Detmolderin aus Amerika hofft auf Biden

Till Sadlowski

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Abzeichen für die Präsidentschaftswahl mit den Aufschriften «Vote» und «2020» sind auf einem Smartphone-Bildschirm vor einer US-Amerikanischen Flagge zu sehen. - © (c) ZUMA Wire
Abzeichen für die Präsidentschaftswahl mit den Aufschriften «Vote» und «2020» sind auf einem Smartphone-Bildschirm vor einer US-Amerikanischen Flagge zu sehen. (© (c) ZUMA Wire)

Detmold. Der Ausgang der heutigen US-Wahl wird von der ganzen Welt mit Spannung verfolgt. Viele US-Amerikaner in Deutschland haben per Briefwahl abgestimmt. Auch Joanne Herzberg (59), die jüdische Vorsitzende der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit geht heute Nacht nicht ohne Sorgen ins Bett, sagt sie. Mit der LZ teilt sie ihre Vermutungen und schlimmsten Befürchtungen.

Aus der Ferne versucht Joanne Herzberg die Stimmung in den USA zu beschreiben: "Es ist alles schwarz oder weiß. Die Menschen stehen sich auf zwei unterschiedlichen Seiten des Spektrums gegenüber", sagt sie auf englisch. Vom republikanischen Kandidaten Donald Trump hält sie nicht viel, so viel ist klar. Ihr Kreuz hat sie für Joe Biden gemacht, von dem sie mehr "decency" (zu Deutsch: Anstand) erwartet, als vom Populisten Trump. Doch ob der Demokrat gewinnt oder nicht, sie befürchtet das Schlimmste. "Wenn Trump gewinnt oder einen Sieg Bidens nicht anerkennt, wird das ein Schlag sein, von dem sich die Demokratie nicht erholen wird", ist sie sich sicher.

Gut genug, weil er nicht Trump ist

Die Einschätzung einiger Experten, dass Trump sogar ein Putsch-Versuch starten könnte, sollte er verlieren, erinnerten an Erzählungen ihrer Vorfahren aus der NS-Zeit: "Ich bin unter Verfolgten aufgewachsen. Die Geschichten erinnern mich an das, was jetzt passiert." Sie sei froh während der Wahl in Deutschland sein zu können, denn sie glaubt, es könne zu Gewalt in den Straßen kommen.

Joanne Herzberg ist US-Amerikanerin, lebt aber in Detmold. Sie hat bereits vor einem Monat per Briefwahl abgestimmt. - © Archivfoto: Yvonne Glandien
Joanne Herzberg ist US-Amerikanerin, lebt aber in Detmold. Sie hat bereits vor einem Monat per Briefwahl abgestimmt. (© Archivfoto: Yvonne Glandien)

Joanne Herzberg hat ihre Stimme bereits vor einem Monat per Briefwahl abgegeben. Donald Trump macht seit Monaten Stimmung gegen die Wahl per Post, bezeichnet sie als Betrug. Sie hofft, dass ihr Heimatstaat Missouri ihre Stimme nicht "zufällig verliert". Joe Biden sei für viele als Kandidat einfach gut genug, weil er "nicht Trump ist", die Wahl-Detmolderin glaubt allerdings auch so an den blauen Kandidaten. "Er weiß das Amt zu respektieren und er kennt sich außenpolitisch aus." Das sei auch bitternötig, meint sie. Einerseits um der Corona-Pandemie gemeinsam Herr zu werden und, um Trumps Schäden an Auslandsbeziehungen zu kitten.

Die Wahlnacht will Joanne Herzberg nicht vor dem Fernseher oder am Live-Ticker verbringen. "Wenn um 23 Uhr die ersten Stimmen ausgezählt werden, kann ich vielleicht um 1 Uhr ins Bett. Wenn ich aufwache, sind morgens hoffentlich die Ergebnisse da", sagt sie. Ein Erwachen wie vor vier Jahren als Trump als Sieger verkündet wurde, hofft sie nicht noch einmal erleben zu müssen.

Information
Alle aktuellen Entwicklung zur US-Wahl gibt's in unserem Liveblog und unter LZ.de/uswahlen.

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