Lage. Fee Brembeck ist nicht nur Autorin, Slampoetin und Opernsängerin, sondern auch eine Expertin für Thorsten. Und Thorsten ist ein Männername; mehr noch: ein Problem. Der Name steht für passiv aggressive, aber gebildete, Männer. Männer, die alles besser wissen und ungefragt Tipps geben. Rund 70 Männer und Frauen, von denen niemand Thorsten hieß, hatten den Weg ins Ziegeleimuseum gefunden. Fee Brembeck erklärte das Thorsten-Ding und sang zwei Opern-Arien. Natürlich mit Humor, einer Prise Selbstironie („ jetzt kommt die Frau mit Hirn, Taille und Titten“) führte sie im Stile einer künstlerischen Wundertüte in ihrem Kabarettprogramm durch die Niederungen von Gesellschaftskritik, Hochkultur und kuriosen Penisvergleichen. Mit augenzwinkerndem Charme setzte sie sich in Szene, schlüpfte mühelos in die Rolle des naiv-dümmlichen Models oder der selbstverliebten Operndiva (mit glasklarem Sopran) und flirtete immer mal wieder mit dem Applaus aus dem Publikum. Wie aus Fee die Fee wurde? Sie war acht, als sie ihre „große Reimphase“ hatte. Ihr Vorbild: Joseph von Eichendorff. Beim romantischen Lyriker schaute sie sich die Naturbeschreibungen und Reimschemata ab. Viele Jahre später studierte sie auf einmal evangelische Theologie. Das verrät sie auch in Lage. Und das Publikum dürfte sich wohl gefragt haben, ob das jetzt eine Information ist, die dem nächsten Gag dient. Oder womöglich die ganze Wahrheit. Ja, Brembeck hat wirklich Theologie studiert, hat gelernt, wie man ein Kondom benutzt und dass der Papst für sie gar nicht zuständig ist. Kehrtwendung in Vollendung Im Ziegeleimuseum hat die Wahl-Berlinerin das „bekannte“ Publikum vor sich. Jugendliche, die womöglich bei ihr im Poetry-Slam gesessen haben, zieht es abends nicht in ein Museum, um einer Kabarettveranstaltung beizuwohnen. Es sind in der Regel Paare, jung geblieben oder zusammen alt geworden, ab und an eher zwei Frauen als zwei Männer, die zusammen kommen. Wer für so ein Publikum ein Programm stricken will, muss sich wohl oder übel eine Handvoll Gedanken machen. Wie ist Lage drauf? Welcher Text? Den überironisierten über Heidi Klums naive Topmodels? Oder sogar nach einer Schmonzette über Männer, die ihr ihren Penis gezeigt haben, lieber was Anspruchsvolles? Brembeck gelang zumindest eine Kehrtwendung in Vollendung: Als ausgebildete Opernsängerin ging sie kurz hinter die Bühne und kam in Abendgarderobe zurück, um eine Arie anzustimmen. Das war fraglos eine Überraschung, mit der die 70 Gäste nicht gerechnet hatten. Die Sopranistin wurde 1994 in München geboren. Bereits als Kind erhielt sie Geigenunterricht und sang im Kinderchor der Bayerischen Staatsoper. Und 2017 nahm sie ihr Gesangsstudium an der Hochschule für Musik in Berlin auf. Lage dachte sicherlich nicht an Ida aus „der Fledermaus“ von Strauß, sondern an Gags über diesen Thorsten - die Überraschung gelang.