Lage. Das Maßnahmenkonzept für den Hochwasserschutz rund ums Schulzentrum Werreanger steht. Die Genehmigungsplanung der Stadt Lage soll nun beim Kreis Lippe eingereicht werden. Investitionen in Höhe von 1,41 Millionen Euro sind zum Schutz von Menschen und Gebäude in einem ersten Schritt verplant. Bereits am kommenden Montag beginnen die Arbeiten für die Erneuerung der Erdgasleitung der Firma Westnetz, die unter der Werre hindurch in Richtung Ottenhauser Straße führt. Eine Baugrube quer durch die Werre muss von der Firma Dahmen dafür ausgehoben werden. Dies soll in den Sommerferien passieren, damit die Arbeiten bis Ende August fertiggestellt sind. Die Grube wird mit Spundwänden abgestützt, bevor ein Mobilkran den Düker, also die Gasleitung, 1,5 Meter unter der Gewässersohle in die Grube absenkt und die Leitungsstücke am Ende wieder zugeschweißt werden. Mit Hilfe von Röntgenstrahlen wird kontrolliert, ob diese dann auch tatsächlich dicht sind. Der Betriebsdruck liegt bei 15 Bar, die Leitung hält aber bis zu 40 Bar aus. „Ohne Lärmbelästigung geht es nicht", warnte Sven Anders schon vor. Acht kleinere und größere Projekte Verfeinert wurde die Planung für den Bereich Armkamp/Schulzentrum/Straße „Am Umfluter". Auch Anregungen aus der Öffentlichkeitsbeteiligung sind nach Angaben von Anders dabei aufgenommen worden. Acht kleinere und größere Projekte gehören zu diesem Abschnitt, darunter das Blaue Klassenzimmer. Wie mehrfach berichtet, sollen Schüler an der Werre hinter der Realschule am Wasser Erfahrungen sammeln und wie schon in der Vergangenheit Wasseruntersuchungen machen können. An der Werre werden unter anderem eine Kiesbank sowie eine „Landzunge" angelegt, Flachwasserbereiche, eine natürliche Terrasse, niedrige Böschungen und Trittsteine zur besseren Erlebbarkeit des Gewässers. Infotafeln machen auf verschiedene Wissensgebiete aufmerksam. Zwei Schulklassen können hier parallel unterrichtet werden. Um die Schulen gegen Hochwasser zu schützen, wird auch ein so genanntes Hochwassergerinne angelegt, welches die Stauanlage von Pfeifer und Langen umgeht und für eine Absenkung des Wasserspiegels um rund 40 Zentimeter, bei einem HQ 100, einem Hochwasserereignis, das nach Schätzungen von Experten etwa alle hundert Jahre vorkommen soll, sorgt. Der Geh- und Radweg muss dazu etwas verlegt werden – zur Minimierung des Eingriffes und zur Vermeidung von Rodungen. Die Firma Pfeifer & Langen ist mit im Boot und finanziert eine neue Fischtreppe. Die alte war dort vor Jahren einmal angelegt worden war, hatte aber nicht funktioniert. Im sogenannten Werrebogen, im Bereich des Bahndammes, wird ein Nebengerinne mit einem Feuchtbiotop angelegt und die Bahndammböschung mit großen Natursteinbrocken gesichert. Durch das Nebengerinne soll bei Hochwasser auch der Druck auf den Bahndamm abgemindert werden. Zwischen der Fußgängerbrücke über die Werre Richtung Ottenhauser Straße und dem Angelteich an der Pivitsheider Straße wird die Werre in die dortige Wiesenfläche verlegt und naturnah ausgebaut. Hier soll sich die Werre ohne weitere Eingriffe selbst entwickeln. Der alte Verlauf wird zum Teil verfüllt. Er dient aber noch dem Hochwasserabfluss. Auch der Umfluter wird weiter mit Wasser versorgt und übernimmt weiterhin eine wichtige Funktion im Hochwasserschutzkonzept. Unterführung als Abfluss Zur Sicherung der Trinkwasserversorgung mit dem Brunnen Armkamp soll die Planung dafür Sorge tragen, dass Überschwemmungswasser nicht in den Brunnen fließt. Das wird erreicht, indem das Gelände um die Brunnen aufgeschüttet wird. Der Kreis Lippe sehe das kritisch, meint der Teamleiter und prüfe dies noch, ebenso die Stadtwerke (die LZ berichtete). Zwei neue Stahlbrücken sollen die Wegeverbindung zur Ottenhauser Straße und der Verbindung Freibad/Straße „Am Umfluter" sicherer machen. Das Modell gibt es in ähnlicher Form auch auf dem Gelände der Landesgartenschau in Bad Lippspringe. Die Brücken sind bis zu einem HQ 100 hochwasserfrei, können aber auch überströmt werden. Sie haben größere Spannweiten und keine Abstützungen mehr. Eine kleinere Maßnahme ist die Entfernung einer Verrohrung eines namenlosen Wasserlaufes direkt am Werre-Ufer. Der Wasserlauf kommt aus dem Bereich Dorfstraße. Der Mündungsbereich wird offengelegt und naturnah ausgebildet. Ebenso soll „Am Umfluter", an der Unterführung der Breiten Straße, das Gelände so modelliert werden, dass bei größeren Hochwasserereignissen die Unterführung für Fußgänger und Radfahrer als Abfluss mitgenutzt werden kann. Alle Maßnahmen kosten zusammen 1,41 Millionen Euro. Die Stadt hofft auf eine Förderung aus verschiedenen Töpfen und Institutionen mit 557.000 Euro, so dass ein Eigenanteil von 529.000 verbliebe. Die Verwaltung hofft auf eine Genehmigung der Hochwasserschutzmaßnahmen im Herbst. Nach den Sommerferien will sie dann die Ergebnisse des zweiten Planungsabschnitts unterhalb der Bundesstraße 66 vorstellen. Planung und Gutachten des Werre-Wasserparks zwischen Breiter Straße und „Am Bauhof" sowie der Stauanlage Altrogge stehen für Oktober auf der Agenda.