durch Sie, Ihre Mitglieder des Presbyteriums und die Gemeinde von Vahlhausen wird Gott durch den Dienst an der Menschheit, insbesondere an einer der schutzbedürftigsten Gruppen hier, noch besser gedient. Matthäus 25,40 in der Praxis: ,Wahrlich, ich sage euch: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder oder Schwestern getan habt, das habt ihr für mich getan’.“