Hacker-Angriff legt lippische Arztpraxen lahm

Astrid Sewing

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Waren Geschlossen: Die Praxis für Neurologie und Psychiatrie in Lage an der Schötmarschen Straße gehört zum Medizinischen Versorgungszentrum Lippe. Hacker hatten das Computersystem des Praxen-Verbundeslahm gelegt. 
- © Bernhard Preuss
Waren Geschlossen: Die Praxis für Neurologie und Psychiatrie in Lage an der Schötmarschen Straße gehört zum Medizinischen Versorgungszentrum Lippe. Hacker hatten das Computersystem des Praxen-Verbundeslahm gelegt. (© Bernhard Preuss)

Kreis Lippe. Die Praxen in Lage, Detmold und Lemgo sind besetzt, aber behandelt wird niemand. Im Verbund des Medizinischen Versorgungszentrums Lippe (MVZ) ist das Computersystem am Donnerstag durch einen Trojaner lahm gelegt worden. Das Klinikum Lippe ist nicht betroffen.

Geschlossen sind die Cardiopraxis und Pulmopraxis Detmold im Detmolder Medicum, die Neuropraxis und die Chirurgische und Unfallchirurgische Praxis Broy im Medicum Lemgo sowie die Praxis für Neurologie und Psychiatrie in Lage. „Die Mitarbeiter sind vor Ort und helfen den Patienten, eine andere Praxis zu finden", sagt der Pressesprecher des Klinikums, Christian Ritterbach. Auch die Notfallversorgung sei durch das Klinikum gesichert. Dessen Standorte in Lemgo und Detmold seien nicht mit dem IT-Netzwerk des MVZ verknüpft.

Hacker stellen Lösegeldforderungen

Nach Informationen der LZ war ein Polizist als Patient in einer der Praxen, als das System quasi durch den Trojaner gesperrt wurde. Später soll eine Lösegeldforderung für das Entsperren der Daten gestellt worden sein, eine Bestätigung für diese Information gab es gestern nicht. Die Polizei ermittelt. Am frühen Mittwochnachmittag identifizierte der Virenscanner des MVZ Lippe-Netzwerkes einen Virenangriff. „Es handelt sich hier um eine Sicherheitslücke in der Datenbanksoftware", sagt Ritterbach. Das Klinikum sei nicht betroffen, weil die Systeme keine Verbindung haben und die hochsensible Infrastruktur noch besser geschützt sei. „Die Netzwerke sind komplett voneinander getrennt."

Externe IT-Spezialisten hätten sofort versucht, das Eindringen des Trojaners in das Netzwerk zu verhindern – ohne Erfolg. Das gesamte Praxismanagementsystem ist nicht mehr nutzbar und ein Datenzugriff nicht möglich. „Von den Tätern sind keine Patientendaten abgerufen worden, vielmehr können zum Beispiel keine Rezepte mehr ausgedruckt werden, es gibt keinen elektronischen Zugriff auf den Kalender und die Patientendaten", stellt Ritterbach klar. Zwar gebe es auch Backups und noch eine Aktendokumentation, „aber man ist heute auf den Computer angewiesen, das kann man nicht mal eben überbrücken und das Praxismanagement umstellen."

Bei dem Angriff wurde eine sogenannte Ransomware in das Netzwerk geschleust. Diese Art von Trojaner modifiziert die Daten der Computer, so dass diese nicht mehr ordnungsgemäß funktionieren und der Datenzugriff verhindert wird. Sie sind verschlüsselt. Und das Ganze ist auch nicht mal eben zu beheben.Die Praxen bleiben vorerst geschlossen, mindestens bis zum 14. Juni.

Weil die Mitarbeiter nicht an den Kalender kommen, können Termine auch nicht abgesagt werden. „Die Geschäftsführung der MVZ Lippe GmbH entschuldigt sich bei allen Patientinnen und Patienten für die Unannehmlichkeiten und bittet um Verständnis für die Situation", sagt Ritterbach. Bei den Patienten, deren Termine ausfallen, werden sich die Praxen nach Wiederherstellung der Systeme melden, um Ersatztermine anzubieten. Der Pressesprecher rät, nicht bei den Praxen vorbeizufahren, sondern anzurufen.

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