Horrorclowns auch in Lippe gesichtet

Yvonne Glandien

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Verbreitet Angst und Schrecken: Ein als sogenannter Horror-Clown verkleideter Mann. - © dpa
Verbreitet Angst und Schrecken: Ein als sogenannter Horror-Clown verkleideter Mann. (© dpa)

Kreis Lippe. Die Haare stehen in zwei bunten Büscheln zu den Seiten ab, dazwischen grinst eine verzerrte Fratze. Ein als Clown Kostümierter steht auf einem Kreisverkehr, in der Hand ein Gegenstand, der vielleicht ein Hammer seien könnte. Am späten Montagabend soll ein Horrorclown in Horn-Bad Meinberg Autofahrer erschreckt haben.

Das Foto des Clowns am Kreisel Bahnhofstraße/Hessenring kursiert zur Zeit in den sozialen Netzwerken. Ein Passant alarmierte die Polizei, als die Beamten ankommen, ist der Clown bereits verschwunden. Es ist nicht das erste Mal, dass die Polizei wegen eines Clowns in Lippe angerufen wurde. Bereits am Montagmorgen will ein Autofahrer eine kostümierte Gestalt an der Leopoldshöher Straße in Lockhausen gesehen haben. Damit ist klar: Das Phänomen, das zunächst nur in den Vereinigten Staaten auftauchte, ist nun auch in Lippe angekommen. "Wer einen Horrorclown sieht, sollte auf jeden Fall die Polizei anrufen und keine Eigenaktion starten", sagt Uwe Bauer, Pressesprecher der Kreispolizei.

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Ein Phänomen mit Geschichte

In der Horror-Branche taucht das Motiv des Clowns seit Stephen Kings Roman "Es" auf - er stellt es als das pure Böse dar. Die dämonische Clown-Figur "Pennywise" beruht dabei auf dem sadistischen Serienkiller John Wayne Gacy, der in den 1970er Jahren in den USA aktiv war und mindestens 33 Jungen und junge Männer getötet hatte. 1980 wurde er verurteilt und 1994 hingerichtet. Gacy trat gern für Kinder als "Pogo der Clown" auf - wurde aber später "Killerclown" genannt. King war davon beeindruckt - und in "Es" taucht sein "Pennywise" auf, um Kinder - das personifizierte "Gute" oder "Unschuldige" - anzulocken und zu töten. Eine Neuverfilmung des Romans soll 2017 erscheinen.

Die beiden lippischen Fälle sind aber nur die Spitze des Eisberges. Auch in Bielefeld ist es schon zu Vorfällen gekommen. Ein Clown soll in Brake Kinder erschreckt haben. Das Landeskriminalamt NRW (LKA) hatte bis gestern Nachmittag 138 Sichtungen in NRW verzeichnet, davon alleine 86 am vergangenen Wochenende. Das Kostümieren an sich sei natürlich nicht strafbar, die Polizei sei aber sensibilisiert und gehe jedem Hinweis nach.

Uwe Bauer sagt dazu: "Es kommt darauf an, wie man sich gegenüber anderen verhält." Wer anderen etwa Schaden durch Erschrecken zufügt, müsse unter Umständen mit einer Freiheitsstrafe rechnen. Alleine das Auftreten eines Horrorclowns erlaube aber auch keine Selbstjustiz, "wer so agiert, muss selbst mit einem Strafverfahren rechnen", sagt Bauer.

Insbesondere in den sozialen Medien werde zunehmend zu Gewalt gegen die Kostümierten aufgerufen, und das geht auch an den Jüngsten nicht vorbei: "Gerade die Dritt- und Viertklässler beschäftigt das Thema schon", sagt Marc-Philipp Geßner von der OGS der Grundschule Hiddesen. Zusammen spreche man mit den Kindern darüber, wie sie reagieren sollten, falls sie einem Clown begegnen. "Dabei geht es auch darum, zu erklären, dass nicht alle Clowns angreifen wollen", sagt Geßner.

Die meisten Gruselmasken werden im Internet bestellt, meint Ulrich Drawe vom Kostümshop Drawe in Schlangen. "Wer sowas macht, will das anonym tun."

Nutzer hoffen auf klare Grenzen

Kreis Lippe. Nicht nur an dunklen Straßenecken, auch in den sozialen Netzwerken sind die gruseligen Clowns vertreten. Immer mehr Beiträge verunsichern viele Nutzer im Netz. Das sagen LZ-Leser zu dem Phänomen:

  • "Wenn man aufhört, den Clowns eine Plattform zu bieten und ständig über sie zu posten, werden die Nachahmer auch nichts machen... Das sind nur Leute, die was nachmachen und sich freuen, wenn jeder im Internet darüber berichtet."
  • "Ich hoffe nur, die ziehen bei alten Menschen die Grenze! Meine Mutter muss abends mit dem Hund raus, und sie hat Angst davor."
  • "Einfach nur geisteskrank. Sollen sich Jobs suchen, damit sie ausgelastet sind. Gebildete können nicht dahinter stecken."
  • "Wenn das so weitergeht, gehe ich in keinen einzigen Zirkus mehr!"
  • "Nein, falls mir einer von denen zu nahe kommt, gibt es eine Warnung, dass ich mich wehren werde. Wenn keine Reaktion kommt, wird es ungemütlich für den Clown!"
  • "Solange sie mich nur erschrecken und nicht verletzten oder sonst was, kann ich drüber lachen."
  • "Also ich kann dazu nur sagen, wenn ich so einen in die Finger bekomme gibt's Ärger. Denn kleine Kinder können sich richtig erschrecken und wenn dieser Schreck bei Menschen seelischen Schaden verursacht, dann hört der Spaß auf."
  • "Ich habe einen tollen Hund. Alles, was zu ungemütlich nah kommt, wird erst Knurren hören. Wenn das nicht Warnung genug ist, dann tut?s mir leid."

Die gesamte Diskussion können Sie unter www.facebook.com/Deine.LZ nachlesen.

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