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Oerlinghausen

Oerlinghauser Fernwärmenetz wird größer

Oerlinghausen. Der Klimaschutz ist eine große Herausforderung für Politik, Gesellschaft und Wirtschaft. In Oerlinghausen sind die Stadtwerke bestrebt, ihren Beitrag zu leisten. Große Erdarbeiten im Bereich der Marktstraße zeigen, dass die in der Stadt ökologisch produzierte Fernwärme auf dem Vormarsch ist.

„Wir weiten unser Fernwärmenetz im Norden Oerlinghausens derzeit kräftig aus“, sagt Stadtwerkeleiter Peter Synowski. „Viele Bürger der Altstadt warten schon seit langem darauf, dass wir die Leitungen durch ihre Straßen verlegen und sie an das städtische Netz angeschlossen werden.“

Die Energie, mit denen die Häuser beheizt werden, kommt zu einem erheblichen Teil aus dem Holzheizkraftwerk an der Bleiche. Peter Synowski: „37 Prozent der von den Stadtwerken produzierten Wärme stammt aus Biomasse, also aus den Holzhackschnitzeln.“
Ein weiterer großer Wärmelieferant sind die Blockheizkraftwerke, die überall im Stadtgebiet verteilt sind. Das sind kleinere Kraftwerke etwa in der Müllerburg, in den Grundschulen Helpup und Lipperreihe oder im Hallenbad, die ihre Umgebung mit Strom versorgen und dabei zugleich Wärme produzieren. Diese Mini-Kraftwerke liefern immerhin 44 Prozent der gesamten städtischen Wärmeversorgung.

Der Stadtwerkechef ist stolz auf die gute Öko-Bilanz in der Bergstadt: „Die Stadtwerke Oerlinghausen erzeugen über 80 Prozent der gesamten Wärme mit der hocheffizienten Kraft-Wärme-Kopplung und mit regenerativen Energien aus Holz.“ Arne Lorenz von Reisswitz, der Technische Leiter der Stadtwerke, sieht Oerlinghausen damit auf Augenhöhe mit vielen größeren Kommunen in Deutschland. „In Großstädten ist die gleichzeitige Gewinnung von Strom und Wärme schon weit fortgeschritten“, sagt er, „doch unter kleinen Städten auf dem Lande liegt Oerlinghausen ganz weit vorn.“

Die Fernwärmeproduktion steht und fällt jedoch mit einem gut ausgebauten Leitungsnetz zu den Haushalten. 30 Kilometer lang ist es derzeit, Tendenz steigend. Zurzeit werden 1600 Haushalte der Bergstadt mit Fernwärme versorgt. Das Wasser, das durch diese Leitungen geschickt wird, hat eine Temperatur von bis zu 120 Grad Celsius. „Das wird physikalisch durch einen hohen Druck erreicht“, erklärt Lorenz von Reisswitz. Auch künftig wollen die Stadtwerke die Hausanschlüsse an das Wärmenetz fördern. „Die CO2-Bilanz ist bei Fernwärme einfach deutlich besser, als wenn jeder Haushalt seinen eigenen Öl- oder Gaskessel betreibt.“

Bereits seit 2001 hat Oerlinghausen Erfahrung mit der Wärme aus Holzhackschnitzeln. Damals errichtete man ein Pilotprojekt an der Klinik am Hellweg hinter dem Segelflugplatz. Das Miniheizwerk war die erste Anlage in Lippe, die mit dem nachwachsenden Rohstoff Holz betrieben wurde.

Man errechnete damals schon, dass die jährlich verfeuerten 1500 Kubikmeter Holzhackschnitzel etwa 120.000 Liter Heizöl ersetzten. Den nächsten Schritt machten die Stadtwerke 2005. „Ermutigt durch die große Zustimmung, die unsere Wärmegewinnung erhielt, haben wir damals das moderne Holzheizkraftwerk an der Bleiche gebaut“, sagt Synowski.

Durch neueste Technologien wurden dort die Holzschnitzel nicht nur zur Wärmegewinnung, sondern auch zur Stromproduktion eingesetzt. „Wir haben damals die erste Anlage dieser Art in Norddeutschland errichtet und waren in ganz Deutschland die Nummer Sechs“, sagt Peter Synowski. Heute liefert das Holzheizkraftwerk jährlich aus 40.000 Kubikmetern Holzschnitzeln 20.000 Megawattstunden Wärme und 4000 Megawattstunden Strom. Und die Entwicklung geht weiter, denn immer mehr herkömmliche Kraftwerke oder Atommeiler müssen künftig abgeschaltet werden. „Im Jahre 2022 wird zum Beispiel das Atomkraftwerk in Grohnde vom Netz gehen“, erläutert der Stadtwerkechef, „da sind alle Kommunen gefordert, die eigenen Anlagen mit regenerativen Energien zu erweitern.“

Die Stadt hat bereits grünes Licht für weitere Investitionen gegeben. „Vier neue Block-Heizkraftwerke sind geplant, zwei werden 2019 auf dem Stadtwerke-Gelände „An der Bleiche“ errichtet und zwei weitere 2020 an gleicher Stelle“, erläutert der Stadtwerkechef. Das vorläufige Investitionsvolumen beträgt 4,8 Millionen Euro.

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