Update: Mahnwache der Rechten in Horn eskaliert

Marianne Schwarzer

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Während einer Mahnwache der "Rechten" gab es eine Auseinandersetzung mit Gegendemonstranten. - © Marianne Schwarzer
Während einer Mahnwache der "Rechten" gab es eine Auseinandersetzung mit Gegendemonstranten. (© Marianne Schwarzer)

Horn-Bad Meinberg. Als bekannt wurde, dass die Partei "Die Rechte" mit Blick auf die Probleme mancher Horner mit zugewanderten EU-Bürgern aus Osteuropa eine Mahnwache unter dem Motto "Sicherheit, Recht und Ordnung in Horn" angemeldet hat, formierte sich über die sozialen Medien schnell der Widerstand: Die Horner wollen zwar, dass wegen der Probleme im Ort etwas unternommen wird.

Aber einige wollen sich keineswegs vor einen rechten Karren spannen lassen, wie auch Ditmar Ahrweiler vom Arbeitskreis gegen Nazis in Horn öffentlich erklärt hat. Unter den Ordnern sind aber nicht nur Mitglieder des Arbeitskreises, sondern beispielsweise auch SPD-Chef Celil Celik. Die Kirchengemeinde lud auf 12 Uhr zu einem Friedensgebet in die Kirche, etwa 80 Menschen folgten der Einladung.

Fotostrecke: Kundgebung der Partei "die Rechte" in Horn

Eine Stunde später, während die Rechten einen Bulli mit Dortmunder Kennzeichen auf dem Marktplatz postieren und Lautsprecherboxen darauf stellen, wächst die Schar ihrer Gegner auf der gegenüberliegenden Straßenseite: Omas gegen Rechts versammeln sich hier, Vertreter diverser Parteien von der FDP über die Grünen bis zur SPD und Vertretern des Arbeitskreises gegen Nazis.

Die Rechte mit erreichter Aufmerksamkeit zufrieden

Offensichtlich mit großer Befriedigung lässt Michael Brück, Bundesgeschäftsführer der Partei "Die Rechte", seinen Blick schweifen: "Unser Ziel ist die Aufmerksamkeit", sagt er der LZ. "Ich bin froh, dass unsere Veranstaltung so einen Anklang gefunden hat", sagt er später auch ins Mikrofon mit Blick auf die etwa 200 Gegendemonstranten.

Die allerdings dürften ihn kaum hören, denn sobald er oder Bundesvorsitzender Sascha Krolzig das Mikro ergreifen, ertönt ein lautes Trillerpfeifenkonzert und der vielstimmige Ruf "Nazis raus", der an diesem Nachmittag noch oft über den Marktplatz hallen wird.

Zwischen beiden Parteien hat sich die Polizei postiert, etwa ein Dutzend Beamte stehen sichtbar parat, während Andreas Mickel (FDP), der die Gegendemo angemeldet hatte, sich bemüht, die Reihen am Straßenrand in Ordnung zu halten, unter anderem auch wegen des Autoverkehrs.

Gegner und Befürworter unter den Zuschauern

Der Marktplatz ist zu dieser Stunde für die Rechte reserviert, den Gegendemonstranten bleibt der Straßenrand. Letztere müssen sich anhören, wie aus den Boxen nach Brücks erster Ansprache "Lustig ist das Zigeunerleben" ertönt, ein Seitenhieb auf die bulgarischen Zuwanderer, die zum Teil den Roma angehören.

Unter den Zuschauern sind durchaus auch Befürworter der Mahnwache: "Ich finde, die haben recht", sagt Christina Ulrich. Die Zustände in Horn seien unhaltbar: "Ich habe ein behindertes Kind, das ist schon von Bulgaren angepöbelt und bespuckt worden." Dazu, dass hier größtenteils Leute aus dem Ruhrgebiet demonstrieren, die eigentlich nichts mit Horn zu tun haben, schweigt sie: "Dazu sage ich nichts."

Derweil tönt es aus dem Mikro: "Man kann diesen Menschen ja keinen Vorwurf machen, dass sie kommen und sich bei uns die soziale Hängematte legen - die Gesetze sind schuld", ruft Brück. Darum verwundere es ihn, dass auf der Gegenseite Vertreter genau der Parteien aufliefen, die für diese Gesetze verantwortlich seien. "Wir sorgen dafür, dass wir in Deutschland endlich wieder abschieben, abschieben, abschieben", und "Deutschland den Deutschen", diese Parolen werfen Brück und Krolzig über den Marktplatz.

Stimmung heizt sich auf

Gegenüber wird die Stimmung zunehmend gereizter, vor allem in dem Bereich, in dem sich anscheinend hauptsächlich türkischstämmige Horner postiert haben. Dass sie permanent auch in Nahaufnahme von den Rechten fotografiert werden, provoziert. Und plötzlich eskaliert die Situation. Augenzeugen berichten später, einer der Rechten habe einen Ordner angegriffen, die Polizei schweigt sich dazu gegenüber der LZ aus: Auf jeden Fall rennen auf einmal einige sichtlich aufgebrachte Gegendemonstranten über die Straße, während die Rechten ihnen entgegenstürmen. Es kommt zu einem Geschubse, einige Sonnenbrillen gehen zu Bruch, Polizisten ziehen ihre Pfefferspraydosen und gehen dazwischen. Verletzt wird anscheinend niemand, einige Teilnehmer des Gerangels hüben wie drüben kriegen eine Ladung Pfefferspray ab, selbst Ditmar Ahrweiler.

Die Polizei fordert die offensichtlich in der Nähe postierte Verstärkung an, dann kehrt für einige Minuten halbwegs wieder Ruhe ein - abgesehen von der entsprechenden Kommentierung auf beiden Seiten.

Noch ein Zwischenfall

"Das ist so schade", sagt später Organisator Andreas Mickel, "genau das hatten wir ja vermeiden wollen. Wir wollten friedlich demonstrieren", und fast wäre das ja auch gelungen. Denn die Mehrheit der 200 hat sich aus dem Gerangel herausgehalten.

Dann kommt es zu einem weiteren Zwischenfall. Augenzeugen berichten, dass einer der Antifa-Vertreter sich von hinten an den Bulli herangeschlichen habe, um das Lautsprecherkabel aus dem Generator zu ziehen, aber erwischt wurde. "Dabei muss es zu einer Körperverletzung gekommen sein", erzählt Polizeisprecher Lars Ridderbusch später. "Notwehr" nennt es Michael Brück. Ratzfatz ringen die Polizisten den rechten Kontrahenten nieder und nehmen ihn in Gewahrsam, der andere ist offensichtlich abgehauen.

Frieden nur dank Polizeiaufgebot

Nachdem die Polizeiverstärkung aufmarschiert ist, kehrt endgültig Ruhe ein, die Rechten beenden ihre Veranstaltung, auch die Gegendemonstranten ziehen sich zurück.

Das Fazit? - "Eigentlich ist es ganz gut gelaufen", sagt Andreas Mickel. "Zwischendurch hatte ich mal Angst, dass das aus dem Ruder läuft, aber die Polizei hat gut reagiert." Man werde sicher aus dem heutigen Tag lernen. Könnte sein, dass sie mehr Gelegenheit bekommen, zu üben: "Ihr könnt sicher sein, das wird nicht das letzte Mal sein, dass wir hier in Horn-Bad Meinberg sind", hatte Michael Brück zum Abschied gesagt.

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