Mitmach-Roman Teil 1: In Lippe fallen die Vögel vom Himmel

Sven Koch

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Wird aus dem Thriller ein Liebesroman? Spielen Außerirdische eine Rolle?  - © Mysticsartdesign/Pixabay
Wird aus dem Thriller ein Liebesroman? Spielen Außerirdische eine Rolle?  (© Mysticsartdesign/Pixabay)

Beim „Lippe Kreativ"-Fortsetzungsroman ist ab sofort  die Fantasie der Leserinnen und Leser gefragt. Denn wie es weitergeht, entscheiden allein Sie: Wird aus dem Thriller ein Liebesroman? Spielen Außerirdische eine Rolle? Wichtig sind nur zwei Dinge: Ihr Text sollte ein Ende haben, an den die nächsten Autoren anknüpfen können. Und er muss exakt 4000 Zeichen inklusive Leerzeichen umfassen.

Der beste Fortsetzungsvorschlag, der uns bis zum 9. Dezember an lippekreativ@lz.de gemailt oder per Post geschickt wird, wird am kommenden Samstag in der LZ abgedruckt - und online erscheinen. Viel Spaß beim Lesen und Schreiben!

Teil 1: In Lippe fallen die Vögel vom Himmel

Detmold (dpa). Ein leichtes Erdbeben der Stärke 4,2 hat gegen 2.50 Uhr den Kreis Lippe erschüttert. Personen wurden nicht verletzt, die Sachschäden sind jedoch beträchtlich. Laut Deutschem Seismologischen Institut hat sich das Beben in einer Tiefe von zehn Kilometern ereignet. Im Kreis Lippe als nicht vulkanisch oder tektonisch aktiver Region sei der Vorgang sehr ungewöhnlich, heißt es.

Fredo Pfitzner stand am Straßenrand und zielte beim Pinkeln auf eine Blume. Neben ihm parkte sein Mercedes. Vor ihm erstreckte sich grünes Feld. Die Halme bogen sich im Wind des Morgens, der einen klaren, heißen Sommertag verhieß. Dahinter war der Zaun einer Weide zu sehen. Einige Kühe grasten. Fredo sah an seinem Schlips entlang zum wuchtigen Bauch hinab. Es wirkte, als ob der feine Strahl direkt aus seinem Nabel kam. Mit solchen Vergleichen hatten sie ihn schon in der Schule geärgert. Aber er hatte es allen gezeigt und war jetzt der Chef der Zemtex Zement- und Betonwerke. Einige der Hohlbirnen von damals arbeiteten nun für ihn. Großartig.

Weniger großartig war, dass das Erdbeben Schäden an der Kohlendioxid-Entsorgungsanlage verursacht hatte. Sie diente zur unterirdischen Verpressung des Klimakillers CO2 an den Zemtex-Werken und war Teil der Millioneninvestition, die die Pfitzner-Gruppe mit üppiger Klimaschutz-Förderung vom Bund und der EU getroffen hatte.

Weiter waren an Gewächshäusern der Pfitzner-Plant-AG, die zu einem anderen Betrieb des Imperiums gehörte, zahllose Scheiben zerborsten, wofür die Versicherungen wohl keinen Cent zahlen würden. Warum auch, denn Erdbeben waren in Lippe so häufig wie Tsunamis am Matterhorn, dachte Fredo und schloss den Reißverschluss. Er war gerade auf dem Weg zur Plant AG, um das Dilemma zu inspizieren und hatte auch Helfried Kesting an Ort und Stelle zitiert, seinen Anwalt.

Fredo blickte auf und sah nochmals zu den Kühen, aber sie standen nicht mehr da. Sie lagen auf dem Boden und schliefen. Komisch, dachte er, so auf einmal ...

Wenige Minuten später hielt sein Wagen auf dem weitläufigen Hof, hinter dem sich in endlosen Reihen Gewächshäuser sowie etliche Quadratmeter an Sonnenkollektoren erstreckten. Fredo stieg gerade aus, als der erste Vogel tot vom Himmel fiel und genau vor ihm auf dem Boden aufschlug.

Dr. Angela Kesting fuhr mit ihrem Geländewagen vom Supermarkt-Parkplatz und bog in Richtung Nordring ab. Helfried hatte ihr den SUV letztes Jahr zum Hochzeitstag geschenkt. Purer Luxus, aber mit praktischem Hintergrund: Als Tierärztin des Veterinärmedizinischen Untersuchungsamtes war sie oft im Gelände unterwegs und gerade auf dem Weg zum Schiedersee, wo zahlreiche tote Fische angespült worden waren. Ein merkwürdiger Vorfall. Sie hatte die Zeit vor dem Ortstermin mit dem Umweltamt des Kreises genutzt, um noch schnell ein paar Einkäufe zu erledigen.

Sie passierte den Gartencenter, an dem in der Nacht die Dachverglasung zersprungen war, wie sie beim Frühstück online in der LZ gelesen hatte. Auch im Supermarkt gab es Schäden – umgestürzte Regale. Helfried hatte gemeint, heute werde ein langer Tag werden. Er glaubte nicht, dass die Versicherer auch den Schutz vor Erdbebenschäden abdeckten. Deswegen würden viele Lipper Rat und Hilfe suchen – allen voran Fredo Pfitzner.

Angela fuhr über die Kreuzung der Lageschen Straße und hängte sich auf dem Nordring hinter einen großen Lkw. Sie beschleunigte, um ihn zu überholen, als mit lautem Krachen etwas auf ihrer Motorhaube aufschlug. Sie zuckte zusammen. Bevor Angela reagieren konnte, traf etwas auf die Windschutzscheibe und ließ sie zerbersten. Instinktiv stieg Angela mit beiden Füßen auf die Bremse. Der SUV brach aus, stellte sich quer und kam schließlich zum Stehen. Sie stieg aus und versuchte, sich zu orientieren. Ihr wurde eiskalt, als sie die blutigen Klumpen auf der Windschutzscheibe sah. Auf dem Boden lagen jede Menge tote Vögel. Amseln, Meisen, Spatzen, Stare, Krähen... Es mussten Hunderte sein.

Angela taumelte und lehnte sich an den Kotflügel. Was, um Gottes Willen, ging hier vor?

Information

Der Autor

LZ-Redakteur Sven Koch ist für Lokales in Detmold und für den Kulturteil zuständig. Als Autor schreibt er außerdem Thriller und Krimis für Droemer-Knaur und den Fischer-Verlag. Seine unter dem Pseudonym Pierre Lagrange erscheinenden Provence-Krimis sind SPIEGEL-Bestseller. Für den Anfang unseres Fortsetzungsromans hat es der Profi natürlich nicht an Dramatik im Lipperland fehlen lassen.

Werden Sie der Autor es zweiten Teils? Schicken Sie Ihren Vorschlag per Mail an lippekreativ@lz.de

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