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Lage

Auf dem Hof der Familie Bergmann ist ein Privatmuseum entstanden

Lage-Heßloh. Auf dem Abiturzeugnis ist seine schlechteste Note eine Drei. In Geschichte. Heute kann Gustav Bergmann darüber nur den Kopf schütteln und lachen. „Ich liebe die Historie", verrät der 88-Jährige. Praktisch, ein eigenes Museum im Haus zu haben.

Wer kennt sie in Lage nicht, die Firma „Bergmann Möbel" aus Kachtenhausen. Gegründet 1903 von Gustav Bergmanns Großvater, hat sie eine bewegende Geschichte geschrieben. Heute, zehn Jahre nach Einstellung der Produktion, bewegt und fasziniert der Weg vom kleinen Polstergestell-Hersteller zum marktführenden Massivholz-Fabrikanten nach wie vor. Auch Gustav und Elisabeth Bergmann selbst.

Die beiden haben sich auf ihrem Hof in Heßloh eine kleine Ausstellung eingerichtet. Wobei klein eine Untertreibung ist. „Wir haben hier immer schon bei meiner Mutter ein paar besondere Stücke abgestellt, für die wir in unserem Haus in Kachtenhausen früher keinen Platz hatten, die wir aber aufbewahren wollten", erzählt Elisabeth Bergmann.

Ihr Mann Gustav, der sich als leidenschaftlicher Sammler beschreibt, hat in den vergangenen 20 Jahren, in denen das Ehepaar auf dem „Wrampehof" lebt, sämtliche Akten und Schriftstücke sortiert, die Exponate arrangiert und dekoriert. „Als ich anfing, ein Archiv anzulegen, konnte ich noch nicht ahnen, dass die Firma einmal schließen wird", erzählt der Unternehmer im Ruhestand. „Im Nachhinein bedauern wir, dass wir nicht noch mehr Bergmann-Produkte aufbewahrt haben."

Es hat sich inzwischen unter den ehemaligen Mitarbeiter herumgesprochen, dieses familiäre Museum. „Es besuchen uns immer wieder ,Bergmänner‘ mit ihren Familien, um in Erinnerungen zu schwelgen", freut sich der Hausherr. Aber bisher habe noch niemand etwas zur Ergänzung der Sammlung beigetragen. „Wer noch Bergmann-Möbel besitzt, der gibt die nicht ab", lacht Elisabeth Bergmann. „Das finde ich auch gut so", sieht sie das als Qualitätssiegel.

Klassiker wie der Cocktailsessel „Cocky", die die Wohnkultur in den 1950er-Jahren prägten, die Schaukelversion von „Boy" oder der Verwandlungssessel „telefix", der am Anfang des Fernsehzeitalters zu neuen Verkaufsrekorden führte, findet man im Privatmuseum. Es ist eine Möbel-Ausstellung, die so zeitlos wirkt, dass sie schon wieder modern sein könnte. Retro ist schließlich chic. Allein die historischen Dokumente machen die Reise zurück in die Vergangenheit greifbar. Fotos des Firmengründers hängen an der Wand, Kataloge mit der Aufschrift „Herbstausgabe 1936" oder „Neuheiten 1937" liegen auf Massivholztischen neben Messeplänen und alten Wandkalendern.

„Zum 50-jährigen Bestehen ist es uns sogar gelungen, einmal alle 300 Mitarbeiter auf ein Bild zu bekommen", ist Gustav Bergmann stolz auf eine Aufnahme, vor der ehemalige Wegbegleiter gerne innehalten, um sich und andere „Bergmänner" wiederzuerkennen.

Wer Interesse an der Ausstellung hat, kann sich mit der Familie Bergmann unter Tel. (05232) 3320 in Verbindung setzen. Von November bis März ist die Ausstellung geschlossen.

Bergmann expandierte bis nach St. Johann im Pongau

Aus einem im Jahr 1903 gegründeten Handwerksbetrieb hatte sich ein Unternehmen entwickelt, das zu Hochzeiten rund 500 Mitarbeiter beschäftigte und sogar ins Ausland exportierte. 1909 zog die älteste lippische Polstergestellfabrik aus den gepachteten Räumen an der Schulstraße in Lage nach Kachtenhausen um. Nach und nach wurde expandiert.

Sogar bis nach St. Johann in Österreich. Das Wohl der Mitarbeiter stand immer im Vordergrund. Der Belegschaft wurden günstige Baugrundstücke angeboten, um die Arbeitskräfte vor Ort zu halten. Eine Werkssiedlung entstand. Die Gustav-Bergmann-Straße gibt es noch heute. Im Jahr 2007 setzten große Möbelhäuser und immer niedrigere Preise das Unternehmen dermaßen unter Druck, dass die Produktion eingestellt werden musste.

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