Oerlinghausen. Der Bartholdskrug hat eine über 300-jährige Geschichte. Hier, an der ehemaligen Grenze zu Preußen, wurden viele Reisende und andere Gäste bewirtet. Vor zwei Jahren jedoch schloss die Gaststätte. Seitdem können sich Gäste im Biergarten selbst an den bereitgestellten Getränken bedienen. Und seit ein paar Monaten übernachten hier auch Gäste in zwei Ferienzimmern, die Heinrich Traphöner und seine Frau Jasmina Bartl, genannt Mini, betreuen. Irmgard Neuwöhner, deren Mann Heinrich 1941 den Krug gekauft hatte, war jahrzehntelang die gute Seele der Gaststätte. Als sie 2019 mit 99 Jahren starb, übernahm ihre Tochter Christa Traphöner den Krug komplett. Auch nach Corona brachte sie die Gaststätte wieder ans Laufen, doch aus gesundheitlichen Gründen gab sie den Krug im Oktober 2023 auf. Daraufhin bauten ihr Sohn Heinrich und seine Frau Mini, die bereits vorher in den oberen Etagen gewohnt hatten, das Erdgeschoss um und zogen dorthin um. „Die Gaststube haben wir erhalten, doch alles andere für uns umgestaltet“, berichtet Mini, die vor einem Jahr ihre kleine Tochter Finja auf die Welt brachte. Die große Küche der Gastwirtschaft ist nun die Wohnküche der jungen Familie, die ihr Elternschlafzimmer in dem Raum daneben eingerichtet hat, in der auch Heinrichs Oma Irmgard geschlafen hat. „Viele Menschen haben es bedauert, dass sie hier nicht mehr einkehren konnten, und so haben wir einen der Kühlschränke aus der Gaststätte nach draußen in den Biergarten gestellt“, berichtet Heinrich, der Maschinenbau studiert hat und als Dozent an der Technischen Universität Dortmund arbeitet. Das werde auch sehr gut angenommen. Besonders im Sommer kommen viele Radfahrer, Wanderer oder auch ehemalige Stammkunden in den Biergarten, genießen den Schatten unter den Bäumen und schauen den drei Ponys auf der Weide zu. Auch Toiletten stehen zur Verfügung. Einige Gäste hinterlassen Zettel, auf denen sie ihrer Begeisterung Ausdruck verleihen, wie „Schöne Location! Echter Geheimtipp.“ „Wir wollten ein Stück weit die Tradition erhalten“, berichtet der 37-Jährige, der schon seit früher Kindheit in der Gaststätte geholfen hat und später dort eine immer wichtigere Rolle übernommen hat. Auch Mini hat er hier kennengelernt. „Ich habe als 18-Jährige hier gekellnert“, berichtet die 30-Jährige, die in Köln „Mediale Künste“ studiert. Weil Heinrich unbedingt zurück nach Lipperreihe in den Bartholdskrug wollte, hat sich die junge Familie hier eingerichtet. „Ich muss nur an zwei Wochentagen an der Uni in Dortmund sein“, berichtet Heinrich. Mini macht auch viel von zu Hause aus. Sobald die junge Familie es sich unten gemütlich eingerichtet hatte, entwickelte sie die Idee, Gästezimmer anzubieten. In den oberen Etagen haben sie ein Sechsbettzimmer und ein Doppelzimmer eingerichtet. Jedes Zimmer hat ein extra Badezimmer, dazu gibt es eine große Küche, die sich beide Gästegruppen teilen. „Wir dachten erst: Wer will schon nach Lipperreihe kommen? – aber es läuft echt gut“, berichtet Mini. „Vor allem, dass wir nicht weit weg von der A2 wohnen, bringt uns Gäste auf der Durchreise. Aber auch Wanderer auf dem Hermannsweg oder Monteure kommen gerne.“ Das günstige Sechsbettzimmer ist bei Familien sehr begehrt. „Wir hatten schon Gäste aus vielen Ländern, darunter Japan und vielen EU-Ländern“, berichtet Mini. Oft ergäben sich nette Gespräche, wie neulich mit zwei Berliner Möbelpackern, mit denen die Gastgeber bis Mitternacht beim Bier zusammen saßen. „Wir haben noch den Sohn des einen Gastes aus Ubbedissen abgeholt“, berichtet Heinrich. Für Mini, die die Gästezimmer unter „Bartholdskrug by Mini“ vermarktet und die Gäste betreut, ist es spannend, wer da so auftaucht. „Die Welt kommt zu uns“, sagt die liebenswerte Gastgeberin. Was aus dem Saal wird, wissen die Beiden noch nicht. „Im vergangenen Jahr haben wir eine große Weihnachtsfeier gemacht und alle Nachbarn und die Höfe vom Umland eingeladen“, erzählt Mini. Sie habe dort auch ihren Geburtstag gefeiert oder stelle den Raum für die Versammlungen der Grünen zur Verfügung. „Der Saal ist schlecht zu heizen, aber wir wollen ihn auf jeden Fall erhalten“, betont Heinrich.