Claus Halle: Vom Lkw-Fahrer zum amerikanischen Multi-Millionär

Florian Lueke

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Marianne und Claus Halle. - © The Halle Foundation
Marianne und Claus Halle. (© The Halle Foundation)

Lemgo. Vom Tellerwäscher zum Millionär? Fast. Der in Lemgo aufgewachsene Claus M. Halle brachte es vom Auslieferer zum „Präsidenten" von Coca-Cola International. Er verhandelte mit Staatsmännern wie dem ehemaligen Bundeskanzler Helmut Kohl, US-Präsident Ronald Reagan (1981-89) und dem letzten sowjetischen Staats- und Parteichef Michail Gorbatschow.

Geboren wurde Claus Halle nach Angaben seines Verwandten, des Lemgoer Sternheim-Preisträgers Dieter Halle (85), am 27. Mai 1927 in Schwelm an der Ruhr. Dieter Halle selbst stieß mehr durch Zufall auf den prominenten Verwandten: Durch das von der Familie Halle in den 1920er Jahren gestiftete Emmaus-Fenster in St. Nicolai stellte er fest, dass beide Familien das gleiche Wappen führen. Denn die Familie von Claus W. Halle blieb nie lange an einem Ort. Während die Eltern mit seinen Geschwistern bald nach Kalkutta in Indien gingen, lebte Claus, so die Nachbarin Elisabeth Lüttmann (97), bei Verwandten in Lemgo am Spiegelberg.

Auf der Flucht durchschwamm er die Elbe

Für drei Jahre folgte Claus dann der Familie von 1931-34 nach Indien, bevor es zurück nach Lemgo ging. 1937 kaufte Vater Bernhard ein Gutshaus in Schlesien, das die Kindheit von Claus Halle stark prägte – viele Jahre später als er in den USA lebte, sollte er es detailgetreu auf seinem Anwesen bei Atlanta für sich und seine Frau Marianne nachbauen lassen. Der Krieg beendete diese offenbar glückliche Kindheit, denn nach dem Debakel bei Stalingrad 1943 brauchte Hitler Soldaten, auch der 16-jährige Claus Halle wurde eingezogen.

Er überlebte und durchschwamm in den letzten Kriegstagen 1945 auf der Flucht vor der Roten Armee die eiskalte Elbe. Wenige Tage später geriet der noch immer in britische Kriegsgefangenschaft. Die Maitage vor 75 Jahren und der Kontakt mit Briten und Amerikanern sollten der Wendepunkt in seinem Leben sein. Noch 1995 äußerte er in einer Rede in Atlanta seine unglaubliche Dankbarkeit gegenüber den Briten und Amerikanern, dass sie ihn trotz seiner Vergangenheit in der Wehrmacht – der 17-Jährige hatte es nach eigenem Bekunden bereits zum „NCO" (Unteroffizier) gebracht – stets mit offenen Armen empfangen.

Briten und Amerikaner halfen dem Jugendlichen

Schon nach einem Monat entließen die Briten den Teenager aus der Kriegsgefangenschaft und Claus Halle nutzte die Chance. Mit dem im Herbst 1945 zurückgekehrten EKG-Schulleiter Ulrich Walther fand er einen Schulleiter, dem die jungen Kriegsheimkehrer wie auch die englische Sprache besonders am Herzen lagen und der es Halle ermöglichte, schon Ostern 1946 sein Abitur am Engelbert-Kaempfer-Gymnasium abzulegen. Nach drei Jahren bei einem britischen NAAFi-Shop, wechselte er 1949/50 zu Coca Cola in Neuss – die Firma gab ihm einen Job als Lkw-Fahrer. Doch schon bald stieg Halle auf: Abteilungsleiter, Direktor von Coca Cola Deutschland, schließlich „President of Coca Cola Europe".

Generaldirektor von Coca Cola International

Es war die Zeit des Wirtschaftswunders, die Märchenkarrieren ermöglichte. Dies galt ins besondere für die Kultmarke Coca Cola, die stellvertretend für den amerikanischen Traum der Deutschen stand. Mit 44 Jahren wechselte er 1972 in die die USA. Weiter ging es aufwärts, er wurde stellvertretender Vorsitzender und schließlich Generaldirektor von Coca Cola International. Diese Jobs machten ihn zum mannigfachen Millionär. Da Halle kinderlos blieb gründete er, nun eingebürgerter Amerikaner, Stiftungen wie die Halle Foundation für deutsch-amerikanische Freundschaft oder das Institute for global learning.

In Lippe noch am ehesten bekannt sein dürfte das „Halle Exchange Program", das unter anderem einen Austausch zwischen dem Fechenbach-Berufskolleg in Detmold und dem Atlanta Technical College fördert. 1989 zog sich Halle aus der ersten Reihe zurück und wurde aufgrund seiner vielfältigen politischen Kontakte in Europa Berater und Türöffner von Coca Cola in Mittel- und Osteuropa. Seine Leidenschaft jedoch blieb die amerikanische Aussöhnung. Immer wieder kam er bei seinen Reden und Auftritten auf den Mai 1945 zurück.

2004 starb Claus Halle.

www.thehallefoundation.org/index.html

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