"Schwerkraft und Leichtsinn" lässt seit 30 Jahren Jonglage in Lemgo aufleben

Nicole Ellerbrake

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Miriam Ludwig aus Lemgo mit den Keulen. - © Nicole Ellerbrake
Miriam Ludwig aus Lemgo mit den Keulen. (© Nicole Ellerbrake)

Lemgo. Jonglage mit Bällen, Keulen, Hüten und Tüchern – diese Kunst hat in den 1990er-Jahren einen wahren Boom erlebt. Genau in dieser Zeit, exakt am 14. Januar 1990, hat auch Richard Lunderstädt in Lemgo die Jonglage-Gruppe „Schwerkraft und Leichtsinn" gegründet.

Doch Boom hin oder her: Die Jongleure trai nieren immer noch jeden Sonntag in der MWG-Halle. Zum 30-Jährigen kamen Künstler und Sportler aus ganz Deutschland – ausnahmsweise in der TV-Halle – zu einer Jubiläums-Konvention zusammen, um gemeinsam zu proben, sich auszutauschen und gegenseitig zu unterstützen.

Im Schnitt sind es 15 Lemgoer zwischen 20 und 50 Jahren, die regelmäßig sonntags ab 18 Uhr in der Sporthalle des Weber-Gymnasiums Jonglieren und Akrobatik trainieren.„Dieser Termin ist seit der Gründung vor 30 Jahren geblieben", verrät Richard Lunderstädt. Er selbst jongliert seit den 1980er Jahren, knapp zehn Jahre später zog er nach Lippe und gründete im Studentenklub in der Remise die Gruppe. Als der Klub an der Alten Abtei im Jahr 2000 geschlossen wurde, zog Lunderstädt mit seiner Gruppe erst zum TuS Voßheide weiter – und 2006 dann unter das Dach des TV Lemgo.

Jonglieren kommt wieder in Mode

Dort ist die Jonglage nunmehr eine feste Größe und ist sogar zu einer eigenen Abteilung in Lippes größtem Sportverein geworden.„Das Jonglieren kam wieder in Mode, nachdem ihm jahrelang ein verruchtes Image anhing, da es hauptsächlich im Zirkus gezeigt wurde. In den 1990ern wurde es wieder zum Volkssport", erinnert sich Lunderstädt. Die europäischen Konventions, also Treffen, bei denen die Künstler in wechselnden Ländern zusammenkommen, seien anfangs von wenigen Personen besucht worden. Mittlerweile seien es mehrere Tausend. „Das lockere Miteinander ist es auch, was die Gruppe ,Schwerkraft und Leichtsinn‘ besonders macht", betont der Gründer. „Jeder ist willkommen, das Jonglieren einfach mal auszuprobieren."

Feste Lehrkräfte haben die Jongleure im TV Lemgo nicht – sie helfen sich und Neueinsteigern gegenseitig. Der Einstieg mit den Bällen gelinge meist recht gut – auch Tücher seien ein guter Anfang, unterstreicht Richard Lunderstädt. Ein weiterer Schwerpunkt seien Keulen, die in vielen verschiedenen Varianten mit unterschiedlich vielen Spielern geworfen werden.Ebenfalls beliebt: die Hüte, die mit einer speziellen Technik auf dem Kopf landen, der Devil-Stick und auch das Diabolo. Was die Techniken betrifft, sei in den vergangenen Jahren auch durch die Medien viel mehr möglich geworden, was zu Gründerzeiten noch undenkbar gewesen wäre.

Viele Ideen und neue Möglichkeiten werden in Videos ins Internet gestellt und so viel schneller allen zugänglich. „Dass etwas auf den Boden fällt, das gehört dazu", beruhigt der Gruppenleiter. „Ansonsten macht das Jonglieren einfach nur glücklich. Es beansprucht beide Gehirnhälften, fordert Konzentration, fördert Motorik und Koordination und wirkt dem Altern vor", nennt Richard Lunderstädt einige Vorteile und verspricht: „Man ist nie zu alt, um damit anzufangen."

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