Kalletal/Kreis Lippe. Nur etwa ein Prozent der Brustkrebs-Patienten sind Männer. Einer von ihnen ist Ernst Sprick aus Kalletal. Der 87-Jährige hat die Krankheit besiegt und ist nun Teil der nächsten Fotoausstellung von Sabine Mirbach, die dem Krebs damit ein Gesicht geben will. Die Bad Salzuflerin freut sich, nun zum ersten Mal einen Mann dabei zu haben. Denn nicht viele würden dazu stehen. Nicht so Ernst Sprick. Der gelernte Schmied hat nicht zum ersten Mal mit einer schweren Diagnose zu kämpfen. 2011 sei er im Urlaub in Oberwiesenthal (Erzgebirge) zusammengebrochen. Im Krankenhaus entdeckten sie einen Hirntumor - zum Glück gutartig. Doch das Hypophysenadenom, so der Fachausdruck, war der Grund für seine extremen Kopfschmerzen, die immer wieder auftraten und dann plötzlich weg waren. „Ich dachte, mein Kopf platzt“, erinnert sich der Kalletaler. Mehr als 20 Jahre lang hatte er damit zu kämpfen. Sprick wurde sogar im Alter von 52 Jahren in Frührente geschickt, weil die Ärzte keine Ursache hätten finden können. Nun hatte er Gewissheit. Aber zunächst hieß es, der Tumor sei inoperabel. Schließlich wurde er doch in Bethel operiert, zweimal - erfolgreich. Seither geht er regelmäßig zur Vorsorge bei seiner Endokrinologin in Gütersloh. „Meine Ärztin hatte mich bereits gewarnt, dass ich gefährdet bin. Daher war ich sensibilisiert“, sagt Sprick. So tastet der 87-Jährige regelmäßig seine Brust ab. Beim Abtasten entdeckt Am Morgen des Heiligenabends 2021, nur zwei Monate nach dem Tod seiner Frau, war es dann soweit: „Ich habe gemerkt, dass meine Brustwarze sich krümmte. Das war ein Schreck“, schildert der Kalletaler den Moment, als er realisierte, dass er Brustkrebs hat. Gleich nach den Feiertagen, am 3. Januar 2022, sei er zum Arzt und von dort aus direkt zur Mammografie gefahren. „Eine Frau hat mich sogar angeschimpft, was ich denn da wolle“, erinnert sich der 87-Jährige. Sabine Mirbach erklärt: „Viele wissen nicht, dass auch Männer Brustkrebs bekommen können.“ Nach einer Gewebeentnahme steht fest, dass er Brustkrebs hat. „Das gesagt zu bekommen, war nicht mehr so schlimm. Ich wusste es ja schon“, blickt der 87-Jährige zurück. Eine Bestrahlung ist nicht notwendig. „Ich war zum Glück früh genug da.“ Stattdessen werden ihm bei einer Operation Anfang Februar zwei Lymphknoten entfernt. „Ich lag eine Woche im Krankenhaus, aber Schmerzen hatte ich keine“, sagt Sprick. Seither geht er zweimal im Jahr zur Kontrolle und hat sogar noch eine Herz-OP vor zwei Jahren überstanden. „Erfahrung weitergeben“ Nun möchte Ernst Sprick als Teil der Fotoausstellung darauf aufmerksam machen, dass auch Männer Brustkrebs bekommen können. „Ich habe es am eigenen Leib erfahren und will meine Erfahrung weitergeben“, sagt der Kalletaler. Die Ausstellung wird unter anderem am Sonntag, 26. Oktober, von 11 bis 16 Uhr beim Brustkrebstag der Volkshochschule Löhne in der Werretalhalle, Alte Bünder Straße 14, zu sehen sein. Weitere Standorte in ganz Ostwestfalen-Lippe werden noch bekannt gegeben. Ziel ist es für Mirbach, die die Ausstellung seit 2023 ehrenamtlich organisiert, das Bewusstsein für Brustkrebs zu stärken und anderen Betroffenen Mut zu machen. Insgesamt machen in diesem Jahr 45 Teilnehmerinnen und ein Teilnehmer mit - so viele wie nie. Sie kommen überwiegend aus OWL, aber auch von weiter her, und zeigen sich während oder nach der Therapie. Mit ihrer Kamera eingefangen hat sie Fotografin Nadine Marga-Fahrenkamp aus Bad Salzuflen, die erschrocken darüber ist, dass einige der Frauen erst in ihren 30ern sind. „Eine der Frauen bekam die Diagnose in der Schwangerschaft. Eine andere hat zum dritten Mal Brustkrebs. Das sind Geschichten, die oft emotional sind“, sagt Marga-Fahrenkamp.