Dörentrup-Farmbeck. Noch arbeitet sie vom Innovationszentrum aus, doch spätestens im August möchte Martha Johannsmeier ihr Büro in Farmbeck beziehen. Dann sollen dort die beiden Container für eben dieses Büro und für Toiletten stehen und das Gelände an der Bahnmeisterei ertüchtigt sein. Wie berichtet, fördert das Land die Investitionen und die Stelle der Kulturmanagerin im Rahmen des Programms „Dritte Orte – Häuser für Kultur und Begegnung im ländlichen Raum" mit 450.000 Euro. Das Projekt „Kulturstellwerk Nordlippe", eine Initiative der Landeseisenbahn, hat damit für die nächsten drei Jahre wichtige Weichen gestellt. Der Verein plant generationenübergreifende Projekte: Konzerte, Lesungen, ein Kulturprogramm mit vielen Partnern und auch an unterschiedlichen Orten – im Kulturschuppen Barntrup, den Schulen oder im Weserrenaissancemuseum in Brake. Die Kulturschaffenden der Region sollen auf den Zug aufspringen: Es geht um Kultur und Begegnung im ländlichen Raum – dem „dritten Ort" für informelle Treffen nach dem Zuhause („erster Ort") und dem Arbeitsplatz („zweiter Ort"). An den Strecken der Bega- und Extertalbahn wird es Programme geben, nicht nur in Farmbeck, wo der von der Initiative „Jugend unter Dampf" betriebene Europawaggon steht, oder im Zug. Koordinieren und organisieren wird das Ganze Martha Johannsmeier, eine gebürtige Extertalerin. Die 24-Jährige hat in Salzgitter Medienkommununikation studiert. „Wenn es einen Ort wie diesen gibt, an dem wir alle zusammenkommen können, wird das Interesse wieder größer, dass man in seiner Region bleibt", ist sie überzeugt. Sie selbst hat sich entschieden, in der Heimat zu arbeiten. „Man hat hier Möglichkeiten, sich beruflich weiterzuentwickeln." Genau deswegen habe sie die Stelle angetreten: „Weil ich anderen im meinem Alter zeigen möchte, dass es sich lohnt, zu bleiben oder zurückzukommen." Mitgestalten zu können sei der wichtigste Aspekt, um sich zugehörig fühlen zu können. Dann wisse man zu schätzen, was man der Heimat habe: „Ich habe mir gewünscht, nach dem Studium zurückkommen zu können und deswegen ja auch im Marketingverein Extertal mitgemacht. Als die Stelle geschaffen wurde, war das eine große Chance und Herausforderung für mich – das wollte ich nutzen." Im September soll es die erste Veranstaltung in Farmbeck geben – je nachdem, was Corona so macht. In Planung sind die U-18 Wahl in Zusammenarbeit mit der Dörentruper Jugendarbeit sowie ein Open Air für junge Erwachsene. Die Veranstaltungspause nutzt das Kulturstellwerk als Aufbau- und Strukturierungsphase. Ideengeber Thorsten Försterling sagte, der Verein sei „sehr glücklich", dass Martha Johannsmeier eine neue Perspektive in die Vereinsarbeit einbringe. Sie kenne die Gegend und die Belange der jungen Leute. Jugendliche gingen in den informellen Kreisen und in den Vereinen in den Dörfern oft unter. „Wenn ich sonst überall nur Zaungast sein kann, dann werde ich mir natürlich einen Platz suchen, wo ich mitgestalten kann." Ein fester Ort mit regelmäßigen Öffnungszeiten sei im ländlichen Raum praktisch nicht zu bespielen. „Deshalb wurde sich für eine Kombination aus Mobilie und Immobilie entschieden." Es gelte „zu nutzen was da ist", ergänzt Jochen Brunsiek, ehrenamtlicher Geschäftsführer des Kulturstellwerkes. Das Zauberwort sei „Konnektivität" – die Einbindung und Vernetzung, um den ganzheitlichen Blick zu schärfen. „Unsere Kernkompetenz ist natürlich die Eisenbahn, aber wir binden die Akteure vor Ort ein." Es geht nicht nur um reine Jugend- sondern um „Heimatarbeit", darum, die Heimat neu zu entdecken und um eine „Bleibeperspektive" für die jungen Nordlipper angesichts zurückgehender Strukturen. „Wir verbinden Menschen, Ideen und Projekte", fasst Försterling zusammen.