Lemgo. „Wenn das Auge tränt, dann habe ich es gut gemacht", sagt Herbert Fischer und meint damit den Corona-Schnelltest. Angenehm sei das mitunter nicht, wenn das Stäbchen tief in der Nase versinke. Doch nur so könne der Abstrich ordentlich funktionieren, erklärt der Vorsitzende des TV Lemgo – des eigenen Angaben zufolge einzigen Sportvereins in Lippe, der eine lizenzierte Teststelle hat. Herbert Fischer und Geschäftsführer Patrick Busse zählen zu dem Team, das im ehemaligen Cafeteria-Bereich des vereinseigenen „tevita"-Sportzentrums die Proben abnimmt. Das geht per Stäbchen in der Nase oder auch mit dem Rachenabstrich – für beides wurden gut 20 Vereinsmitglieder geschult. Mitten im Lockdown war das, erinnert sich Patrick Busse. Das „tevita" war komplett dicht. Impfungen standen für die meisten noch aus, und der Corona-Schnelltest wurde immer wichtiger, um am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. „Die räumlichen Möglichkeiten hatten wir, Personal und Helfer standen bereit. Viele wollten endlich wieder etwas tun", und so entwickelte Busse die Idee und klärte in Absprache mit der Stadt die Voraussetzungen für das vereinseigenes Testcenter ab. Dann ging alles ganz schnell: Am Samstag, 1. Mai, gab es die Schulungen vor Ort. Eine Ärztin zeigte, wie das Teststäbchen einzuführen und auszuwerten ist. Tief in den Nasenrachenraum, „das war gar nicht so einfach zu platzieren", erinnert sich Herbert Fischer an seine ersten zögerlichen Versuche, die er mittlerweile routiniert beherrscht. Auch Sicherheitsschulungen vom Fachmann standen an. Welche Schutzkleidung ist zu tragen? Welche Flächen sind zu desinfizieren, was passiert, wenn der Abstrich positiv ist? Anmeldungen laufen online Am Sonntag folgte eine gemeinsame Zoom-Schulung, um über Technik, Abläufe, Terminvergabe und die abendliche Mail an das Gesundheitsministerium zu informieren und am Montag, 3. Mai, ging es schon los: Zwei Teststellen, geöffnet von 8 bis 20 Uhr, am Wochenende von 9 bis 16 Uhr. Die Anmeldungen laufen online, viele Sportler des TV sind dabei, aber ebenso viele Vereinsfremde. Eine winwin-Situation für alle Beteiligten, wie Herbert Fischer erklärt, der keinen Hehl daraus macht, dass der TV Lemgo die Einnahmen in der Pandemie gut gebrauchen kann. 3,50 Euro gibts für das Material, 8 Euro für die Testdurchführung vom Staat – allein mit diesen zusätzlichen Geldern sei es möglich, den Mitgliederschwund der vergangenen Monate einigermaßen zu kompensieren. Hatte der TV Lemgo als der größte Verein der Alten Hansestadt vor Corona noch 3350 Mitglieder, so sind es mittlerweile 2900. Der gewohnte Zustrom von Neukunden gerade im Januar blieb in der Pandemie zum zweiten Mal aus, dabei hatte der Vorstand noch im Oktober gehofft, es gehe endlich voran – bevor Omikron den Leuten wieder die Lust am Freizeitsport nahm. Weniger die Senioren sind es, die wegblieben, erzählt Patrick Busse, die wollten den Reha-Sport und auch die sozialen Kontakte nicht missen. Auch die neue Kinderbewegungsschule komme bestens an, doch die Nachfrage bei den 30- bis 50-Jährigen, die bleibe eher verhalten. Steigende Inzidenz macht sich bemerkbar Schwankungen, die gibt es auch bei der Schnelltest-Nachfrage, je nachdem, welche Verordnung von Land und Bund gerade gilt. Einen ganzen Ordner mit Vorgaben, Tabellen und Aufzeichnungen hat Patrick Busse mittlerweile gefüllt, der ihm hilft, im Corona-Wirrwarr den Überblick zu behalten. Groß war die Nachfrage nach dem Lockdown, als der Test als Eintrittskarte für viele Bereiche galt, im Sommer flaute der Andrang etwa ab, um mit Omikron wieder anzusteigen. Und als überraschend ab 28. Dezember für kurze Zeit die Test-Pflicht trotz Booster galt, da war richtig viel los: 300 bis 400 Menschen ließen sich täglich an der Pideritstraße auf den Virus prüfen. Und auch im Testcenter merken die Helfer, dass die Inzidenz steigt: In der vergangenen Woche, erzählt Herbert Fischer, schlugen gleich vier Mal die Corona-Tests an – im Sommer hingegen gab es ganze zwei Monate lang keine zwei roten Balken. Im positiven Fall wird die Teststation für zehn Minuten dicht gemacht, alles desinfiziert, die Kleidung von außen nach innen abgepellt und im Eimer verschlossen, der Befund an die Betroffenen und an die zuständigen Ämter weitergeleitet.Mittlerweile sind die Handgriffe Routine – und die wird die Tester des TV Lemgo wohl noch einige Zeit begleiten. Denn ein Ende der Teststation, erklärt Patrick Busse, die ist angesichts der hohen Infektionsraten vorerst nicht geplant. Der Link zum Testen: www. tv-lemgo/testzentrum