Unwetter: Überflutungen in Lügde und Nordlippe - Kreis Höxter besonders schwer betroffen

Viktoria Bartsch, Kirsten Fuhrmann, Simone Flörke und Yannick Sonntag

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Das Unwetter hat am Dienstagabend zu zahlreichen Einsätzen geführt - © Feuerwehr Lügde
Das Unwetter hat am Dienstagabend zu zahlreichen Einsätzen geführt (© Feuerwehr Lügde)

Kreis Lippe/Höxter. Starker Regen hat in der Nacht zu Mittwoch Teile von Lippe überflutet. In Lügde und dem lippischen Norden war es besonders heftig. Straßen waren nicht befahrbar, Keller liefen voll, in Extertal sogar eine Werkstatt.

Um 22.30 Uhr wurde die Feuerwehr nach Lügde gerufen, weil ein Keller vollgelaufen war. Nach Informationen der Feuerwehr waren die Einheiten an 22 Einsatzstellen tätig. „Neben den mit Wasser und Schlamm vollgelaufenen Kellern reinigten die Einsatzkräfte Straßen von Geröll und beseitigten umgestürzte Bäume", so die Einsatzmeldung. Das Unwetter traf Rischenau und Falkenhagen.

Auch in Extertal und Dörentrup kam es zu Überflutungen – besonders in Extertal-Bremke. Wasser und Schlamm flossen nach Angaben von Extertals Feuerwehrchef Mike Bartels um 22.35 Uhr auf den Hof einer Werkstatt neben der Shell-Tankstelle an der Extertalstraße. „Im Goldenen Winkel" lief der Keller eines Wohnhauses voll, die Rickstraße und die Göstruper Straße mussten von Schlamm und Geröll befreit werden.

Werkstatt in Extertal-Bremke überflutet

„Wenn die Wassermassen den Berg runterkommen, ist man machtlos", sagt Mark Jäger. Er ist Inhaber der Autowerkstatt neben der Shell-Tankstelle an der Extertalstraße in Bremke. Das Unwetter in der Nacht zu Mittwoch hat auch dort seine Spuren hinterlassen.

Aufräumarbeiten: Mark Jäger gräbt einen Kanal frei, der durch den Matsch verstopft ist. Sein ganzer Hof, der an Werkstatt und Tankstelle an der Extertalstraße grenzt, war vollgelaufen. - © Kirsten Fuhrmann
Aufräumarbeiten: Mark Jäger gräbt einen Kanal frei, der durch den Matsch verstopft ist. Sein ganzer Hof, der an Werkstatt und Tankstelle an der Extertalstraße grenzt, war vollgelaufen. (© Kirsten Fuhrmann)

Mark Jäger traf es in diesem Jahr bereits zum zweiten Mal. „Das Pflaster ist versaut, und auch in die Werkstatt ist Wasser gelaufen", sagt er. Seit der Nacht ist er mit dem Aufräumen beschäftigt. Anfangs hatte ihn auch die Feuerwehr unterstützt. „Ich werde bestimmt noch vier bis fünf Tage brauchen", stellt der Kfz-Mechatroniker fest. Da die Kanäle auf seinem Grundstück verstopft seien, war er gestern noch damit beschäftigt, diese freizulegen und zu reinigen. Mit einem Bagger habe ihm die Gemeinde Extertal geholfen und den Hof von den Schlammmassen befreit. Die wurden bei Starkregen vom Büsingsberg heruntergespült und sammelten sich in seinem Hof an der Abzweigung Bremker Straße, da sein Grundstück die tiefste Stelle sei.

„Die Sandsäcke, die ich zum Schutz an die Straße gelegt hatte, wurden einfach weggespült", berichtet er von der Wucht der Wassermassen. Der Gemeinde sei das Problem bekannt, so Jäger. Er hofft darauf, dass es Maßnahmen zum Hochwasserschutz an der Extertalstraße gibt. „Das wird aber bestimmt noch dauern."

Nachbarkreis trifft es ebenfalls hart

In der Unterführung am Bahnhof in Warburg stand das Wasser hoch. - © Simone Flörke
In der Unterführung am Bahnhof in Warburg stand das Wasser hoch. (© Simone Flörke)

Auch im Kreis Höxter hat das schwere Unwetter am Dienstagabend für jede Menge Arbeit in der Leitstelle der Kreisfeuerwehrzentrale in Brakel und bei der Polizei gesorgt, wo die Notrufe eingingen. Verkehrsstörungen auf nahezu allen Bundes- und Landesstraßen meldete die Polizei am späten Abend.

So war Land unter in einigen Dörfer, darunter Hembsen und Erkeln. Das Wasser stand auf der Bundesstraße 252 (Ostwestfalenstraße) fast knietief. In Warburg wurde die Unterführung am Bahnhof zu einem Schwimmbad für Autofahrer. Die konnten sich teilweise nur mit Mühe auf den Straßen halten und angesichts der Wassermenge auf den Fahrbahnen nur sehr langsam vorankommen. Unter Bäumen entwickelten sich auf den dicken Blätter-Meeren gefährliche Rutschbahnen. Denn die Gullis konnten die Wassermenge in so kurzer Zeit nicht mehr aufnehmen.

Hoher Sachschaden, keine Verletzten

Mittlerweile laufen die Aufräumarbeiten in den Ortsteilen Hembsen und Erkeln auf Hochtouren - Schlammlawinen sorgten in der Nacht für ein Bild der Verwüstung. Mülltonnen, Äste und Hausrat wurden auf die Straßen gespült und zahlreiche Autos durch das Unwetter beschädigt.

Aktuell gibt es noch keine Übersicht über die Anzahl der Schäden. Fest steht aber bereits: Verletzt wurde niemand. Auch wie oft die Feuerwehr in der Nacht ausrücken musste, ist noch unklar. Die Einsatzzahl werde auf jeden Fall dreistellig sein, heißt es seitens der Feuerwehr. Mehr als 100 Mal wurde der Notruf der Kreispolizei Höxter alarmiert.

Laut Polizei sind mittlerweile alle Straßen wieder frei, allerdings bestehe noch Rutschgefahr. Die Aufräumarbeiten werden voraussichtlich noch den ganzen Tag andauern - der Ortsteil Erkeln ist am schwersten betroffen. Zur Vorsicht wurde in dem Ortsteil in einigen Straßenzügen der Strom abgestellt. Aktuell gibt es alleine in Erkeln noch 24 Einsatzstellen, eine mobile Einsatzzentrale wurde auf der Straße aufgebaut.

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