Bei Restaurierung der "Alten Burg" legen Arbeiter wertvolles Relief frei

Wolfgang Becker

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Euwatec-Anleiter Ingo Juros (rechts) und Joachim Breder vom Team der eingesetzten Arbeiter, die in den vergangenen Wochen und Monaten in mühevoller Kleinarbeit Reste der „Alten Burg" für die Nachwelt gesichert haben. - © Wolfgang Becker
Euwatec-Anleiter Ingo Juros (rechts) und Joachim Breder vom Team der eingesetzten Arbeiter, die in den vergangenen Wochen und Monaten in mühevoller Kleinarbeit Reste der „Alten Burg" für die Nachwelt gesichert haben. (© Wolfgang Becker)

Lage. Bei der Restaurierung der „Alten Burg", dem einstigen Amtssitz der Lagenser Vögte, sind die Arbeiter auf ein wertvolles Bodenrelief gestoßen. Es befindet sich im Eingangsbereich des historischen Gebäudes und war von einer dicken Erdschicht bedeckt. Das aus vilen Sandsteinelementen zusammengefügte Kunstwerk soll der Nachwelt auf Dauer erhalten bleiben.

Technischer Beigeordneter Thorsten Paulussen gab im Ausschuss für Kultur und Tourismus einen Bericht über den Sachstand der Arbeiten an der „Alten Burg". Er kündigte an, dass im Zuge der weiteren Teil-Restaurierung eine begehbare Glasplatte auf die Bodenplatten gelegt werden soll, damit sich jeder aus nächster Nähe die kunstvoll verlegten Steine anschauen kann. Die Stadt habe einen Förderantrag beim Land gestellt, um Mittel für die Wiederherstellung der gesamten Anlage zu erhalten.

Zusammen mit der Euwatec gGmbH, einem gemeinnützigen Träger von Beschäftigungs- und Qualifizierungsprojekten für arbeitslose Jugendliche und langzeitarbeitslose Erwachsene, werde das Vorhaben in diesem und im nächsten Jahr weiter vorangetrieben. „Euwatec stellt die Manpower. Alles, was drum herum ist, Material und dergleichen, steuert die Stadt bei", erklärte Paulussen. Das bedeute, dass die Stadt nur einen relativ niedrigen Betrag aufzuwenden brauche und dafür eine sehr gute Leistung bekomme.

Die Anlage der „Alten Burg" besteht aus dem Hauptgebäude und der direkt daneben liegenden ehemaligen Gerberei. 2004 wurden die Ruinen der mittlerweile verfallenen Gebäude abgerissen. Bis vor zwei Jahren lagen die Reste im Dornröschenschlaf, waren völlig mit dichtem Buschwerk zugewachsen.

Im Oktober 2014 begannen Stadt und Euwatec mit der Freilegung des Areals. Dabei haben die Beschäftigten in mühevoller Kleinarbeit die noch vorhandenen Steine freigelegt und gesichert. „Wäre man 2004 beim Abbruch etwas sorgsamer vorgegangen, hätte man die eine oder andere Sandstein-Oberfläche sichern können. Man ist aber damals ganz anders an die Sache herangegangen", bedauerte Paulussen.

Das komplette Bauwerk werde nicht wieder aufgebaut, sondern nur bis zur Höhe von etwa einem Meter aufgemauert, um die Struktur und die Dimensionen der „Alten Burg" sichtbar zu machen. Wenn alles fertig ist, soll der gesamte Bereich für die Öffentlichkeit begehbar werden. Infotafeln geben Auskunft über die kulturgeschichtliche Bedeutung des Ortes; damit beim Besteigen der Mauern keine Unfälle passieren, wird alles mit einem Geländer abgesichert.

Zusammen mit dem Bodenrelief ist auch eine Art irdener „Kühlschrank" gefunden und freigelegt worden. Die Menschen, die ab dem 14. Jahrhundert an diesem Ort lebten, haben dort ihre Lebensmittel aufbewahrt.

Die "Alte Burg" war eine Befestigungsanlage

Urkunden aus dem 14. Jahrhundert deuten darauf hin, dass zu dieser Zeit eine Befestigungsanlage existierte, die im Laufe der Zeit immer wieder verändert wurde. Um eine Burg im klassischen Sinne handelte es sich nie, im Volksmund wurde der Komplex, bestehend aus einem Fachwerkhaus und einem Steinhaus, jedoch „Alte Burg" genannt.

Im Jahre 1589 wurden die Gebäude zum Amtssitz der Vögte von Lage erkoren. Der Vogt regierte und richtete als Vertreter des lippischen Landesherren in dessen Namen. Er hatte den Vorsitz im Gericht und musste die Landesverteidigung organisieren. Im Krieg führte er das Lehensaufgebot des Landes. 1618 wurde ein Nachfolgebau erreichtet, den 1716 der damalige Amtsvogt dem Grafen Friedrich Adolph zur Lippe abkaufte. Das steinerne Nebengebäude wurde viele Jahre lang als Gerberei benutzt. Reste der Chemikalien befanden sich noch in den von Euwatec-Arbeitern jetzt freigelegten Kammern und wurden umweltgerecht entsorgt.

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