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Leopoldshöhe

Die besondere Mülltonne aus Leopoldshöhe: "Erkennbar gute Qualität"

Leopoldshöhe. „Ich bin heute sehr zufrieden", sagte Alexander Smoljanovic am Dienstag. „Ich habe mehr erhalten, als ich gehofft hatte." Nach dem Bericht vom 3. Dezember, haben sich tatsächlich die Besitzer von alten Mülltonnen gemeldet, die der Sammler gesucht hatte. Nunmehr hat Smoljanovic alle drei Versionen jener Behältnisse zusammen, die früher einmal in Leopoldshöhe hergestellt wurden.

Schon als Kind entwickelte er eine Leidenschaft für die Kunststoffgefäße, berichtete Alexander Smoljanovic. Zunächst im Miniaturformat, später dann im Originalformat. Rund 100 verschieden Exemplare hat er schon zusammengetragen, aber nur solche, die nicht mehr produziert werden. „Es waren Gebrauchsgegenstände, es gab sie früher zu Hunderttausenden", sagte der 22-Jährige. „Aber jetzt ist eventuell nur noch ein einziges Exemplar vorhanden. Das ist schon etwas Besonderes."

Zu den ganz seltenen Mülltonnen zählt der Sammler aus Wanzleben in Sachsen-Anhalt auch die grünen 240-Liter-Behältnisse aus Leopoldshöher Produktion. Das Unternehmen Häfner & Krullmann stellte sie zwischen 1972 und 2015 für verschiedene Auftraggeber her.

Schon vor zwei Jahren hatte der Sammler Smoljanovic das Werk an der Krentruper Straße aufgesucht. Mit seiner Anfrage wurde er zwar freundlich angehört, aber zum Ziel gelangte er nicht. Nach so langer Zeit habe man keine Tonne mehr aufgehoben, hieß es.

Ein aufmerksamer Leser aus Bad Salzuflen-Schötmar konnte helfen. Als er in seiner Garage nachschaute, entdeckte er tatsächlich einen Müll-Methusalem. Vor vielen Jahren hatte der Handwerker bei Häfner & Krullmann Fliesen verlegt und kurioserweise als Bezahlung die Tonne erhalten. „An einer Stelle weicht die Farbe geringfügig vom vorgeschriebenen Grün ab. Deshalb konnte die Tonne nicht mehr regulär verkauft werden", erläuterte der Sammler. Die Tonne wurde 1985 hergestellt, wie der Aufdruck auf dem Deckel verrät. Sie besitzt an den Seiten noch Stapelrippen für einen besseren Halt und ein Griffrohr mit muldenartigen Vertiefungen – damit die Müllwerker besser zupacken konnten.

Mülltonne mit niederländischem Warnhinweis

Das Nachfolgemodell unterscheidet sich in zwei Punkten, die für Laien kaum erkennbar sind. Die Tonne aus dem Jahr 1989 besitzt eine abgeschrägte Vorderkante und zwei kleine Klötze zur Verstärkung. Denn nunmehr wurden die Müllgroßgefäße, wie sie offiziell genannt werden, nicht mehr von menschlichen Armen, sondern nur noch von den Greifern der Sammelfahrzeuge bewegt. Mehr als drei Jahrzehnte lang diente das zweite gesuchte Exemplar einer Detmolder Familie als Regentonne. „Sie sieht aber überhaupt nicht abgenutzt aus. Daran kann man die gute Qualität erkennen", sagte Smoljanovic. „Die Produkte anderer Hersteller wären längst bauchig geworden." Weil die Tonne für den niederländischen Markt bestimmt war, ist auf dem Deckel der Warnhinweis zu lesen. „Geen hete Stoffen inwerpen."

Auf dem jüngsten Exemplar – Baujahr 1998 – steht der Warnhinweis auf Deutsch: „Bitte keine heiße Asche einfüllen." Sie war laut Aufdruck für die „Stadtreinigung Tönisvorst" bestimmt gewesen. Zur besonderen Freude des Sammlers hatte sich im Nachhinein auch noch die Firma Häfner & Krullmann bei ihm gemeldet. Ganz versteckt im Lager hatte Vertriebsleiter Andreas Kunze die dritte gesuchte Tonne doch noch entdeckt. „Aber andere habe ich nicht. Jetzt ist wirklich nichts mehr zu holen", meinte Kunze. Doch mehr hatte Smoljanovic auch gar nicht erwartet, denn jetzt waren die Beispiele für die Leopoldshöher Mülltonnen komplett.

Ende der 1960er Jahre kamen die großen eckigen Kunststofftonnen mit zwei Rädern auf. Sie waren besser zu handhaben als die runden und es fiel insgesamt mehr Müll an.

Der Sammler aus Sachsen-Anhalt hatte eine Tonne aus dem Jahr 1972 in Iserlohn-Letmathe ausfindig gemacht. „Lange dachte ich, es sei das älteste Exemplar dieser Art. Aber dann habe ich erfahren, dass es schon 1971 ein serienmäßiges Vorläufermodell gab", berichtete er. „In Belgien soll es noch eine solche Tonne geben." Die Suche geht also weiter.

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