Horn-Bad Meinberg/Holzhausen-Externsteine. Ihre Strecke vom Bodensee bis zu den Externsteinen betrug mehr als 500 Kilometer. May Evers hat sie zu Fuß zurückgelegt. Sechs Wochen lang war die Hamburgerin abgesehen von einem Erholungstag täglich auf Schusters Rappen unterwegs, um damit für einen guten Zweck zu sammeln. Im Silberbachtal war die letzte Übernachtung, am Ziel wurde sie von einer kleinen Gruppe von Familien aus Oerlinghausen und Münster mit einem Willkommenstisch voller Leckereien und Getränken empfangen - eine freudige Überraschung für die gebürtige Ostwestfälin. May Evers ist nicht nur Kuratoriumsvorsitzende der Hilde-Ulrichs-Stiftung für Parkinsonforschung mit Sitz in Frankfurt, sondern selbst seit mehr als zehn Jahren von der Krankheit betroffen. Mit der Aktion „AktivZeit 2025 – Wandern mit Parkinson“ will sie zeigen: Trotz Parkinson ist Bewegung möglich – sogar lebenswichtig. Bewegung fördere Mobilität, Selbstständigkeit und das seelische Wohlbefinden. Und sie schaffe Begegnungen. „Aus zwei Gründen bin ich den Weg gegangen: Ich wandere gern, und Bewegung ist gut, wenn man Parkinson hat“, erzählt sie. Am Anfang habe sich der Fuß verkrampft, aber dann sei es super gewesen. Die erste Zeit wanderte sie allein. „Zum Ankommen in der Natur fand ich das gut, konnte mich in einen meditativen Zustand versetzen und die Gedanken ziehen lassen“, berichtete die 61-Jährige. Auch im Wald übernachtete sie. „Man muss sich daran gewöhnen, vor allem, wenn man Geräusche hört, die man nicht zuordnen kann“, gab sie zu. „Das Schlimmste war, dass ich mal Nacktschnecken im Vorzelt hatte, aber damit kann man umgehen.“ Im Schwarzwald schlug sie ihr Nachtlager in Hütten auf, mal auf einem Campingplatz, mal bei Parkinson-Betroffenen. Mal mit, mal ohne Begleiter Denn während einzelner Etappen liefen Menschen mit May Evers, die auf einem Teil des Europäischen Fernwanderwegs E1 und des Nord-Süd-Trails unterwegs war, mit. Menschen, die mit Parkinson leben und Unterstützerinnen der Hilde-Ulrichs-Stiftung für Parkinsonforschung. Auf Instagram konnten Interessierte in täglichen Videos sehen, was sie unterwegs erlebte. Tolle Gespräche hätten sich ergeben, berichtete die Wanderin. Mit Menschen, die sie aus der Parkinson-Community zwar schon kannte, aber die sie nun in ihrem Hause näher kennenlernte. „Da habe ich gelernt, wie wichtig es ist, ein soziales Netzwerk zu haben.“ Die Kuratoriums-Vorsitzende möchte auf die Krankheit aufmerksam machen. „Die Leute haben von ein, zwei Symptomen gehört, wissen aber nicht, was alles noch dazu gehört“, erklärt sie. Neben den motorischen Symptomen gebe es weitere psychische wie Depressionen, Demenz, Wesensveränderungen, Probleme mit der Verdauung und Nebenwirkungen von Medikamenten. 3000 Euro gesammelt Der zweite Grund für ihre Wanderung war, Spenden zu sammeln. Diese fließen in den Ausbau des digitalen Parkinson-Lotsen, der Betroffenen Angebote, Ärzte und Therapeuten, die in der Krankheit fachkundig sind, in ihrer Region aufzeigt. Im Zuge der Wanderung kamen 3000 Euro dafür zusammen. Lesen Sie auch: Diese Oerlinghauserin will Parkinson ein Gesicht geben May Evers arbeitet halbtags in der Kommunikation einer Entwicklungshilfe-Einrichtung, daneben engagiert sie sich ehrenamtlich für die Hilde-Ulrichs-Stiftung. Die private Stiftung fördert schwerpunktmäßig die Erforschung nicht-medikamentöser Behandlungsmethoden. Dazu gehören Sport- und Bewegungstherapien, Sprachtherapien, psychologische Unterstützungsangebote, Naturheilverfahren und Entspannungsverfahren. Die Mission sei es, so die Stiftung, Menschen mit Parkinson ein aktives Leben zu ermöglichen und ihre Lebensqualität nachhaltig zu verbessern. Über Parkinson Morbus Parkinson ist nach James Parkinson benannt, einem britischen Arzt und Apotheker (1755-1824). Die chronische Erkrankung ist noch nicht heilbar. Dabei sterben Zellen im Kleinhirn ab, die Dopamin herstellen. Dopamin-Mangel führt zu Symptomen wie Zittern, Bewegungseinschränkungen und Muskelkrämpfen. Die Ursache für das Absterben der Zellen ist bei der häufigsten Form des Parkinsons bisher nicht bekannt. Die medikamentöse Therapie beschränkt sich darauf, die Folgen des Dopamin-Mangels zu lindern. Nicht-medikamentöse Behandlungsmethoden sind wichtig, um mit der Erkrankung fit zu bleiben, so die Hilde-Ulrichs-Stiftung Parkinson. Hauptursache sei die zunehmende Alterung der Bevölkerung. 10 Prozent der Erkrankten sind bei der Diagnose jedoch jünger als 40. In Deutschland sind rund 400.000 Menschen an Parkinson erkrankt.