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Holocaustüberlebender zu Gast in Extertal

Gegen das Vergessen: Louis Pawellek und Thomas Gabelin lesen in Bösingfeld

Louis Pawellek (links) und Zeitzeuge Thomas Gabelin im November 2024 in Blomberg. Nun kommen die beiden nach Bösingfeld. © Kyrill von Matuschka

Extertal. Louis Pawellek und Thomas Gabelin verbindet eine ungewöhnliche und enge Freundschaft: Der junge Buchautor und der KZ-Überlebende setzen sich gemeinsam gegen das Vergessen und für das Erinnern ein. Gabelin zählt zu den Letzten in der Öffentlichkeit aktiven Überlebenden des Holocausts. Auf Einladung des Heimat- und Verkehrsvereins Bösingfeld werden beide am 10. Februar 2026 in der Aula der Sekundarschule Nordlippe eine Lesung abhalten. Unter dem Titel „Es gab mehr als nur Auschwitz - Gedenkorte, die niemals in Vergessenheit geraten dürfen“, hat das Duo zuletzt ein gemeinsames Buch veröffentlicht.

Dafür hat Pawellek 17 eher unbekanntere Orte des Naziverbrechens in ganz Europa besucht, die mit vielen Bildern und Erklärungen vorgestellt werden. Das KZ und Ghetto Theresienstadt, welches Thomas Gabelin überlebte, ist einer dieser Orte. An dem Abend in Bösingfeld wird es nach dem Multivisionsvortrag auch originales Material, wie Häftlingsbriefe aus dem KZ Auschwitz, Postkarten oder Ghettogeld aus Theresienstadt zu sehen geben. Zudem soll eine Vielzahl von mahnenden und bewegenden Filmausschnitten weiterer mitwirkender KZ-Überlebenden aus anderen Buchprojekten von Pawellek gezeigt werden.

In Theresienstadt geboren

Thomas Gabelin wurde am 21. Dezember 1944 im Ghetto Theresienstadt geboren. Vater und Mutter wurden durch eine jeweils jüdische Großmutter als „Halbjuden“ angesehen und deportiert. Zu diesem Zeitpunkt war die Mutter mit Thomas hochschwanger. Statt eines „Vorzeigeghettos“, wie es die Propagandabeschönigungen in dem Film „Der Führer schenkt den Juden eine Stadt“, glauben machen wollten, erwarteten die Eltern und auch Thomas als Baby unmenschliche Dinge: Thomas Gabelin war als Baby in der Hohenelber Kaserne (der KZ-Klinik) übersät von Läusebissen. Es gab kein Wasser, deshalb musste der geschmolzene Schnee zum Leben ausreichen. Von 9000 in Theresienstadt inhaftierten Kindern, überlebten nur 100 und entkamen den Gaskammern von Auschwitz. Thomas ist eines dieser Kinder.

Im Anschluss an die Lesung und dem Zeitzeugengespräch wird es in einer Diskussionsrunde die Möglichkeit geben, dem Buchautor und dem Holocaust-Überlebenden mit Fragen ganz persönlich entgegenzutreten. Die Karten sind bei folgenden Vorverkaufstellen in Extertal für zehn Euro erhältlich: Apotheke in Almena, Hauptstraße 36, Frisör Schröder, Heidelbecker Straße 5, Nahkauf, Mittelstraße 27, Sternberg Apotheke, Mittelstraße 5 und bei www.eventim.de

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