Kreis Lippe. Der Kreis möchte seine Berufskollegs neu ausrichten und zukunftsfähig gestalten. Das ist notwendig, zum einen aus wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Gründen - Stichwort demografischer Wandel, der zu sinkenden Schülerzahlen führt -, zum anderem aufgrund von Doppelstrukturen, wie der Kreis schreibt. Denn: Sowohl das Dietrich-Bonhoeffer-Berufskolleg in Detmold (DBB) als auch das Hanse-Berufskolleg in Lemgo haben eine kaufmännische Ausrichtung, das Felix-Fechenbach-Berufskolleg in Detmold (FFB) sowie das Lüttfeld-Berufskolleg in Lemgo haben einen überwiegend gewerblich-technischen Schwerpunkt. Bereits im September vergangenen Jahres hatten Wolf Krämer-Mandeau und Bernd Kunz von „biregio - Projektgruppe Bildung und Region“; einem Bonner Planungbüro spezialisiert auf Schulen, Kindertagesstätten, Sportstätten und Schulbauten sowie der Demografieplanung und ihren Folgen für die Stadtentwicklung; ihre Einschätzungen zu den Berufskollegs vorgestellt. Sie schlugen vor, sich alle Doppelangebote genauestens anschauen und Fächer nur an einem Standort anzubieten. So könnte zum Beispiel die Metalltechnik in Lemgo gebündelt werden, Kfz-, Elektrotechnik und Informatik in Detmold. Damit warfen sie auch die bisherige Planung für das FFB über den Haufen. Das sollte eigentlich saniert werden, Abriss und Neubau - ebenfalls eine überlegte und begutachtete Variante - waren vom Tisch. Doch die Planer präferierten einen Abriss und Neubau des Gebäudes IV des FFB sowie einen Anbau am DBB. Handlungsbedarf erkannt „Ein synergetisches Anpassen und Zusammenlegen der Angebote der Berufskollegs in Trägerschaft des Kreises Lippe ist also ein notwendiger Entwicklungsschritt“, schreibt nun der Kreis. Eine Grundlagenstudie habe mehrere Varianten entwickelt, welche die Zukunftsfähigkeit der Berufsschullandschaft in Lippe sicherstellen soll. „Es ist uns ein zentrales Anliegen, die Schülerinnen und Schüler an unseren Berufskollegs bestmöglich auf ihren Berufseinstieg vorzubereiten. Wir haben Handlungsbedarf erkannt und möchten deshalb Synergien weiter aus- und Doppelstrukturen abbauen“, betont Landrat Dr. Axel Lehmann. Die zentrale Frage sei, wie eine „zukunftsfähige Bildungslandschaft, die nicht nur aktuellen Bedarfen gerecht wird, sondern auch flexibel auf kommende Anforderungen reagieren kann“ aussehe. In einer Grundlagenstudie hat „conceptk“, spezialisiert auf pädagogische Architektur und Schulbau, dafür drei Varianten erarbeitet: Zum einen die Konzentration der technischen Ausbildungen in Lemgo, sowie der kaufmännischen in Detmold – oder diese Option inklusive eines zusätzlichen Zentrums für Gesundheits-, Pflege- und soziale Berufe in Detmold. Zum anderen schlägt die Studie den Neubau eines Schulkomplexes an einem infrastrukturell attraktiven Standort in Lippe vor. Entscheidung im Oktober? „Bei Variante eins und zwei würden die vier Schulen nach und nach umziehen, Bereiche verschmelzen und neue geschaffen sowie Gebäude neu genutzt oder abgerissen werden. Option drei wäre ein kompletter Umzug in einen Neubau“, erklärt Karen Zereike, Leiterin des Eigenbetriebs Schulen beim Kreis Lippe. In den kommenden Wochen werde „conceptk“ Raumbedarf und Kostenrahmen der Varianten konkretisieren. Die Studie bezieht dabei die Meinungen der Schüler- und Lehrerschaft der vier Schulen mit ein. „Deutlich wird hier, dass sich die Akteure eine agilere, flexiblere und offene Lernumgebung wünschen“, sagt Dr. Olaf Peterschröder, zuständiger Verwaltungsvorstand beim Kreis Lippe. „Im Gespräch mit den Schulleitungen haben wir bereits konstruktive Rückmeldungen erhalten.“ „Als nächster Schritt folgt nun die politische Diskussion. Der Kreistag wird eine Grundsatzentscheidung für eine der drei Varianten fällen. Diese werden wir dann weiter verfolgen“, sagt Kämmerer Rainer Grabbe. Die Verwaltung hofft auf eine Entscheidung in der kommenden Kreistagssitzung im Oktober. „Uns ist bewusst, dass dieser Zeitrahmen eng gesteckt ist, wünschen uns aber, dass wir diesen großen Schritt noch in dieser Wahlperiode gehen können.“ Dirk Menzel, Fachdienstleiter Bildung beim Kreis Lippe, betont abschließend: „Egal, welche Entscheidung die Politik am Ende trifft – elementar ist, dass wir mit den Berufskollegs bei dieser Umstrukturierung auch weiterhin eng zusammenarbeiten und sie bestmöglich unterstützen. Wir werden ein Changemanagement implementieren, um den Weg gemeinsam zu gehen.“