Lage. Erst Hudewald, dann Wirtschaftswald, jetzt Naherholungsgebiet: Der Lagenser Stadtwald hat eine lange und interessante Geschichte und es gibt dort eine Menge zu entdecken. Klaus Schuler, der auch als Stadtführer in Lage tätig ist, hat ein Faible für historische Details, die erst auf den zweiten Blick begeistern. Dazu gehört für den 56-Jährigen der alte Schießstand, den er als seine „Lieblingsecke“ für unsere Serie vorstellen möchte. Von der Wilhelmsburg aus ist es nicht weit, um auf die künstlich angelegte Flucht zu gelangen. Würde eine Informationstafel nicht auf den einstigen Schießstand hinweisen, würden wohl die meisten Spaziergänger achtlos daran vorbeiziehen. „Die Natur hat sich die einst bebaute Fläche längst zurückerobert“, erzählt Klaus Schuler mit Blick auf den von Bäumen eingerahmten Weg, der aufgrund der seitlich noch erkennbaren Schutzwälle, leicht höhlenartig wirkt. Am Ende befindet sich ein großer Erdhügel, hier stand vor mehr als 100 Jahren eine Holzhütte, die zum Schießstand gehörte. Im Juni 1915 für die in Lage während des Ersten Weltkriegs einquartierten Soldaten errichtet, nutzten ihn ab 1919 Schützengilde und Schießverein für Schießübungen. Das ist auf der Informationstafel zu lesen, die Spaziergänger dort finden. Ziegelsteine aus einer anderen Zeit Was Klaus Schuler besonders fasziniert, sind die noch gut sichtbaren Reste einer Treppe, die 1924 im Rahmen eines Ausbaus errichtet wurde, um den sicheren Ein- und Ausstieg aus dem Schießstand zu gewähren. Die Ziegelsteine sind mit Moos und Farn bewachsen und bieten zusammen mit dem umliegenden Totholz Lebensraum und Schutz für Insekten und anderen Kleintieren. „An diesem Ort kann ich unglaublich gut zur Ruhe kommen.“ Der dreifache Vater bescheinigt dem alten Schießstand eine meditative Wirkung. Oft komme er während eines Spaziergangs mit seinem Hund vorbei und sei hier auch schon mit anderen Menschen ins Gespräch gekommen. „Rückzugsort oder Raum der Begegnung, hier ist beides möglich“, gibt der Wahl-Lagenser lachend zu Protokoll. Als gebürtiger Detmolder, der inzwischen mit seiner Familie in Kachtenhausen lebt, habe er sich im Laufe der Jahre mehr und mehr mit der Historie der Zuckerstadt beschäftigt und ist auch als Stadtführer mit dem Spezialgebiet Bahnhofs-Geschichte in Lage im Einsatz. „Inzwischen habe ich eine kleine Ausbildung zum Naturparkbotschafter absolviert und dafür ein kleines Konzept für den Lagenser Stadtwald erarbeitet“, verrät Klaus Schuler, der hauptberuflich als Beamter bei der Bundesagentur für Arbeit im Jobcenter Bielefeld tätig ist. Während der Ausarbeitung des Konzepts sei ihm erst bewusst geworden, wie stark der Lagenser Stadtwald von den Menschen frequentiert werde und wie viele Geschichten sich trotzdem noch auf der Fläche verbergen. Der Schießstand beispielsweise, der noch in den 1950er-Jahren von den Schützen genutzt worden ist, habe später Sportlerinnen und Sportlern als Laufbahn gedient. Schuler plant deshalb, demnächst auch Führungen im Stadtwald anzubieten.