Missbrauch auf Lügder Campingplatz: "Das ist kein normaler Tatort"

Janet König

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Ort des Missbrauchs: Ein Blick in die Hütte des Hauptbeschuldigten lässt die chaotischen Wohnverhältnisse von Andreas V. nur erahnen. An der Wand hängen gemalte Bilder. - © Bernhard Preuss
Ort des Missbrauchs: Ein Blick in die Hütte des Hauptbeschuldigten lässt die chaotischen Wohnverhältnisse von Andreas V. nur erahnen. An der Wand hängen gemalte Bilder. (© Bernhard Preuss)

Lügde-Elbrinxen. Die Tür zur Baracke des Hauptverdächtigen Andreas V. auf dem Campingplatz „Eichwald" steht offen, während das 15-köpfige Spezialistenteam sich für die große Räumungsaktion bereitmacht. Ein kurzer Blick hinein lässt den Betrachter erschauern. Nicht das Chaos löst tiefe Erschütterung aus. Es sind die bunten Bilder an der Wand – gemalt von Kinderhänden – an einem Ort, an dem mindestens 31 Kinder tausendfach von Andreas V. und seinem Komplizen Mario S. missbraucht worden sein sollen.

Damit keine Beweise mehr verloren gehen, sind nun die Parzellen der mutmaßlichen Kinderschänder bis auf den letzen Krümel ausgeräumt worden. Polizisten der Bielefelder Hundertschaft und Ermittler der EK „Eichwald" schleppten am Mittwoch unter den Augen von drei Staatsanwälten Tische, Möbel und säckeweise Müll aus der Baracke des Hauptverdächtigen Andreas V.. „Das ist kein normaler Tatort", sagt Oberstaatsanwalt Ralf Vetter vor Ort. Die Behausung stehe randvoll mit Gerümpel. „Man kann kaum einen Fuß vor den anderen setzen." Genau das erschwere auch die Sicherung der Beweise. Doch damit sollte nun Schluss sein. Stück für Stück sind alle Gegenstände aus der Behausung in einen Container gebracht worden. Mögliche Beweismittel gingen direkt in die Asservatenkammer nach Bielefeld.

Für die bisher größte Durchsuchungsaktion auf dem Campingplatz „Eichwald" war eigens einer von weltweit zwei ausgebildeten Datenträgerspürhunden angefordert worden. Der Einsatz des Belgischen Schäferhundes „Artus" (9) war erfolgreich, der Rüde erschnüffelte in der Ritze eines Sessels einen weiteren USB-Stick. Ob sich darauf kinderpornografisches Material wiederfindet, muss laut Mitteilung der Ermittler noch ausgewertet werden. Daneben wurden gestern noch weitere Datenträger sichergestellt – die Zahl liege im zweistelligen Bereich, hieß es vage. Am Donnerstag sollen die Durchsuchungen fortgesetzt werden.

Dass die Polizeiaktion erst nach so vielen Wochen mit derartiger Konsequenz erfolgt, ist laut Oberstaatsanwalt Ralf Vetter nichts Außergewöhnliches. „Man muss auch Prioritäten setzen. Das Hauptaugenmerk lag am Anfang sicher auf der Zeugenbefragung", sagt Vetter. Schließlich sei bereits bei der ersten Durchsuchung der Parzellen eine schier „unvorstellbare" Menge an Daten sichergestellt worden. Die chaotischen Verhältnisse in der Behausung seien wohl auch ein Grund dafür, weshalb erst in der vergangenen Woche 133 weitere Datenträger im Wohnwagen des Hauptbeschuldigten gefunden worden sind.

Das Ziel der Staatsanwaltschaft sei es nun, mit der kleinteiligen Räumungsaktion das Kapitel Beweisaufnahme am Tatort „hoffentlich" abschließen zu können. Dazu werde sicher noch ein weiterer Tag nötig sein. Innenminister Herbert Reul hatte die Aktion übrigens dem Vernehmen nach nicht angeordnet.

Im Hintergrund laufen die Ermittlungen weiter. Am Dienstag war ein 16-Jähriger als siebter Beschuldigter benannt worden. Er stammt aus dem Umfeld des Campingplatzes und soll kinderpornografische Schriften besessen haben. Von der Ermittlungskommission werde auch geprüft, ob der Minderjährige möglicherweise selbst Opfer des sexuellen Missbrauchs geworden sein könnte.

Information

Rechenzentrum durchsucht


Das kommunale Rechenzentrum in Lemgo (krz) ist an einem Wochenende Mitte Januar durchsucht worden. Es ging um digitale Handakten des lippischen Jugendamtes. Das krz allerdings führe diese Akten gar nicht, sagte krz-Geschäftsführer Reinhold Harnisch: „Diese liegen auf den Servern im Kreishaus." Die Polizei habe dadurch wichtige Zeit verloren. Lippes Landrat sagte, er habe von der Durchsuchung erst zwei Wochen später erfahren.

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