Oerlinghausen. Eine magische Nacht erlebten Hunderte von Besuchern bei idealem Wetter am Freitag im Archäologischen Freilichtmuseum. Das bunt angeleuchtete Gelände bot wunderschöne Anblicke und dank der freien Sicht Ausblicke auf die Bergstadt. Etliche Aktionen und Vorführungen unterhielten die Gäste.„Wow“ – das erste Highlight für viele Besucher war der freie Blick auf die Stadt herunter vom Berg. Die kleinen Aussichtsplattformen, die ebenso neu waren wie der Ausblick, erfreuten sich großer Beliebtheit. Im blauen Licht der angehenden Dunkelheit wurden die Smartphones gezückt, um Selfies für das Familienalbum zu schießen. „Ich bin begeistert, ich komme seit Jahren immer mal wieder her, aber da waren immer die Bäume. Jetzt sind sie weg und die Aussicht ist grandios, man merkt erstmals, dass man Teil von Oerlinghausen ist hier“, sagte Jana Schwätzer, die mit Mann und Söhnen die lange Museumsnacht genoss. Feuertänzer am Germanengehöft Den Auftakt der langen Nacht unter dem Motto „Frühlingserwachen“ hatte die Bläserklasse 6 a gemacht, die am Bronzezeithof unter anderem mit „Latin Fire“, „Bandroom Boogie“ und „Smoke on the Water“ musikalisch den Abend einleitete. „Endlich konnten wir mal auftreten, das war erst das zweite Mal“, berichtete Joel (12). Etliche Familien waren bereits da und applaudierten eifrig. Bei Jens Schwarze von „Feuerflut“ aus Herford konnten die Besucher anschließend das Jonglieren erlernen, bevor der Feuertänzer bei einsetzender Dunkelheit die zahlreichen Gäste auf der großen Wiese am Germanengehöft mit seiner Show begeisterte, in der er mit Feuer an Fackeln, Springseilen und Stangen Kreise, Kringel und Bahnen in die Luft malte. Wie Feuer erzeugt wird, wenn man keine modernen Feuerzeuge oder Streichhölzer hat, erfuhren die Besucher bei den Feuermachern. „Hier ist alles echt“, betonte Museumspädagogin Clara Held, die die Kinder dazu animierte, mit dem Feuerbohrer zunächst Rauch, dann Glut und danach mithilfe von Rohrkolbenwolle Feuer zu machen. „Echt anstrengend“, meinte der 13-jährige Noah. Beim Laternenbasteln im Bronzezeithof war es schon moderner: Hier kamen Batterien zum Einsatz zum Beleuchten der mittelalterlich gestalteten Taschenlampe, die Museumspädagoge Jens Oliver Mühlenbein sich ausgedacht hatte. Johanna (8) und Celina (9) hatten Spaß am Dekorieren ihrer Lampe durch das Prägen auf der Metallfolie mit ausgedachten Motiven oder auch Runen. Perlen machen bei 900 Grad Bei Perlenmacherin Maren Biewald herrschten 900 Grad, da war Mitmachen nicht angesagt. Fasziniert verfolgten die Besucher, wie die „Wikingerin“ Glasperlen im offenen Feuer herstellte, indem sie das Glas erhitzte und um einen Metallstab wickelte – in verschiedenen Schichten. „Hier hab ich blau-weiß-blau-weiß, das ist für eine Wikingerperle typisch“, berichtete sie. Die Wikingerfrauen hätten Perlen zwischen den Fibeln als Brustschmuck getragen. „Ein arabischer Reisender hat aufgeschrieben, dass eine grüne Glasperle ein Huhn wert war, also eher etwas für begüterte Leute.“ Zwischen den Feuershows ließen Kostas Sakkos und Gerry Sloan ihre Pfeifen erklingen, die dank der Luftsäcke richtig Lautstärke erzeugen können. „Bis zu 120 Dezibel“, berichtete Sloan. Deshalb durften die beiden Dudelsackspieler, die auch ein Instrument aus dem Balkan und eines aus Arabien einsetzten, nur spielen, wenn keine Show lief. Mit Luft arbeitete auch der Schmied im unteren Bereich, wo im Hallenhaus der Film „Die Hermannsschlacht“ von 1994 gezeigt wurde. Es gab einiges zu lachen, weil er zugespitzt mit viel Augenzwinkern sämtliche Klischees bediente. „Übertreibung macht anschaulich“, meinte die Filmvorführerin schmunzelnd.