Lemgo/Kreis Lippe. Dass sie als ehemalige Azubis im Handwerk einiges auf dem Kasten haben, haben die frisch gebackenen Konditoren, Neuzulassungen im KFZ-Bereich oder gehärteten Metaller Dank ihres Gesellenbriefs schwarz auf weiß. Er lässt einen Großteil der Anstrengungen in den Lehrjahren vergessen und brachte die Absolventen am Samstag in Lemgo in beste Feierlaune.
„Machen statt rumsitzen", hieß etwa die Devise von Dominic Kleesiek, der mit seinen Kollegen stolz auf die Gesellenbriefe als KFZ-Mechaniker anstieß. „Schon seit mein Vater an seinem Porsche rumgeschraubt hat, war für mich klar, dass ich in seine Fußstapfen treten will." Ein Job in Anzug und Krawatte sei nie in Frage gekommen. Zwar locke das hohe Gehalt, das sei ihm aber nicht so wichtig wie ein erfüllender Berufsalltag. Außerdem, ist er überzeugt, werde sich die Struktur ohnehin ändern.
Das prognostiziert sein Gesellenkollege Philip Krause: „Die Regierung muss auf den Trend reagieren, wir werden immer mehr spezialisierte Fachkräfte brauchen, je komplizierter unsere Anlagen werden. Das muss dann vernünftig bezahlt werden, wenn es jemand machen soll. Ich bin sicher, da wird es einen Wandel geben." Speziell betroffen sieht er dabei sein Handwerk: „Den Hybrid- und E-Fahrzeugen gehört die Zukunft. Aber dafür werden immer mehr Experten benötigt, die sich auskennen." Deshalb sei der Markt so vielversprechend.
Das Tolle an einer handwerklichen Berufsausbildung sei ja, dass einem mit einem fundierten Wissen Türen offen stünden. Ein dritter Weg führt andere Absolventen direkt in die Industrie. Dennis Herfort hat sich als Anlagemechaniker ausbilden lassen und gibt selbstbewusst zu, dass er das „vor allem wegen des guten Verdienstes" gemacht habe. Auch er hält seinen Berufszweig für einen aufstrebenden Ast mit viel Potenzial für die Zukunft.
Digitalisierung und Handwerk stehen sich dabei nicht im Weg, meinte Hauptgeschäftsführer Peter Gödde. Neugierde, kreatives Schaffen und Lernen aus eigenem Interesse seien Werte, die in der Gesellschaft an Relevanz gewinnen werden. Praxisorientierte Bildung könne in großen Teilen nicht durch Digitalisierung ersetzt werden und mache sie damit für die Menschen umso wichtiger. Kreishandwerksmeister Mickel Biere appellierte an die Gesellen, mutig, entschlossen und kreativ zu bleiben. „Mit immer neuen Zielen ist alles möglich."
Und kreativ sind sie allemal, die Arbeitsmarkteinsteiger, wie einige von Ihnen auf der Bühne der Phoenix Contact Arena unter Beweis stellten. Die feierliche Lossprechung konnte sich dabei fast mit TV-Formaten wie „Wetten dass?" und anderen Fernsehshows messen lassen.
Die Innungsbesten aus dem Kreis Lippe
405 Gesellen kommen aus Paderborn. Die besten der 283 Gesellen aus Lippe und ihre Ausbildungsbetriebe: Shusan Voskanyan aus Bad Salzuflen (Fachverkäuferin im Lebensmittelhandwerk, Meffert), Raphael Wiens aus Detmold (Maurer, Krüger GmbH); Tim Drewes aus Lemgo (Dachdecker, Drewes); Kevin Voigt aus Dörentrup (Elektroniker, Kledtke); Julia Müller aus Lage (Fachverkäuferin im Lebensmittelhandwerk, Combi); Sulav Igrek aus Detmold (Friseurin, Fehmi Ibrahim); Daniel Müller aus Lage (Zweiradmechatroniker, Pagel + Meier); Oliver Bernhardt aus Detmold (Maler und Lackierer, König); Sam Justin Purves aus Detmold (Metallbauer, Schmidt); Julian Weidmann aus Detmold (Anlagemechaniker für Sanitär, Heizung- und Klimatechnik, Wiese); Sabrina Gerke aus Lemgo (Tischlerin, Stadt Detmold); Nils Pfeifenbrück aus Lage (Zimmere, Schulze); Tabea Koop aus Lemgo (Kauffrau für Büromanagement, Block Sanitärtechnik).