Lemgo. „Irgendwie war es wie ein Märchenschloss aus dem Nichts“, erinnert sich Stephanie Brunsiek an ihre erste Begegnung mit dem Haus, das ihr Zuhause werden sollte. Ein nicht ganz gängiges Objekt, das auf den ersten Blick so gar nichts Märchenhaftes hat. 2020 hat Familie Brunsiek die alte Brauerei an der Hamelner Straße gekauft und liebevoll restauriert. Und diese besondere Atmosphäre in dem Industriedenkmal, die wollen sie auch Besuchern zugänglich machen. Am Samstag, 22. November, lädt Stephanie Brunsiek mit zwei weiteren Künstlern zur Ausstellung ein. Fotografie, Malerei und Porträts sind dann dort zu sehen, wo im vergangenen Jahrhundert in großen kupfernen Kesseln der Hopfensaft brodelte. Diesen besonderen Industrie-Charme strahlen die bis zu 6,8 Meter hohen Räume noch heute aus - auch wenn sie mit modernen Stahl- und Glaselementen eindrucksvoll im 21. Jahrhundert angekommen sind. Große Leuchten hängen von der Kappendecke, durch die hohen Rundgiebelfenster flutet das Licht herein. 300 Quadratmeter Wohnfläche Über 300 Quadratmeter Wohnfläche bietet die ehemalige Brauerei, von denen sich das Gros auf die ehemaligen Produktionshallen verteilt. Mittig ist das schmale Wohnhaus gesetzt, das sich bis in die vierte Etage erstreckt. Die Anfänge der Anlage stammen aus den 1860/70er Jahren und wurden ab 1900 sukzessive erweitert, als die vormalige Brauerei Thaler unter neuer Führung ihren Standort von der Papenstraße an die damalige Hamelner Chaussee verlegte. Doch schon nach dem Ersten Weltkrieg war mit dem Brauen Schluss und das Gebäude durchlebte unruhige Zeiten: Für Baumwoll- und Landhandel, über Autowerkstatt, Imbiss und Antiquitätengeschäft musste der rote Ziegelbau herhalten, stand dann über Jahre leer und bot Ende des 20. Jahrhunderts einen eher trostlosen Anblick, bevor das Haus wieder belebt und umgebaut wurde. Eine Mediaagentur verlieh den ehemaligen Produktionsstätten dann ein modernes Antlitz, baute eine Galerie mit Glasfronten ein, akzentuierte die Raumstrukturen mit Metall- und Glastüren und setzte große Türfronten um. Eine Vision für das Haus Und es war gerade dieser Bereich in den ehemaligen Brauhallen, in die sich Stephanie Brunsiek sofort verliebte. „Ich hatte gleich eine Vision“, erzählt die 50-Jährige, die ihre Passion in Kunst und Fotografie gefunden hat. Ein Atelier wollte sie im Erdgeschoss einrichten. Dazu noch Büros hinter der Glasfront in der Galerie für sich und ihren Mann. Sollte im großen Raum im Erdgeschoss zunächst die Küche für die dreiköpfige Familie entstehen, bauten sie die Familienküche dann doch im oberen Wohnbereich aus. Im Erdgeschoss setzten sie zwar eine große helle Küche um, die aber nutzen die Brunsieks vor allem für Gäste und Freunde und haben ihren Wohnbereich ansonsten ganz in den oberen Bereich verlegt. Dort sind im Geschoss über der Galerie ein Kinderzimmer und Badezimmer entstanden, in der obersten Etage unter dem Satteldach ein gemütlicher Wohnbereich. Wohnen im Denkmal? „Wir wussten im Wesentlichen, worauf wir uns einlassen“, erklärt Falk Brunsiek, der bei der Landwirtschaftskammer arbeitet, schließlich hatte das Paar mit dem Ausbau eines Denkmals in Großenmarpe bereits Erfahrungen gesammelt. „Wir sind einfach der Typ fürs Denkmal“, erklärt dann auch seine Frau. Es sei dieser Wunsch, Dinge wieder schön zu machen, eine Wertschätzung der Arbeit der vergangenen Generationen. „Das ist unser ganz persönlicher Luxus.“ Kauf in Zeiten von Corona Und dieser Wunsch war bei der alten Brauerei so groß, dass sie sich für das Bauprojekt entschieden - obwohl sie gerade erst ihren Neubau in Istrup fertiggestellt hatten und auf ihr Traumhaus mitten in Corona-Zeiten stießen. „Viele haben gesagt, ihr seid aber mutig“, erinnert sich die Förderschullehrerin. Doch Corona habe durchaus auch etwas Gutes gehabt, schließlich hätten sich damals viele Investoren zurückgehalten. Das Denkmal selbst habe sich dann von seiner besten Seite gezeigt, böse Überraschungen habe es nicht gegeben. In Zusammenarbeit mit einem Architekten, dem Denkmalschutz, bereits erprobten Handwerkern, viel Eigenleistung und der Hilfe von Freunden und Familie hat das Paar das Haus in gut einem Jahr Umbau zu neuem Leben erweckt. Im Erdgeschoss war bereits ein Ziegelboden mit Fußbodenheizung verlegt, in den oberen Etagen entschieden sich die Brunsieks für Linoleumbelag auf Leinenölbasis, die Wände wurden historischen Vorlagen entsprechend mit Kalk verputzt. Es gab neue Küche und Badezimmer, im Erdgeschoss konzipierten sie eine Treppe, die in den kleinen Garten am Hang hinter dem Haus führt. Viel Eigenrecherche und Expertise haben sie in die alte Brauerei gesteckt, die sie jetzt zumindest im Erdgeschoss auch zunehmend für Veranstaltungen nutzen wollen. Lesungen, Konzerte oder auch Ausstellungen kann sich Stephanie Brunsiek in den hohen Räumen vorstellen. Und der Anfang ist gemacht: „DENKmal an Vergangenes und Lebendiges“ regt die Ausstellung an, die am Samstag, 22. November, in der alten Brauerei an der Hamelner Straße 52 eröffnet wird. Ausstellung in historischen Räumen „DENKmal an Vergangenes und Lebendiges“ heißt die Ausstellung, zu der Stephanie Brunsiek und zwei weitere Künstler in die alte Brauerei an der Hamelner Straße 52 einladen. Zu sehen sind eindrucksvolle Fotografien von Lost Places, die Stephanie Brunsiek abgelichtet hat, gemalte Blüten und Pflanzen von Monika Boos sowie Zeichnungen, Porträts und Landschaften von Jannik Dittmann. Dabei setzt Hausherrin Stephanie Brunsiek auf die besondere Atmosphäre in dem alten Backstein-Denkmal. Die Ausstellung eröffnet am Samstag, 22. November, um 11 Uhr mit Begrüßung und kurzer moderierter Runde, Christian Decker ist auf der Gitarre zu hören. Geöffnet bleiben die Räume bis 16 Uhr, ebenfalls geöffnet ist die Ausstellung am Sonntag, 23. November, und Samstag, 29. November, jeweils von 11 bis 16 Uhr.