In der Fernseh-Sendung „Vier Hochzeiten und eine Traumreise" gönnen sich viele Bräute untereinander kaum die Butter auf dem Brot...
FROONCK: Wir haben das intern mal geprüft: Knapp 80 Prozent der Sendungen gehen ohne offenkundige Bosheit über die Bühne. Aber die Zicken bleiben natürlich am meisten im Gedächtnis, da man sich mit ihnen emotional auseinandersetzt - indem man sich über sie aufregt.
Wie wird eine Hochzeit denn zusätzlich belastet, wenn ein Kamerateam eingeladen ist?
FROONCK: Das Kamerateam stellt meiner Erfahrung nach kaum eine Belastung dar, da es ja reine Dokumentation ist – also die beobachtende Begleitung mit Abstand OHNE Eingreifen. Es wird nicht Regie geführt, es wird nicht gestoppt oder wiederholt wie bei einem Filmdreh; alles passiert, wie das Brautpaar es geplant oder nicht geplant hatte. Das ist ja das Spannende: Reality! Somit vergisst das Brautpaar nach kurzer Zeit, dass „wir" überhaupt dabei sind.
Auch ohne TV-Kamera stehen Bräute heutzutage unter enormem Stress. Hochzeiten müssen gefühlt immer pompöser werden. Woher kommt dieser Trend?
FROONCK: Ich denke, dass die Erwartungshaltung des Brautpaares und der Gäste früher eine andere war, da man sich eher einordnete und am bekannten Status orientierte – es ging weniger oder gar nicht um das individuelle Dasein. Dieses ist ja in den letzten Jahrzehnten gesellschaftlich immer mehr in den Vordergrund gerückt.
Was heißt das genau?
FROONCK: Es geht um die Glückserfüllung des Einzelnen. Welches Leben kann ich mir gestalten, wie kann ich meine eigenen Bedürfnisse noch mehr befriedigen, wie steche ich heraus – man strebt stets und ständig nach der Eigenverwirklichung und permanentem Glück. Und dazu gehört eben auch die sehr individuelle Hochzeit. Man fragt sich viel mehr: was möchte ich? Und wendet sich so auch von den teils traditionellen Vorstellungen der vorherigen Generationen ab. Es soll immer detaillierter, personalisierter werden und wird damit automatisch komplexer.
Was raten Sie Bräuten, die sich zu sehr unter Druck setzen?
FROONCK: Wichtig ist natürlich die präzise Planung. Wenn zeitlich und inhaltlich alles gut eingetaktet ist, kann nichts schief gehen. Man sollte von Beginn an ein Budget fixieren. Alle Themen, die man realisieren möchte, auflisten und einen Zeitplan erstellen, was wann zu erledigen ist. Am besten auch einen Tag pro Woche fixieren, an dem man sich um die Planung kümmert. Die Regelmäßigkeit hilft.
Über soziale Netzwerke teilen Bräute extravagante Bilder rund um die Vorbereitungen. Was kann man gegen das Gefühl „Meine Hochzeit ist nicht gut genug" tun?
FROONCK: Das ist in der Tat Segen und Fluch zugleich. Man bekommt schöne Inspiration, aber wird auch durch die Millionen-Möglichkeiten als Laie schnell überfordert. Vor allem, wenn man selber nicht genau weiß, was man will. Von dem Vergleich sollte man sich wirklich frei machen, denn darum geht es nicht. Der eigene „schönste Tag" steht zur Debatte, und da sollte man sich erst mal mit dem Partner zusammensetzen und notieren, was man davon erwartet, wie man sich die Atmosphäre, den Ablauf, die Location vorstellt. Danach bitte erst auf die Suche gehen, wie man diese Vorstellungen umsetzen kann – nicht umgekehrt! Dann kann man von den zahlreichen Fotos schon viel lernen und abschauen.
Man hört immer wieder von Paaren, die sich kurz vor der Eheschließung trennen. Was genau sind die Gründe dafür?
FROONCK: Das stimmt. Ich habe hier eine sehr einfache, nüchterne Erklärung: Dann hat es mit den beiden sowieso nicht gestimmt. Wenn es so schwer ist, sich zu einigen oder dass einer dem anderen folgt bzw. man eine gemeinsame Linie festlegt, dann passt die Konstellation generell nicht. Wenn die Vorstellungen hier soweit auseinandergehen, dann wird sich das später auch nicht ändern. Und dann sage ich: Besser jetzt mit Krawumm trennen, als später eine teure Scheidung nach einer kostspieligen Hochzeit! Die Hochzeitsplanung ist neben dem ersten gemeinsamen Urlaub, dem Zusammenziehen oder Beziehen des neuen Zuhauses natürlich eine Nagelprobe für das Paar. Bei diesem komplexen Thema, wo meist keiner der beiden Erfahrung in der Organisation hat und die Braut definitiv dominant ist, zeigen sich die Charaktere sehr schnell.
Hochzeitsvorbereitungen sind also der Belastungstest für die Ehe? Wie können Paare ihre Beziehung schützen?
FROONCK: Exakt. Genau das ist meine Erfahrung. Damit es nicht eskaliert sind eine offene Kommunikation, ein realistisches Timing und die klare Struktur vonnöten. Denn nichts ist schlimmer, als unter Zeitdruck oder zwischen Tür und Angel Entscheidungen treffen zu müssen, wenn beide mitreden möchten. Dann gerät dieses Projekt schnell in Schieflage.