Oerlinghausen. Außergewöhnliche Urkunde für einen außergewöhnlichen Handwerksmeister: Kammerpräsident Peter Eul hat Ottfried Stopka (88) den eisernen Meisterbrief überreicht. Das gebe es nur ganz selten, unterstrich Eul. Der eiserne Meisterbrief steht für 65 Jahre im Handwerk – und bei Eul auch für 65 Jahre menschliche Stärke und unternehmerischen Mut. Ihren Ehrenplatz bekommt die Urkunde neben dem „Goldenen“ und „Diamantenen“ in Stopkas kleinem Büro an seinem Alterssitz in Oerlinghausen. Ganz ohne Büro, verrät er augenzwinkernd, geht es auch mit 88 Jahren nicht. Und mindestens zweimal pro Woche geht es mit dem Auto in die Firma – immer von hinten durch die Werkstatt. Sehen, was los ist. Das Lebenswerk des Handwerksmeisters, davon ist Peter Eul überzeugt, reicht weit über den Kammerbezirk hinaus. Gas gegeben hatte der junge Mann in seinem Beruf nicht erst vom ersten Tag an. Schon der Weg in die Lehre und die Meisterschule war gezeichnet von erheblichen persönlichen Anstrengungen. Es war die Zeit kurz nach Kriegsende. Stopka erzählt von der Flucht aus Ostpreußen, im Pferdekarren über die eisige Ostsee, den Tod der Mutter, den Verlust der Geschwister. Stopka berichtet von den ersten vorsichtigen Anfängen in seinem späteren Beruf, der zu seinem großen Glücksgriff wird. Mit nächtelangen Arbeiten als Schweißer verdient er sich das Geld für die Ausbildung. Er habe, sagt er stolz, immer Freunde gefunden, die ihm auf dem Weg nach vorn halfen. Stopka ist Kfz-Meister mit Herzblut. Und englische Autos werden sein Glücksgriff. 1960 legte der Kraftfahrzeugmechaniker seine Meisterprüfung ab und machte sich noch im selben Jahr im Bielefelder Ortsteil Hillegossen mit einer kleinen Werkstatt selbstständig. Sein Team in Hillegossen kennt sich aus mit den Autos von der Insel. Von MG und Rover bis zu Mini und Leyland „schraubt“ Stopka alles, was ihm englische Soldaten auf den Hof stellen. Mit seiner Kompetenz für die Nobelmarke Jaguar wird er deren dienstältester Händler in Deutschland, mehrfach ausgezeichnet für seine Kundennähe. Post aus Windsor Einzigartig ist wohl, dass er in seiner Verbundenheit für das Königreich in der Zeit des Brexit einen Brief an Elisabeth II. schreibt und prompt Antwort aus Windsor bekommt. Ach ja, ihre Tochter, Prinzessin Anne, hatte er als junger Kfz-Meister dereinst samt dem gestrandeten Landrover von der Autobahn gezogen. Sein „Leben am Limit“, wie es selbst in einem Buch mit einem Co-Autor zusammengefasst hat und später mit Videosequenzen von David Blath als Film auf die Spule brachte, führte Stopka bei Bergrennen auf die Rennstrecke, ließ ihn als Privatflieger in die Luft gehen und 1980 mit seinem Neubau an der Detmolder Straße in Bielefeld Zeichen setzen. Bei Big-Ben-Uhr vor der Tür und stilechtem Pub staunten die Bielefelder. Stopka kümmerte sich um Ferrari und Aston Martin, Alfa Romeo und Land Rover. Und sie selbst, erzählt Präsident Peter Eul, hätten sich als Kinder sonntags die Nasen an den Schaufenstern plattgedrückt und die Traumwagen bestaunt. Stopka hat die Glanzzeiten der Autowelt erlebt, aber auch den Strukturwandel. Stopka gibt auch mit 88 Jahren täglich Vollgas. Erst mit 70 Jahren hat er seine unternehmerischen Weichen neu gestellt. Sein Autohaus ist heute ein Teil der Nagel-Gruppe. Sein Lebenswerk, versichert der Jubilar, sehe er bei Rolf Nagel in guten Händen. Sohn Alexander Stopka ist Gesellschafter. Der Jubilar hat vor zehn Jahren Schach gelernt und steht heute jede Woche am Brett. Das halte genauso fit wie eine Ausfahrt mit seinem Jaguar-Oldtimer XK 150.