Detmold. In Detmold haben Kinder beim Spielen Entenküken schnattern gehört. Sie entdeckten acht Entenküken in einem Regenrückhaltebecken, die dort alleine nicht mehr herauskamen. Geistesgegenwärtig riefen die 6 und 12 Jahre alten Kinder die Feuerwehr, die sich dann als Tierretter betätigte. Alles gut gegangen. Aber ist der Anruf bei der Feuerwehr bei hilflosen Tieren immer die richtige Lösung? „So pauschal lässt sich das nicht sagen“, sagt Luisa Glocker von der Biologischen Station in Schieder. „Es kommt immer darauf an, welches Tier man findet.“ Wer plötzlich eine zwei Meter lange Schlange in seinem Garten findet, der macht mit einem Anruf bei der Feuerwehr wohl alles richtig. Denn die Wehren haben für die Rettung exotischer Tiere speziell ausgebildetes Personal. „Bei einem Feldhasen oder Reh, die Anzeichen von Stress zeigen, ist es aber besser, den Jäger anzurufen“, sagt Glocker. „Der weiß, was dann zu tun ist.“ Stress zu erkennen, sei bei Tieren manchmal gar nicht so einfach, gibt sie zu. „Das trifft zu, wenn man eine Wunde erkennen kann oder die Tiere sehr fiepen.“ Denn von der Mutter im Gras abgelegte Tiere, wie Rehkitze oder junge Hasen, blieben normalerweise ruhig, um keine Räuber anzulocken. Abgelegte Tiere dürfen auch keinesfalls berührt werden, damit sie keinen Menschengeruch annehmen. Damit würde sie die Mutter später eventuell verstoßen. Vorsicht beim Anfassen! Beim Anfassen sei auch bei anderen Tieren Vorsicht geboten, sagt Glocker. „Entenvögel können Milben im Gefieder haben. Wenn ich keinen Handschuh habe, sollte ich mir auf jeden Fall hinterher die Hände waschen.“ Bei Fledermäusen seien wegen der Tollwut-Gefahr Handschuhe auf jeden Fall Pflicht. „Die beißen mitunter. Aber durch einen Gartenhandschuh kommen die in der Regel nicht durch.“ „Tiere unter Stress können beispielsweise desorientiert wirken“, sagt Glocker. „Im Zweifel immer lieber anrufen“, rät sie. Doch wie finde ich Telefonnummern von Jägern? „Der Jagdpächter ist nicht so einfach herauszufinden“, sagt Glocker. Bei einem Wildunfall könne die Polizei den zuständigen Jagdpächter natürlich auch herausfinden. Es sei immer ein guter Tipp, auf der Internetseite der Kreisjägerschaft Lippe nachzuschauen, sagt Glocker. Auf https://lippe.ljv-nrw.de/ sind rechts oben unter dem Hamburger-Menü (drei Striche) die unterschiedlichen Hegeringe mit ihren Ansprechpartnern zu finden. Viele Tipps im Internet Auf ihrer eigenen Internetseite listet die Biologische Station unter dem Menüpunkt „Service“ und „Tier gefunden?“ Tipps für den Umgang mit verschiedenen Wildtierarten auf. Immer wieder rät sie, erst zu prüfen, ob das Tier wirklich hilfsbedürftig sei. Nicht selten passiere es, dass Tiere aus falsch verstandener Tierliebe regelrecht „krank gepflegt“ würden. So bedeute ein auf dem Boden sitzender bettelnder Jungvogel nicht, dass dieser von seinen Eltern verlassen worden sei. „Es handelt sich sehr wahrscheinlich um einen sogenannten Ästling“, heißt es auf der Webseite. „Diese Jungtiere verlassen ab einem gewissen Alter das Nest, werden aber weiterhin von ihren Eltern versorgt. Ihr Bettelruf ist kein Hilferuf an den Menschen! Lassen Sie diese Tiere am besten einfach am Fundort sitzen.“ Igel dürften als reine Insektenfresser niemals mit Obst gefüttert werden, schreibt die Biologische Station. „Auch von Milch können Igel schlimmen Durchfall bekommen, woran die Tiere sterben können.“ Pures Rührei, Wasser und Katzenfutter seien wesentlich besser für das Tier. Viele möchten dem Höckerschwan helfen An welche kuriosen Fälle mit hilfsbedürftigen Wildtieren erinnert sich Glocker? „Aktuell hatten wir am Schiedersee einen Höckerschwan“, erzählt sie. „Der hat sich kaum von der Stelle bewegt, konnte aber laufen und hat auch ein wenig gefressen und aus einem Graben Wasser getrunken.“ Mithilfe der Feuerwehr habe die Biologische Station das Tier eingefangen. „Während wir auf die Feuerwehr warteten, kamen viele Menschen vorbei und alle fragten besorgt, was denn mit dem Tier sei“, erinnert sich Glocker und findet es schön, dass so viele Menschen dem Tier helfen wollten. Letztendlich landete der Schwan in der Tierklinik Stukenbrock. „Er hatte zwischen Hals und Schnabel eine kleine Ausbuchtung, in der sich über die Jahre Sediment und Steinchen angesammelt hatten. Das tat ihm beim Fressen weh und er hatte vergeblich versucht, das selbst herauszubekommen.“ Um zu den Entenküken zurückzukommen: Dass Tiere aus Teichen und Regenrückhaltebecken nicht mehr herauskommen, ist gar nicht so selten. So berichtet die Rheinische Post (RP) aus dem Bergischen Land von einem Vorstoß der Grünen Ratsfraktion. Diese wollte Ausstiegshilfen für Tiere im kommunalen Löschwasserteich installieren lassen. In der Gemeinde Rommerskirchen im Rhein-Kreis Neuss sei das ebenfalls diskutiert worden, schreibt die RP. Anwohner hatten von toten Hasen und Katzen im Wasserreservoir berichtet. Einige panisch herumpaddelnde Mäuse seien von Nachbarn gerade noch gerettet worden. Holzbrett als Ausstiegshilfe Experten schlagen deshalb vor, in Schwimmbecken und Teichen mit steilem Ufer mit einem Holzbrett Tieren die Flucht zu ermöglichen. Das müsse bis zu zehn Zentimeter unter die Wasseroberfläche reichen, seine Neigung solle nicht mehr als 20 Prozent betragen und idealerweise sei es mit einem Kunststoff-Maschengeflecht umwickelt und werde so auch bei längerem Verbleib im Wasser nicht schlüpfrig. Ähnliche Ausstiegshilfen für Tiere sind übrigens auch für Lichtschächte und Kellerabgänge sinnvoll.