Lage. Seit mehr als 100 Jahren gehört die Stadtbücherei fest zu Lage und ist aus dem kulturellen Leben nicht mehr wegzudenken. Ihre wechselvolle Geschichte haben Michael Biermann, Vorsitzender des Fördervereins, und Tochter Fabienne anlässlich des Jubiläums in einer Chronik zusammengetragen, die 2024 veröffentlicht wurde. Eine Zusammenfassung ihrer Recherchen findet sich jetzt auch im neuen Historischen Jahrbuch von Verleger Dr. Hans C. Jacobs, das seit Dezember erhältlich ist. Klein und bescheiden hat sie angefangen, als sie am 8. Dezember 1924 eröffnet wurde, schreiben Michael und Fabienne Biermann. Die Stadtbücherei hat viele Ortswechsel erlebt, ist Opfer der politischen Verirrungen der NS-Zeit geworden und musste oft genug um Gelder und Räumlichkeiten streiten. SPD-Antrag gibt den Anstoß Angefangen hatte alles am 1. September 1924, als der SPD-Ortsverein einen Antrag auf Eröffnung einer Stadtbücherei in Lage stellte. Vorgeschlagen wurde versuchsweise eine sogenannte Wanderbibliothek, die durch Nachfrage beim Direktor der Landesbibliothek in Detmold auch verwirklicht wurde. Gleichzeitig wurde die Verwaltung aber auch gebeten, eine eigene Bücherei ins Leben zu rufen. Begonnen wurde die Wanderbibliothek mit 150 Büchern und einer Leihgebühr von zehn Pfennig pro Buch. Mit dem Erlös sollten neue Bücher angeschafft werden. Am 30. September und am 7. Oktober 1924 befasste sich der Magistrat der Stadt Lage mit der Thematik. Am 14. Oktober wurden die Gelder bewilligt. Die Leitung übernahm bis 1930 die Lehrerin Erna Niederquell. Immer wieder wechselte die Bücherei in den kommenden Jahrzehnten die Räumlichkeiten. Los ging es in einem von der Bürgerschule am Sedanplatz zur Verfügung gestellten Raum. Der Büchereiraum wurde aber schon bald als Lehrerzimmer benötigt, sodass die Bücherei in die gegenüberliegende Paulinenschule umziehen musste. Nach einem Brand in der Paulinenschule, erfolgte ein erneuter Umzug zurück in die Bürgerschule. Die Bücherei wuchs mehr und mehr und musste aus Platzgründen irgendwann in den „Pavillon“, ein kleines Haus an der Ecke Friedrichstraße/Plaßstraße, umziehen. Als der Friseurmeister, dem dieser gehört, die Räume aber selbst benötigte, ging es in die Räumlichkeiten der ehemaligen Kesspohlschen Schmiede in der Plaßstraße. Die Bücherei während der NS-Zeit Die dunkelsten Jahre erlebte die Bücherei während der NS-Zeit, als die Bestände rigoros „gleichgeschaltet“ wurden. Ein vertrauliches Rundschreiben von 1940 untersagte sogar die Ausleihe englischer und französischer Literatur. Nach der Kapitulation 1945 mussten unter britischer Aufsicht 351 nationalsozialistische Schriften aussortiert werden, bevor der Betrieb am 15. Dezember 1946 unter der Leitung von Mathilde Brand wiederaufgenommen werden durfte. Unter ihrer 19-jährigen Führung blühte die Bücherei auf, haben Michael und Fabienne Biermann herausgefunden. Der Bestand wuchs von 1185 auf über 8000 Bücher an. 1965 übernahm Brands Nachfolgerin Alma Stellbrinck die Leitung. Nach Stationen im „Paradies’schen Haus“ und der „Alten Post“ fand die Bücherei 2017 ihren heutigen Platz in der Bergstraße 6. Zuvor musste die Bücherei wegen des Abrisses des City Centers allerdings kurzzeitig ins Technikum ausweichen. Heute ist sie mit 16.000 Medien, digitalen eServices wie „Onleihe OWL“ und einer barrierefreien Ausstattung ein hochmodernes Zentrum für Bildung und Begegnung. Die Bücherei heute Das Angebot der Stadtbücherei umfasst neben Büchern auch Comics, CDs, DVDs, Zeitschriften, „Tonies“ und einige Konsolenspiele. Leiterin ist seit 2022 Eva-Maria Allert. Unterstützung bei ihren Recherchen haben Michael und Fabienne Biermann seinerzeit unter anderem vom Stadtarchiv und seinem damaligen Leiter Lars Sonnenberg bekommen, der das vorhandene Material herausgesucht hatte. Weil Sonnenberg die Stadt verlassen hat, ist das Archiv momentan übrigens geschlossen. Wer die Chronik von Michael und Fabienne Biermann kaufen möchte, wird in der Buchhandlung Brückmann fündig oder kann sie über ISBN 978-3-89918-709-0 für 9,90 Euro im Lippe Verlag bestellen. Ebenso das Historische Jahrbuch von Dr. Hans C. Jacobs, in dem sich zahlreiche weitere historische Aufsätze finden. Es hat die ISBN 978-3-89918-097-8 und kostet 17,90 Euro.