Spannendes Kopfkino im Archäologischen Freilichtmuseum

Sibylle Kemna

Erster Auftritt von Tom Voss: Autor Sven Koch stellte im Archäologischen Freilichtmuseum sein an diesem Tag erschienenes Buch "Hundstage für Beck" vor und verkörperte erstmals sein neues Pseudonym Tom Voss. Eingeladen haben ihn Martina Lange (l.) und Jörg Czyborra (r.) von der Buchhandlung Blume. - © Sibylle Kemna
Erster Auftritt von Tom Voss: Autor Sven Koch stellte im Archäologischen Freilichtmuseum sein an diesem Tag erschienenes Buch "Hundstage für Beck" vor und verkörperte erstmals sein neues Pseudonym Tom Voss. Eingeladen haben ihn Martina Lange (l.) und Jörg Czyborra (r.) von der Buchhandlung Blume. (© Sibylle Kemna)

Oerlinghausen. Ein Abend voller Premieren: Die erste Autorenlesung der Buchhandlung Blume im Archäologischen Freilichtmuseum, die erste Lesung des Detmolder Autors und LZ-Redakteurs Sven Koch unter dem neuen Pseudonym Tom Voss und das dazu am Tag der Erstveröffentlichung des ersten Buchs der neuen Voss-Reihe. Die 100 Zuhörer konnten am Mittwoch im Bewusstsein zuhören, bei etwas Besonderem dabei zu sein.

Ein Polizist, der jemanden überfährt, die Leiche wegschafft und dann in eigener Sache ermittelt: Es war diese Idee, die Redakteur Koch zu seinem neuen Protagonisten führte. Der Plot passte nicht in das Schema der Dünenkrimis mit den Ermittlern Femke Folkmer und Tjark Wolf, mit denen Koch seine professionelle Autorenkarriere begonnen hat. Und auch nicht zu den Provence-Krimis, die Koch unter dem Pseudonym Pierre Lagrange mit Commissaire Albin Leclerc als Hauptperson in die Spiegel-Bestsellerliste gebracht hat.

Ein Ermittler mit Selbstvorwürfen

So entstand im Kopf von Koch ein neuer Ermittler, der nach einem traumatischen Polizeieinsatz das Landeskriminalamt verlässt und sich „in ein Kaff vor Hamburg" versetzen lässt. Es ist ein Jahr her, dass er seine Kollegin hat sterben sehen. Das Buch und die Lesung beginnen mit den Sätzen „Sie war schon oft gestorben. Hunderte Male. Vielleicht Tausende." Im Kopf von Tom Voss, der sich seitdem Vorwürfe macht.

Die Zuhörer verfolgen, wie Voss sich in einer Kneipe betrinkt, trotzdem ins Auto steigt und eine fast nackte Frau überfährt. Er versteckt die Leiche und muss kurze Zeit später im Vermisstenfall Fanny Monecke ermitteln. Koch beschreibt anschaulich die Szenen, die das Kopfkino bei den Zuhörern anschalten. Als würden sie einen Film sehen, können sie sich die Szenen bildlich vorstellen, ergänzt um die Gedanken des Betrunkenen, den der Unfall schlagartig nüchtern gemacht hat.

„Das finde ich spannend. Was vertuscht er, was lässt er zu", berichtet der Autor in der anschließenden Fragerunde. „Ich wollte einen Ermittler in eine derart ekelhafte Situation bringen und schauen, wie er da wieder raus kommt", erläutert Koch. „Mir läuft beim Schreiben ein Film in meinem Kopf ab, dann seh ich das, rieche das und schreibe das auf", beschreibt er seinen Schreibstil. Der passionierte Musiker berichtet auch noch vom „Sound und Feeling, die eine Geschichte braucht" und dass er Fan von Jack Reacher ist, dem eigenwilligen und knallharten Ermittler des Autors Lee Child.

Wie Tom Voss aus diesem Dilemma heraus kommt, wird natürlich nicht verraten. Das können die Besucher der Lesung, von denen sich viele ein Buch kaufen und signieren lassen, auf dem Sofa mitverfolgen. Für Autor Koch ist es allemal ein bewegender Abend. „Ich habe zum ersten Mal als Tom Voss unterschrieben."

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