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Dorffest: „Tatort Hörste – ein Dorf auf Spurensuche“

Lage-Hörste. Erstmals hat die Gemeinschaft der Hörster Vereine das morgen beginnende Dorffest unter ein Motto gestellt. Für die kommenden drei Tage lautet es: „Tatort Hörste – ein Dorf auf Spurensuche". Die Kirmes hat im Laufe der Geschichte zweifellos zahlreiche Spuren hinterlassen, doch wie hat alles begonnen?

Nach dem Einbringen der Ernte finden im Herbst traditionell an zahlreichen Orten Jahrmärkte statt. Das Wort Kirmes ist von Kirchweihfest abgeleitet. Auch in Stapelage gab es diese Tradition. Rund um das historische Kirchengebäude mit seinen beiden jahrhundertealten Linden wurde gefeiert. Über den Ursprung können nur Vermutungen angestellt werden.

Aus dem 18. Jahrhundert jedoch ist der Brief eines Pfarrers überliefert. Darin beschwerte er sich über die alljährliche Kirmes, bei der bis in den frühen Morgen „getanzet und geraset" werde, so dass er kein Auge schließen könne. In den 1920er-Jahren wurde die Kirmes in die Ortsmitte von Hörste verlegt und mit dem Dorffest vereint. Dort wird auch weiterhin gemeinsam mit der Kirche gefeiert, wie der Gottesdienst am Sonntag im „Haus des Gastes" zeigt.

Als Gastwirt im „Hörster Krug" hat Wilhelm Ostmann (88) das Dorffest schon lange miterlebt. „In diesem Jahr wird nicht Ende Oktober, sondern wieder Anfang November gefeiert, so wie es früher einmal war", erinnert er sich. Seit 1949 erstreckte sich das Fest über drei Tage. „Wie ich noch Schuljunge war, gehörte ein Kettenkarussell zu den ersten Kirmesbuden. Es war ganz vom Frost überzogen, weil es schon so kalt war." Ein Schnaps habe eine D-Mark, ein Glas Bier oder Sprudel 40 Pfennige gekostet.

Für die Gaststätte sei das Dorffest stets ein gutes Geschäft gewesen, meint Ostmann. Das habe an der Rinderwurst gelegen, die vom Hausschlachter August Schling geliefert wurde. Nach diesem geheimen Rezept werde sie auch noch heute hergestellt. „Die spezielle Soße machte meine Mutter, später meine Frau, und heute macht sie meine Tochter Eleonore Hoffmann", berichtet Ostmann.

Viele Jahre verteilte er auch selbst die Werbeplakate, anfangs mit einem Roller, dann mit dem Auto. Einmal kam auch Nachbar Friedrich Hanning mit, doch er war keine echte Hilfe. „Er hatte einfach zu viel Zeit." Also suchte er allein die Geschäfte und Gaststätten auf und bat darum, die Plakate aufhängen zu dürfen.

Dies ging häufig nur mit einer Gegenleistung. „Die Gäste fragten dann regelmäßig: Ob er wohl einen Heiermann hierlässt?" Gemeint waren fünf D-Mark für die nächste Runde Schnaps. Ostmann: „Ich habe so manchen Wacholder trinken müssen, mehr als beim Autofahren erlaubt."

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Früher spielten Kapellen beim Dorffest zum Tanz auf

In früheren Jahrzehnten lud der „Hörster Krug" noch zum Kirmesball ein. „In der alten Zeit hatten wir dann Kapellen im Saal, da war vielleicht was los", erinnert sich Wilhelm Ostmann. Dann wurde Musiker Hermann Blachowski mit seinem Akkordeon zum Dorffest engagiert, später trat Alli Siegert als Alleinunterhalter auf. „Heute haben wir Tanz mit Musik vom Plattenteller", sagt Ostmann, und er klang dabei ein wenig wehmütig. Überhaupt habe der Zuspruch zum Dorffest und zum Rinderwurst nachgelassen, meint er bedauernd. „Die heutige Jugend hat wohl andere Interessen." Mit dem traditionellen Fackelzug beginnt am 2. November um 18 Uhr das diesjährige Dorffest. Der Kirmestrubel startet bereits um 17 Uhr.

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