Extertal. Was sich im Frühjahr noch anhörte wie ein Gerücht im Ort, hat sich in Extertal inzwischen bewahrheitet: Die AfD hat sich auch hier formiert und sitzt seit der Kommunalwahl im September mit drei Mitgliedern im Rat. Zwar ist es der Partei, die vom Verfassungsschutz zeitweise als gesichert rechtsextrem eingestuft wurde (wegen einer juristischen Auseinandersetzung äußert er das vorläufig nicht mehr öffentlich), nicht gelungen, den neuen Bürgermeister zu stellen, die jetzige Situation ist trotzdem eine Katastrophe, finden die Mitglieder des Bündnisses für Demokratie und Vielfalt und wollen auch nach der Wahl sichtbare Zeichen setzen. So zum Beispiel in der konstituierenden Sitzung des Rates, in der neben den drei neu gewählten AfD-Mitgliedern auch Vertreter des AfD-Kreisverbandes im Zuschauerraum anwesend waren. Sebastian Kiss, Mitglied der Grünen und inzwischen zu „Zukunft Extertal“ gewechselt, fand unter dem Punkt „Fragen der Ratsmitglieder“ deutliche Worte in Richtung AfD. „Können Sie es riechen?“, fragte er in die Runde. „Den Muff von 1933, welcher in diesen Rat eingezogen ist? Dieser Muff führte zu einem zerstörten Europa und 60 Millionen Kriegsopfern. Dies wollen wir nicht wiederholen. Ich wünsche unserem Bürgermeister in diesem Sinne Standhaftigkeit, und dass wir als Rat auf der Grundlage unseres Grundgesetzes fungieren, für ein buntes Extertal, für Demokratie und Toleranz.“ Applaus gab es dafür nicht nur von den Mitgliedern des Bündnisses, die extra in ihren T-Shirts mit entsprechendem Aufdruck gekommen waren. Ins Leben gerufen hatten das Bündnis vor gut einem halben Jahr Christel Papke und Anja Piechnik, die sich freuen, dass sie so viele Mitstreiterinnen und Mitstreiter gefunden haben. „Anfangs waren es 30, kurz vor der Wahl dann um die 50 Leute, die zu unseren Treffen gekommen sind“, berichtet Christel Papke. Inzwischen hat das Bündnis auch schon einige Veranstaltungen und Aktionen auf die Beine gestellt. Unterstützung beim Warrior Hike Um mit Bürgerinnen und Bürgern ins Gespräch zu kommen, hatten die Mitglieder beispielsweise einen Stand auf dem Parkplatz des Rewe in Bösingfeld aufgebaut. Unter der Frage „Was verstehen Sie unter Demokratie“ ist dabei eine ganze Zettelwand zusammengekommen. Beim „Picknick im Park“ im August ging es ebenfalls um ein gemeinsames Kennenlernen und den Austausch zum Thema Demokratie und Toleranz, ebenso am Weltkindertag. „Für den 17. Januar planen wir ein internationales Frühstück im Gemeindehaus der Kirche in Bösingfeld“, kündigt Christel Papke an. Beginn ist um 10 Uhr. Geplant ist außerdem eine Veranstaltung mit Louis Pawellek, der ein Buch gemeinsam mit Überlebenden des Holocaust veröffentlicht hat. „Mit Jukulex haben wir uns der Frage gewidmet, wie man Kinder und Jugendliche zum Thema erreichen kann“, berichtet Christel Papke von den monatlichen Treffen. Zuletzt sei außerdem Bürgermeister Christian Sauter zu Gast gewesen, der über die Formalien für die Ratskonstituierung berichtet habe. „Wir bekommen mittlerweile auch Anfragen“, erzählt Christel Papke. So zum Beispiel zum Warrior Hike Lippe, bei dem das Bündnis nun Schülerinnen und Schüler sowie Auszubildende und Studierende bei der Anmeldegebühr unterstützen möchte. „Wer Interesse hat, im Gegenzug in unserem T-Shirt zu laufen, darf gerne zum nächsten Treffen kommen“, erklärt Papke. Und apropos Ratssitzung: Auch hier wollen die Mitglieder weiter der AfD genau auf die Finger schauen. „Demokratie lebt davon, dass Menschen Haltung zeigen, wenn Ausgrenzung und Hetze Raum bekommen. Gemeinsam setzen wir ein Zeichen für ein respektvolles Miteinander und eine starke demokratische Kultur vor Ort“, sind sich alle einig. Das nächste Treffen findet am Dienstag, 2. Dezember, um 19 Uhr im Mehrgenerationenhaus Silixen statt. Das Bündnis informiert regelmäßig auch auf seiner Instagram-Seite.