Detmold. Mit grauem Kapuzenpulli statt Glitzerjacke, moderner Technik statt Las-Vegas-Glamour: Magier Mellow kommt am 24. Januar mit seiner Live-Show „Blow Your Mind!“ in die Stadthalle Detmold. Im Interview spricht der Zauberkünstler über echte Illusionen, internationale TV-Shows und an welchen neuen Tricks er schon tüftelt. Mellow, wie würden Sie Ihre Show jemandem beschreiben, der moderne Zauberkunst noch nie live erlebt hat? Mellow: Ich bin so ein bisschen der Gegenentwurf zum klassischen Las-Vegas-Klischee. Bei mir stehen keine halbnackten Tänzerinnen, keine Tiger und keine Glitzerjacken auf der Bühne. Die Show ist persönlicher, direkter und wahrscheinlich auch etwas cooler. Es ist eine Mischung aus Storytelling und Illusionen, die ganz nah am Publikum passieren – kombiniert mit holografischen Projektionseffekten. Das ist eine neue Art von Zauberkunst. Wie gelingt es Ihnen, Kinder und Erwachsene gleichermaßen zu begeistern? Mellow: Das ist tatsächlich eine der größten Herausforderungen. Kinder schauen ganz anders auf Zauberkunst als Erwachsene. Deshalb gibt es in der Show unterschiedliche Ebenen. Für die Kinder gibt es zum Beispiel magische Momente mit Süßigkeiten, wenn ich mit meiner Candy-Bar durchs Publikum gehe. Für die Erwachsenen – die „großen Kinder“, wie ich sie nenne – gibt es Illusionen wie das magische Gelddrucken. So findet jeder etwas, das ihn staunen lässt. Gibt es einen Moment in der Show, der Ihnen besonders am Herzen liegt? Mellow: Ja, es gibt eine sehr persönliche Geschichte. Darin erzähle ich, wie ich überhaupt zur Zauberei gekommen bin und warum ich bis heute auf der Bühne stehe. Dabei geht es um meine Eltern, bei denen ich mich bedanke. Das ist ein sehr emotionaler Moment – für mich, aber auch für das Publikum. Ihre Eltern haben Sie also stark geprägt? Mellow: Absolut. Meine Eltern haben mich immer unterstützt und mir viele Freiheiten gelassen. Ich durfte Dinge ausprobieren und hatte eine echte Spielwiese, auf der ich mich austoben konnte. Ohne diese Unterstützung wäre ich heute wahrscheinlich kein Zauberkünstler. Dieses Spielerische habe ich mir bis heute bewahrt. Viele Künstler sprechen von einer eigenen Handschrift. Wie würden Sie Ihre beschreiben? Mellow: Man merkt meinen Background. Ich habe Grafikdesign gelernt und Film studiert. Das spiegelt sich in meinen Shows wider: Wir arbeiten viel mit Kameras, Videos und Projektionseffekten. Auch die Geschichten, die ich erzähle, kommen oft aus Filmen oder Serien. Eine Illusion ist zum Beispiel von „Haus des Geldes“ inspiriert – daraus ist dann eine Nummer entstanden, in der ich in einen Geldtresor einbreche und mein eigenes Geld drucke. In Zeiten von Social Media und Künstlicher Intelligenz: Ist es schwerer geworden, Menschen noch zum Staunen zu bringen? Mellow: Ich finde sogar, es ist leichter geworden. Gerade weil heute vieles digital und jederzeit verfügbar ist, wächst das Bedürfnis nach etwas Echtem. Bei der Zauberei passiert alles live – in meinen Händen oder sogar in den Händen der Zuschauer. Das kann keine KI ersetzen. Dieses Staunen mit eigenen Augen ist heute vielleicht sogar stärker als früher. Im Internet wird Zauberei ja oft als „geschnitten“ oder „Fake“ bezeichnet. Wie gehen Sie damit um? Mellow: Diese Kommentare kenne ich. Online wird schnell behauptet, etwas sei geschnitten oder KI-generiert. Auf der Bühne funktioniert das aber nicht. Da gibt es keinen Schnitt und keine Tricks im Hintergrund. Das Publikum sieht alles live – und genau das macht den Unterschied. Sie waren auch international im Fernsehen zu sehen, unter anderem in den USA. Wie kam es dazu? Mellow: Ich war vor einigen Jahren in einer amerikanischen Fernsehshow zu sehen. Diese eine Show lief damals coronabedingt als Video-Produktion. Danach haben sich aber viele weitere Sender aus anderen Ländern gemeldet – unter anderem aus Frankreich, Italien oder Rumänien. So war ich eine Zeit lang in ganz unterschiedlichen Ländern im Fernsehen zu sehen. Das war eine verrückte und sehr spannende Erfahrung, weil die Reichweite auf einmal enorm war. Was unterscheidet eine Live-Show auf der Bühne von Fernsehauftritten? Mellow: Ganz klar: das Publikum. Bei einer Live-Show ist jede Stadt anders, jedes Publikum reagiert unterschiedlich. Detmold reagiert anders als Köln. Diese direkte Resonanz macht den Reiz aus. Beim Fernsehen spielt man hauptsächlich für die Kamera – da geht viel von dieser Energie verloren. Worauf können sich die Besucher in Detmold besonders freuen? Mellow: Auf einen magischen Abend für die ganze Familie. Vom Kind bis zur Oma kann wirklich jeder mitkommen. Es gibt viele Mitmach-Momente, Illusionen, neue Ideen und moderne Technik. Gleichzeitig ist die Show sehr persönlich und nah am Publikum – das unterscheidet sie von klassischen großen Glamour-Shows. Zum Schluss: Gibt es eine Illusion, die Sie schon lange im Kopf haben, die aber noch nicht umsetzbar ist? Mellow: Ja, sogar mehrere. Wir arbeiten bereits am nächsten Programm, das 2027 starten soll. Darin geht es unter anderem um Zeitreisen. An diesen Ideen tüfteln wir gerade intensiv – noch ist das Zukunftsmusik, aber genau das macht den Reiz aus. Das Interview führte LZ-Volontär Raffael Giebel. Persönlich Mellow wurde am 21. Dezember 1992 in Unna als Marco Weissenberg geboren. Schon mit sieben Jahren begann er zu zaubern, nachdem er einen Zauberkasten geschenkt bekommen hatte. Heute ist er als Zauberkünstler, Entertainer und Produzent für Live-Shows und Medienproduktionen tätig. Bekannt wurde er durch seine modernen Magic-Shows, Fernsehauftritte und viralen Videos in den sozialen Medien. In seinen Programmen verbindet er klassische Illusionen mit Technik, Humor und direkter Publikumsbeteiligung. Am 24. Januar 2026 tritt er mit seiner Show „Blow Your Mind“ in der Stadthalle Detmold auf.