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Lage

Übergabe: Wohnungslose bekommen ein Zuhause in Lage

Lage. Noch herrscht in dem Gebäudekomplex an der Bielefelder Straße 2 Ruhe. Aber das wird sich bald ändern. In Kürze werden hier Wohnungslose aus der Region einziehen – in zehn Appartements, die 
zwischen 36 und 60 Quadratmeter groß sind.

Betrieben wird die Einrichtung von der in Detmold ansässigen Stiftung „Herberge zur Heimat", die den hier einziehenden Menschen einen Sozialarbeiter als Betreuer zur Seite stellt.

Vor wenigen Tagen fand die Eröffnung der weißen Wohnhäuser mit den charakteristischen Pultdächern statt. Daran nahmen neben Vertretern des Stiftungsrates der „Herberge zur Heimat" und der Stadt Lage auch die beiden Vorstände von Diakonis, Pfarrer Gerhard-Wilhelm Brand und Axel Schulz, teil. Entworfen wurden die Gebäude von Architekt Jürgen Schreiber aus Detmold.

Für den Bau der versetzt angeordneten Appartements sind rund 800.000 Euro aufgewandt worden. Während in den kleinen Wohnungen jeweils Einzelpersonen untergebracht werden, steht eine knapp 60 Quadratmeter große Einheit einem Zwei-Personen-Haushalt zur Verfügung. Zusätzlich gibt es einen Gemeinschaftsbereich, der einem Sozialarbeiter auch als Büro dienen wird.

Sollte der Bedarf vorhanden sein, kann dieser Raum zusätzlich zu Wohnzwecken umgewandelt werden. Alle Wohnungen sind barrierefrei ausgestattet, so können bei Bedarf auch Menschen mit einer Behinderung untergebracht werden.

Die gesamte Wohnanlage umfasst etwa 450 Quadratmeter und wurde auf einem Grundstück errichtet, das sich früher im Besitz der Stadt Lage befand. Architekt Jürgen Schreiber und der kaufmännische Vorstand von Diakonis, Axel Schulz, hatten in der Vergangenheit Lob an die Bauverwaltung gerichtet.

„Man kann nur sagen: Das hat alles wunderbar und sehr, sehr zügig geklappt. Ob vom Technischen Beigeordneten Thorsten Paulussen oder dem zuständigen Sachbearbeiter – wir sind von allen Seiten voll bei dem Projekt unterstützt worden", sagte Jürgen Schreiber. Die Größe der einzelnen Wohneinheiten sei bewusst klein gehalten worden, um die zukünftigen Bewohner nicht zu überfordern, so der Architekt weiter.

Die Stadt verfügte bisher nur über wenig Wohnraum für Obdachlose beziehungsweise für Menschen in sozialen Notlagen. Somit wird an dieser Stelle eine Lücke im sozialen Netz geschlossen. Die „Herberge zur Heimat" betreibt bereits ähnliche Einrichtungen in den Nachbarstädten Detmold und Lemgo.

Immer mehr Menschen betroffen

Die Zahl der wohnungslosen Menschen ist in den vergangenen Jahren in der Bundesrepublik deutlich angestiegen. Sie wuchs von 248.000 Personen im Jahr 2010 auf zuletzt 335.000, wie aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken hervorgeht. Betroffen waren 29.000 Kinder und 306.000 Erwachsene, davon sind mit 220.000 Personen der Großteil Männer.

Wohnungslos sind Menschen, die auf der Straße leben, die ohne Mietvertrag in Wohnungen auf Kosten des Staats untergebracht sind, die in Notunterkünften oder Heimen untergebracht oder bei Verwandten untergekommen sind. Die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe prognostiziert bis 2018 einen Zuwachs auf 536.000 wohnungslose Menschen.

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