Blomberg-Großenmarpe. Als Kontrast zu erwartbaren Themen - Hauswirtschaft, Ernte und Tierfutter - haben die lippischen Landfrauen auf ihrem Kreistag einen gänzlich anderen Akzent gesetzt. Sie trafen sich am Wochenende im Marpetal (Großenmarpe) und diskutierten nicht etwa Landwirtschaft, sondern Migration. Eingeladen hatte Marlies Witte, Vorsitzende der Landfrauen, Evelyne Waithira Müller, eine gebürtige Kenianerin, die in Lippe lebt. In ihrer Zeit als britische Soldatin verliebte sie sich in einen Deutschen, heiratete ihn und zog nach Lippe. Bei den Landfrauen erzählte die Kenianerin, die ein Buch unter dem Titel „Frau Müller, die Migrantin“ geschrieben hat, aus ihren Leben. Mit der Heirat hatte sie sich nicht nur für einen Mann, sondern auch für ein Land entschieden, in dem vieles ganz anders ist als in ihrer Heimat. Die Landfrauen im Marpetal ließ sie daran teilhaben, „wie Deutschland und sie sich aneinander gewöhnt haben“. Müller: „Ich lebe seit 19 Jahren in Deutschland. Ich habe also ein Gefühl zu den Problemen der Integration und Erfahrungen mit Ausgrenzung. Das Buch habe ich damals allerdings auch geschrieben, um anderen Migranten Mut zu machen.“ Obwohl es nicht immer leicht war - im Umfeld von Heimweh, Fettnäpfchen oder dem Kampf mit der deutschen Bürokratie. In Großenmarpe berichtete sie folglich von den kulturellen Unterschieden und den vielen unausgesprochenen Gepflogenheiten. Auch Alltägliches wurde abgehakt Mehr als 1000 Mitglieder haben die Landfrauen mittlerweile in Lippe. Marlies Witte und ihr Vorstandsteam standen übrigens anlässlich des Wiedersehens in Großenmarpe nicht zur Wahl. Der Abend stand im Zeichen des Referats von Evelyne Waithira Müller, vor dem Tagesordnungspunkt wurden aber zudem noch ein paar Aspekte aus dem Alltag der Landfrauen „abgehakt“. Freuen konnten sich die Mitglieder beispielsweise darüber, dass es einen neuen Schal in bunten Farben „am Markt gibt“. Als Zeichen der Verbandszugehörigkeit wird der Schal an mehrere Dutzend Ehrenamtliche im Kreis Lippe verschenkt. Witte: „Zudem können alle unsere Frauen im Kreisverband den Schal auch kaufen.“ Außerdem erhielt Ulrike Rüggemeier (Kalletal) aus den Händen von Stefan Behrens (Kammer) den Goldenen Meisterbrief; sie hatte vor 50 Jahren die Prüfung zur Meisterin in der ländlichen Hauswirtschaft bestanden. Landfrauen werden digital Witte und ihr Vorstandsteam verwiesen zudem auf das bereits laufende Jahresprogramm des Kreislandfrauenverbandes. Es liegt zwar in gedruckter Form (A5) vor, wird aber nicht mehr wie früher „wie Kamelle“ unters Volk verstreut. Witte: „Das war uns am Ende zu ungenau. Unsere Ortsvereine haben das Programm und außerdem liegen an den bekannten Stellen auch kleine Postkarten mit einem QR-Code aus. So kommen interessierte Lipperinnen und Lipper auch digital weiter.“ Im Programm sind die bekannten Aspekte untergebracht: beispielsweise „Landfrauen in Tour“, eine Inselfreizeit auf Langeoog im Mai 2026, der Neujahrsempfang im Marpetal, aber auch erste Hinweise zum „Jahr der Frauen in der Landwirtschaft“ (2026), eine Aktion, die auf Initiative der Vereinten Nationen entstand. Wer mehr Informationen zu den lippischen Landfrauen möchte, kann sich natürlich auch direkt an den Kreisvorstand wenden, geschäftsführend besteht das Team derzeit neben Marlies Witte (Salzuflen) noch aus Dorothee Voß und Sabine Stock (beide Kalletal).