Seltene Auerrinder werden in Oerlinghausen angesiedelt

Karin Prignitz

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Auftrieb: Die beiden Auerrinder werden zunächst vier bis sechs Wochen auf dem Gelände des vom Naturschutzbund Oerlinghausen zur Verfügung gestellten Areals am Steinbruch am Barkhauser Berg weiden, ehe sie in das Naturschutzgroßprojekt wechseln. - © Karin Prignitz
Auftrieb: Die beiden Auerrinder werden zunächst vier bis sechs Wochen auf dem Gelände des vom Naturschutzbund Oerlinghausen zur Verfügung gestellten Areals am Steinbruch am Barkhauser Berg weiden, ehe sie in das Naturschutzgroßprojekt wechseln. (© Karin Prignitz)

Oerlinghausen. Beinahe majestätisch sehen sie aus mit ihrem schwarzglänzenden Fell. Kaum haben die beiden Auerrinder den Hänger verlassen, erkunden sie zielstrebig das großzügige Areal des Steinbruchs am Barkhauser Berg. Die männlichen Vertreter der äußerst seltenen Rinderrasse sind die neuen Bewohner des Naturschutzgroßprojektes Senne und Teutoburger Wald (NGP).

Vier bis sechs Wochen sollen die Tiere zunächst am Barkhauser Berg bleiben. Der Naturschutzbund (Nabu) Oerlinghausen hat die Weidefläche auf Zeit zur Verfügung gestellt. Im Anschluss werden die Taurosrinder in das NGP übersiedeln. Sie sollen dann in Oerlinghausen und Augustdorf weiden. „Europaweit ist die Beweidung von Naturschutzflächen im Offenland inzwischen gängige Praxis", erläuterte Landrat Dr. Axel Lehmann. Er ist zugleich Verbandsvorsteher des Naturparks Teutoburger Wald/Eggegebirge.

In Lippe gebe es aber eine Besonderheit. „Im Naturschutzgroßprojekt werden auch Waldflächen beweidet." Dadurch entstünden lichte Hudewälder, die zahlreichen Pflanzen und Tieren als Lebensraum dienten. „Ein wichtiges Stück Arten- und Naturschutz. Mit den Auerrindern haben wir jetzt neue, fleißige Helfer, die die Landschaft mit entwickeln und pflegen", hob Lehmann die gewinnbringenden Aspekte hervor.

Hoffen auf viele Besucher: Landrat Dr. Axel Lehmann (v.l.), Daniel Lühr, Dirk Becker, Karl Banghard, Birgit Hübner und Claus Kropp inmitten der Ausstellung im Archäologischen Freilichtmuseum. - © Karin Prignitz
Hoffen auf viele Besucher: Landrat Dr. Axel Lehmann (v.l.), Daniel Lühr, Dirk Becker, Karl Banghard, Birgit Hübner und Claus Kropp inmitten der Ausstellung im Archäologischen Freilichtmuseum. (© Karin Prignitz)

Zustande gekommen ist die Ansiedlung der Auerrinder durch eine von Daniel Lühr und Dirk Grote vom NPG vermittelte Kooperation mit dem Freilichtlabor Lauresham in Lorsch. In der hessischen Stadt versuchen Experten, mit dem Auerrindprojekt eine Rinderrasse zu züchten, die dem Auerochsen in seinem Erscheinungsbild möglichst nahekommt. Dafür kreuzen sie fünf verschiedene Hausrindrassen.

„Seit knapp 400 Jahren ist der Auerochse ausgestorben. Mit der Ansiedlung der Auerrinder gibt es aber einen Nachfahren, der der Wildform im Verhalten und der Genetik sehr nahe kommt", erläuterte Daniel Lühl. Der Leiter des Naturschutzgroßprojektes betonte, dass die Tiere für eine naturnahe und ganzjährige Beweidung eingesetzt werden können. Claus Kropp, Leiter des Freilichtlabors Lauresham, lenkte den Blick in die weite Vergangenheit. „Auerochsen waren eine der Schlüsselarten für ein artenreiches Landschaftsbild." Sie sollen es wieder werden.

Mit den beiden männlichen Auerochsen soll zunächst geprüft werden, ob sich die Tiere neben den bereits seit 2011 angesiedelten Schottischen Hochlandrindern in das Weidekonzept des NGP eingliedern lassen. Sollten die ersten Erkenntnisse positiv sein, können sich die Verantwortlichen des NGP durchaus vorstellen, eine eigene Zuchtgruppe aufzubauen.

„Die Ansiedlung der Rinder ist einzigartig", hob Oerlinghausens Bürgermeister Dirk Becker hervor. „In Oerlinghausen können Besucher nun wortwörtlich Geschichte zum Anfassen erleben. Sie erfahren, wie große Pflanzenfresser unser Landschaftsbild vor Jahrtausenden prägten und wie die Menschen mit und von ihnen gelebt haben."

Ausstellung

Passend zur Ansiedlung der Auerrinder ist im Archäologischen Freilichtmuseum Oerlinghausen (AFM) die Wanderausstellung „Der Auerorchse – eine Spurensuche" eröffnet worden. Sie vermittelt einen Eindruck davon, wie der Urvater der Hausrinder ausgesehen hat, wie er gelebt hat und was für eine Bedeutung er für die Menschen hatte. Dazu werden frühe Darstellungen, Vorstellungen zu seinem Lebensraum und originale Knochenfunde gezeigt.

Die ausgestellten schriftlichen, bildlichen und archäologischen Zeugnisse laden zu einer Spurensuche ein, die am Eröffnungstag bereits von zahlreichen Besuchern aufgenommen worden ist. Neueste kulturhistorische und naturwissenschaftliche Erkenntnisse runden die Schau ab.

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