Oerlinghausen. Jimsher Bedianashvili ist in seiner Heimat ein bekannter Mann. Die Texte des beliebten Schriftstellers werden noch heute in Georgien gelehrt. Seine Gedichte sind berühmt und haben Fans auf der ganzen Welt. Der 58-Jährige ist vielfach ausgezeichnet worden, es gibt einen Literaturpreis, der seinen Namen trägt. Demnächst wird er selbst eine weitere Anerkennung erhalten: die Ehrenmedaille der georgischen Bildungsorganisation für seine Kulturarbeit.
Erst kürzlich hat Bedianashvili zudem seinen sechsten Gedichtband herausgegeben. Die Zeichnungen im Buch stammen von seiner Tochter Natia. Herz und Seele seien verschmolzen, sagt der Autor. „Deshalb ist es mein bedeutendstes Buch.“ 25 Jahre sind vergangen, seit Jimsher Bedianashvili mit seiner Frau und den beiden Kindern Natia und Beka nach Oerlinghausen kam, um sich hier eine neue Existenz aufzubauen.
Mehrfach wurde er verhaftet
Der 58-Jährige war in seiner Heimat Georgien Kameramann und Kriegsberichterstatter. Seine Aufnahmen waren auch im deutschen Fernsehen zu sehen. Die Wahrheit, die sie zeigte, stießen auf wenig Gegenliebe bei den Machthabern. Mehrfach wurde Jimsher Bedianashvili verhaftet und entschloss sich schließlich zur Flucht.
Heute kann der Georgier sagen: „Wir als Familie haben uns gut integriert.“ Sohn Beka ist Schauspieler geworden, wirkt in vielen Serien, wie etwa „Soko Köln“ oder „Alarm für Cobra 11“, mit und ist festes Mitglied des Improvisationstheaters „Springmaus“. Tochter Natia arbeitet unter anderem als Dolmetscherin.
Bildung zu vermitteln, das war und ist ihren Eltern wichtig, aber auch die Weitergabe von Werten. „Die Familie hat für mich eine sehr große Bedeutung“, betont Jimsher Bedianashvili. „Gerade Corona hat gezeigt, was es bedeutet, allein zu sein.“ Das sei wohl auch der Grund, warum viele Menschen sich wieder so sehr nach Nähe und Gemeinsamkeit sehnten. „Die Menschen“, sagt Bedianashvili, „macht das glücklicher.“
Gedichte für alle Gesellschaftsschichten und Generationen
In der Zeit der Einschränkungen hat der Georgier, der kürzlich zum ersten Mal Opa geworden ist, zehn neue Gedichte geschrieben. In seinem aktuellen Buch mit dem Titel, der übersetzt so viel heißt wie „Mal mir Georgien“, sind sie zu finden. Insgesamt ist es ein Mix aus 200 älteren und neuen Gedichten. Wichtig war Jimsher Bedianashvili, dass sie sich „an alle Gesellschaftsschichten und Generationen“ richten.
Heimatliebe und menschliche Beziehungen spielen in den Zeilen eine große Rolle. Dass Menschen, und zwar alle, respektiert werden, dass sie ehrenhaft miteinander umgehen, „davon hängt unser Glück ab“, davon ist Jimsher Bedianashvili überzeugt. Und das drückt er in seinen Gedichten, die Fans auf der ganzen Welt haben, aus.
"Das Beste von beiden Kulturen"
„Man muss selber Respekt zeigen, um respektiert zu werden.“ So haben er und seine Familie es immer gehalten. „Wir haben von beiden Kulturen das Beste genommen“, beschreibt Bedianashvili die Balance zwischen der alten und der neuen Heimat. „Wenn man richtig damit umgeht, kommt nur Gutes dabei heraus.“ Pünktlichkeit beispielsweise sei in Georgien nicht so bedeutend. Er selbst hat sie längst verinnerlicht.
Mittlerweile schreibt er sogar Gedichte in deutscher Sprache. „Deutsch und Georgisch, das kann durchaus harmonisch sein“, hat der Poet, dessen Gedichte unverkennbar sind, festgestellt. Das aktuelle Buch ist in georgischer Sprache erschienen, soll aber übersetzt werden. Ebenso wie „Ein Weg nach Nirgendwo“, in dem Bedianashvili schildert, was er als Journalist und in Deutschland erlebt hat.
Viel über die weit zurückliegende deutsche Geschichte lernt er im Freilichtmuseum Detmold. Dort arbeitet er seit drei Monaten hauptberuflich mit großer Freude. Der Georgier weiß: „Was man mit dem Herzen macht, das klappt meistens.“
Sein Herz lässt er auch sprechen, wenn er Gedichte schreibt. Die Ideen dazu kommen in der Regel spontan, „einige entstehen über einen längeren Zeitraum“, erläutert der 58-Jährige und betont noch einmal sein Hauptanliegen: „Es gibt viele Gedichte, die technisch wunderbar sind, aber ein Gedicht ohne Seele ist kein Gedicht.“