Lemgo. Der Zapfenstreich ist das höchste militärische Zeremoniell, das es in Deutschland gibt. Doch auch beim Lemgoer Schützenfest hat er eine besondere Bedeutung. Es ist Nacht über dem lippischen Lemgo. Der Marktplatz der Alten Hansestadt ist in warmes Fackellicht getaucht. Das Schützen-Bataillon ist in Reih und Glied angetreten, Männer in dunklen Anzügen füllen den Platz aus. Dann setzen die Spielmannsleute zum Locken an, was schließlich in den Preußischen Zapfenstreichmarsch übergeht. Wenn diese Klänge über den Platz und durch die altehrwürdigen Straßen und Gassen Lemgos schallen, ist auch dem Letzten klar: Es ist wieder Schützenfest! Denn der Zapfenstreich auf dem Marktplatz markiert wie gewohnt den offiziellen Auftakt der viertägigen Sause. Begriff ist uralt Doch was ist eigentlich der Zapfenstreich, woher kommt er und was macht ihn aus? Fest steht: Der Begriff ist uralt. Der ursprüngliche Zapfenstreich stammt aus der Landsknechtszeit im 16. und 17. Jahrhundert und hatte kaum etwas mit Musik zu tun. Damals bezeichnete man damit den Zeitpunkt, an dem die Söldner aus den Gast- und Wirtshäusern ins Feldlager zurückkehren sollten und der Wirt keine Getränke mehr an die Landsknechte ausgeben sollte. Insgesamt entwickelte sich daraus die Bezeichnung für den Beginn der Nachtruhe in der Kaserne beziehungsweise den Zeitpunkt, ab dem die Soldaten dort zu bleiben hatten. Dass der Zapfenstreich als „Großer Zapfenstreich“ zu einem militärischen Zeremoniell mit mehreren Programmpunkten wurde, geschah viel später auf Anordnung des Preußischen Königs Friedrich Wilhelm III. Auf dessen Befehl hin wurde der Zapfenstreich um ein Militärlied, ein stilles Gebet sowie um das Präsentieren des Gewehrs erweitert. "Helm ab zum Gebet" Der nächste Schritt erfolgte 1838, als die Abfolge von Gebet und Musik festgelegt wurde und der Große Zapfenstreich erstmals aufgeführt wurde. Heute besteht er aus den folgenden Punkten: 1. dem Locken durch die Pfeiffer des Spielmannzuges, 2. dem Spielen des Zapfenstreichmarsches, 3. den Fanfarenrufen (mehrere Signalfolgen gespielt von Bläsern), 4. das Gebet, eingeläutet mit dem Befehl „Helm ab zum Gebet“. Dieses Gebet besteht aus dem Choral „Ich bete an die Macht der Liebe“. Nach Ende folgt das Kommando „Helm auf“ und nach einer musikalischen Überleitung die Befehle „Das Gewehr über“ und „Präsentiert das Gewehr“. Dann wird 5. die Nationalhymne gespielt, die seit 1922 Teil der Zeremonie ist. Ein Moment der Besinnung „Der Zapfenstreich ist auch in Lemgo das große Highlight des Wochenendes“, sagt Schützenfest-Organisator Peter Lüssem. Es sei der emotionalste Augenblick des gesamten Events, ein Moment der Ruhe und Besinnung. "Da fließen auch Tränen" „Da wird auch wieder die ein oder andere Träne fließen“, weiß Lüssem, der in diesem Jahr als Oberleutnant der 2. Kompanie der Schützengesellschaft auch die Zapfenstreichkompanie anführt. Der Lemgoer Markplatz im Dunkeln werde mit Fackeln ausgeleuchtet und auch durch die Musik zu einem Ort mit einer ganz besonderen, eindringlichen Atmosphäre. Am späten Freitagnachmittag tritt die Zapfenstreichkompanie (bestehend aus Vertretern aller vier Kompanien und der Damenschießgruppe) auf dem Lemgoer Marktplatz an. Dort geht es mit einer Ansprache los. Zeremonie beginnt um 22 Uhr Kurz darauf wird zum Lemgoer Ehrenmahl marschiert, bevor es wieder zurück zum Marktplatz geht, wo Bürgermeister Markus Baier als erster Schütze abgeholt wird. „Dann holen wir erst den Oberst und dann den König und die Königin von zu Hause ab“, schildert Lüssem die Marschroute. Die eigentliche Zapfenstreich-Zeremonie beginnt schließlich um 22 Uhr auf dem Marktplatz. Musikalisch wird dieser untermalt durch die Musikfreunde Schwelentrup und den Spielmannszug Blau-Weiß Lemgo. Die Zeremonie dauert etwa eine halbe Stunde an, bis um circa 22.30 Uhr zum Schützenplatz marschiert wird. „Dort beginnen dann die ausgelassenen Feierlichkeiten und das Schützenfestwochenende ist eröffnet“, frohlockt Lüssem.