Kreis Lippe. Aus vier Berufskollegs in Lippe sollen zwei werden: ein technisch geprägtes Kompetenzzentrum in Lemgo, ein kaufmännisch geprägtes in Detmold. Dort soll ein weiteres für die Bereiche Gesundheit/Soziales und Ernährung/Versorgung/Gastronomie entstehen. Insgesamt würde das 136 Millionen Euro kosten. Mit diesem Vorschlag, der in zehn bis zwölf Jahren umgesetzt werden soll, geht die Kreisverwaltung in die politische Diskussion. Landrat Dr. Axel Lehmann hofft auf ein Ja des Kreistages am Montag, 6. Oktober. Erstmals beschäftigt sich der Bildungsausschuss am Dienstag, 9. September, mit dem Plan (15 Uhr, Innovationszentrum Dörentrup). Lehmann hofft, mit diesem Vorschlag die Kuh endlich vom Eis zu bekommen - die Zukunft der vier Berufskollegs ist seit Jahren Thema, insbesondere, weil das Hauptgebäude (Gebäude 4) des Felix-Fechenbach-Berufskollegs (FFB) in Detmold dringend saniert werden muss. Das ist vom Tisch, es soll abgerissen werden, wenn in Lemgo eine neue Werkhalle entstanden ist. Verwaltungsvorstand Olaf Peterschröder stellte klar, dass der viel diskutierte Brandschutz bis dahin absolut gegeben sei. Landrat fordert; „Grundsatzbeschluss jetzt“ In der Folge sollen Gebäude nach und nach leergezogen werden/Klassen und Werkräume umziehen, es werde weder in Lemgo noch in Detmold Unterricht ausfallen oder Ähnliches. Das Gebäude 4 des Fechenbach werde durch ein kleineres ersetzt, außerdem entstünden dort weitere Parkplätze. Was mit dem Gelände an der Klingenbergstraße (noch Fachschule für Holztechnik) geschehe, werde sich zeigen. Es wird bekanntlich von den großen Detmolder Unternehmen Weidmüller, Wortmann und Ecclesia umzingelt. Der Landrat setzt sich vehement für einen Grundsatzbeschluss noch in dieser Wahlperiode ein, um weitere Zeitverzögerungen zu vermeiden. Ein Neubau (wie vom Gutachter als Alternative genannt) sei zu teuer, Grundstückssuche und -kauf zögen sich ebenso wie das Erlangen von Baurecht. Dies wäre mit 176 Millionen Euro außerdem die teuerste Lösung. „Bildungslandschaft auf hohem Niveau“ „Und wir würden Geld in der gleichen Größenordnung ausgeben, wenn wir alle Kollegs mit den bestehenden Angeboten halten und aufpeppen würden“, sagte Lehmann. Dass aber etwas geschehen müsse, sei unstrittig. Lippe müsse eine Bildungslandschaft auf hohem Niveau bieten, wolle es Fachkräfte gewinnen oder halten. Es gelte, mit der dualen Ausbildung Schritt halten zu können. Viele junge Leute müssten nachqualifiziert werden, gleichzeitig sei allerdings der demografische Wandel deutlich, es gebe in Zukunft weniger Schüler an den Kollegs. Die Bruttogeschossfläche werde in der Konsequenz von 70.000 auf 50.000 Quadratmeter verkleinert. „Wir brauchen diese Raumkapazitäten nicht mehr und müssen um so mehr Doppelstrukturen abbauen.“ Die Schulentwicklungsplanung zeige unzweifelhaft, dass das gesamte System in den Blick genommen werden müsse, erklärte Peterschröder. Dies sei nun der Fall. „Wir schaffen Synergien und gehen inhaltlich einen großen Schritt nach vorn.“ Das Ganze sei nachhaltig und werde in Modulen umgesetzt, auch der neue Kreistag werde eingebunden, könne gegebenenfalls Änderungen beraten. Der Grundsatzbeschluss aber müsse jetzt gefasst werden. Auch, weil der Kreis Gelder aus dem Investitionspaket des Bundes erhoffe. „Großer Konsens“ Die Verantwortlichen des Kreises lobten den großen Konsens vieler Akteure. Die Kollegs selbst - sowohl Schulleitung als auch Schüler - seien in den Vorschlag eingebunden, die IHK, die Bürgermeister oder die Bezirksregierung, berichtete Dirk Menzel (Vorstand Lippe Bildung). Karen Zereike, Chefin des Eigenbetriebs Schulen, lobte, dass doppelte Angebote gebündelt würden, Fachvertretungen an einem Standort miteinander arbeiten könnten. Kooperationsmöglichkeiten mit der TH OWL würden ausgebaut und gesucht, ebenso mit dem Klinikum oder der geplanten Pflegeschule für die Detmolder Kolleg-Bereiche Gesundheit/Soziales. Der Gesundheits-/Sozialbereich könnten in einem eigenständigen Berufskolleg gebündelt und sichtbarer gemacht werden, „was die Attraktivität dieser zukunftsträchtigen Berufsfelder deutlich erhöht.“ Axel Lehmann betonte: „Es wird keine Verlierer oder Gewinner geben, sondern Bildung auf höchstmöglichem Niveau.“ Klar, der eine Schüler werde künftig weiter, der andere kürzer fahren müssen. Manch Hanse-Schüler müsse dann nach Detmold, mancher vom FFB nach Lemgo. Aber: Es werde etwas ganz Neues geschaffen. Und deswegen werde es am Schluss des Prozesses auch neue Namen für die Kollegs geben müssen. Bonhoeffer-, Fechenbach-, Hanse - oder Lüttfeld-Berufskolleg werden Platz für Neues machen.