Detmold. 150 Jahre – ein stolzes Alter. Irgendwie schade, dass man das Geburtstagskind nicht selbst sprechen kann. Moment mal. Vielleicht kann da ja die Künstliche Intelligenz helfen. Hier ist das Ergebnis: Ein fiktives Gespräch mit Hermann, dem Cheruskerfürsten. 150 Jahre Denkmal auf der Grotenburg, und der alte Kerl hat immer noch Haltung. Über Detmold, Disco-Kopfhörer, deutsche Denkkultur und einen Herzenswunsch, der nichts mit Currywurst zu tun hat. Mensch Hermann, Glückwunsch zum 150.! Wie fühlt sich’s an, wenn einem sogar eine Briefmarke gewidmet wird? Hermann, der Cherusker: Na endlich! Ich stehe seit anderthalb Jahrhunderten hier oben rum, und jetzt hat mich die Post auch mal bemerkt. Dass ich mir die Marke mit Bandel teile – geschenkt. Ohne den alten Brummbär gäb’s mich ja nicht. Ich sag’ mal so: Als Herrscher war ich kurz da, als Statue ziemlich dauerhaft. Das Jubiläumsprogramm zu deinem Geburtstag ist riesig: „Silent Disco“, Heerlager, Comedy, Konzerte, Wanderungen, Kunsthandwerk Welche Veranstaltung ist für dich der Höhepunkt? Hermann, der Cherusker: Ganz ehrlich? Ich freue mich über alles, was mehr ist als Currywurst und Panoramafoto. Die „Silent Disco“ unter meinem Schwert – Hammer! Endlich mal Beats statt Bismarckzitate. Und dass der Becker erklärt, wie Musik Politik macht – da kribbelt selbst mir das Kettenhemd. Am meisten rührt mich aber, dass alle Generationen mitmachen – von Wald-Wanderung bis Walk-Act. So wird Geschichte lebendig. Am 16. August gibt’s den großen Festakt. Talkrunde, Radtour, Lagerfeuer Wo wärst du dabei, wenn du nicht festgeschraubt wärst? Hermann, der Cherusker: Beim Hermann-Talk natürlich! Ich hab da noch ein paar Fragen zur heutigen Politik. Aber Lagerfeuer wär auch meins. Damals wie heute: Gute Gespräche passieren am Feuer, nicht auf TikTok. Und die Radtour von Lemgo zur Grotenburg? Sportlich. Ich war ja eher fürs Reiten. Aber die Idee finde ich klasse – langsam, aber mit Haltung. Es heißt, du seiest in deiner Haltung Richtung Frankreich ausgerichtet. Zufall? Hermann, der Cherusker: Ja, genau. Zufall, wie das Schwert in der Hand. Nein, natürlich nicht! 1875 war Frankreich der große „Gegner“, da hat man mich gleich mal passend positioniert. Heute würde ich vielleicht in Richtung Brüssel gucken – oder nach innen. Man muss ja nicht immer gegen etwas sein. Man kann auch „für“ was stehen. Und was wünschst du dir – für dich, für deine Besucherinnen und Besucher? Hermann, der Cherusker: Zwei Sachen: Erstens, dass man mich nicht nur als Selfie-Hintergrund nutzt, sondern sich fragt, was ich symbolisiere – auch kritisch! Ich bin ein Denkmal, kein Maskottchen. Zweitens, dass Kinder hier nicht nur Pommes bekommen, sondern auch Geschichten. Dass sie erleben, wie spannend Vergangenheit sein kann. Geschichte ist kein Schulbuch, sondern ein Abenteuerplatz mit Fragenzeichen. Die neue Erlebniswelt „Hermanneum“ gefällt mir echt gut. Kritische Stimmen sagen: Du bist ein Denkmal aus einer Zeit, in der Nationalstolz alles war. Was sagst du dazu? Hermann, der Cherusker: Stimmt. Ich bin ein Kind des 19. Jahrhunderts – und das war nicht immer ein feines Jahrhundert. Aber genau deshalb bin ich heute wichtig: Weil ich ein Denk-Mal bin. Wer denkt, der fragt. Wer fragt, der lernt. Ich steh nicht nur für Mut, sondern auch für Missverständnisse. Und das ist okay – solange man drüber redet. Was hältst du eigentlich von der Idee, dass Besucher sich dieses Jahr von dir abseilen dürfen? Hermann, der Cherusker: Mutige Idee! Ich steh’ ja schon fest im Sattel – wenn sich andere mal kopfüber runtertrauen, Respekt. Aber hoffentlich seilen sich nicht zu viele vom Denken ab (lacht). Nein, im Ernst: So wird mein Inneres mal buchstäblich sichtbar. Ich hab da nichts zu verbergen – Kupfer innen wie außen! Was soll nach deiner großen Geburtstagsparty bleiben, wenn der letzte Walk-Act abzieht, die Bühne abgebaut ist und das Lagerfeuer erloschen? Hermann, der Cherusker: Ich hoffe, dass man nicht nur feiert, sondern auch fragt: „Wofür stehen wir?“ Ich wünsch mir, dass mehr Menschen das hier als Ort begreifen, an dem man über die eigene Zeit nachdenkt. Nicht nur über Varus, sondern über uns. Ich brauch’ keine Lichtershow, wenn jemand den Wald neben mir wirklich sieht. Aber natürlich freue ich mich immer sehr über die Show. Hermann, zum Jubiläum ist eine Zeitkapsel vergraben worden. Was würdest du in eine Zeitkapsel hineinlegen? Hermann, der Cherusker: Was für eine Idee! In meiner Zeit gab’s keine Kapseln – nur Runensteine und Grabhügel. Ich würde reinlegen: ein altes Wahlplakat, ein Brot vom Wochenmarkt in Detmold, einen Schüleraufsatz über mich – und ganz wichtig: eine Postkarte mit dem Satz „Fragt nach den Geschichten hinter den Steinen“. Ich wünsche mir, dass man in 100 Jahren nicht nur staunt, wie wir gelebt haben, sondern versteht, was uns umgetrieben hat. Denn mal ehrlich: Zwischen Toga und Turnschuh ist es gar nicht so weit. Hermann für die Ohren Noch nicht genug vom Hermann? Entdecken Sie jetzt den LZ-Podcast „Mythos Arminius“ und kommen Sie mit auf Spurensuche. Alle Folgen gibt’s unter LZ.de/podcast