Gütersloh. Dirk Uwe Zajonc ist Opfer eines Identitätsdiebstahls geworden. Unbekannte schicken derzeit in ganz Deutschland und vermutlich auch in Österreich per E-Mail unter seinem Namen gefälschte Abmahnungen an Internetnutzer. Zajonc fühlt sich wie jemand, der von einen auf den anderen Tag völlig unschuldig zwischen Mühlsteine geraten ist. Sein Leben, so sagt er, sei aus den Fugen geraten.
Dirk Uwe Zajonc wohnt in Gütersloh. Seit etwa drei Jahrzehnten arbeitet er nach eigenen Angaben in einer renommierten Bielefelder Firma, wo er zum Leiter der IT-Abteilung aufgestiegen ist. Als Fachmann für moderne Datenverarbeitung sei er "sehr vorsichtig", sagt Zajonc. Soziale Plattformen wie Twitter oder Facebook meide er "wie der Teufel das Weihwasser". Seine Rechner seien "sauber" und stets mit dem neuesten Virenschutz versehen.
Das alles konnte Zajonc dennoch nicht vor einem Desaster bewahren. Vor einer Woche habe er das erste Mal durch einen Anruf der Gütersloher Polizei davon erfahren, dass er vermutlich Opfer eines Identitätsdiebstahls geworden sei, berichtet der IT-Fachmann.
Verbraucher sollten sich nicht einschüchtern lassen
Vollends zur traurigen Gewissheit wurde es für ihn dann am Wochenende, als die Verbraucherzentrale Brandenburg mit einer Pressemitteilung, die anschließend von zahlreichen Medien bundesweit verbreitet wurde, vor Internetabmahnungen der "angeblichen Rechtsanwälte Dirk Uwe Zajonc und Florian Ruck aus Gütersloh" warnte.
Die beiden selbsternannten Advokaten würden im Namen einer Intl. Musik Copyright Agency (IMCA) jeweils 40 Euro für 2013 begangene Urheberrechtsverletzung auf Youtube eintreiben. Verbraucher, die ein solches Schreiben erhalten, sollten sich "nicht einschüchtern lassen und keinesfalls zahlen", riet die Brandenburger Verbraucherzentrale in guter und wertvoller Aufklärungsabsicht.
"Bei unserer Pressemitteilung sind wir noch fest davon ausgegangen, dass die in den betrügerischen Abmahnungen genannten Absender Dirk Uwe Zajonc und Florian Ruck fiktive Personen sind", sagt Lisa Högden, Sprecherin der Verbraucherzentrale. Beide Personen standen nicht im bundesweiten Anwaltsverzeichnis.
Die wahren Betrüger sind noch unbekannt
Doch der Name Dirk Uwe Zajonc mitsamt seiner auf den Abmahnschreiben aufgeführten Gütersloher Wohnadresse ist real - wohingegen "Florian Ruck" allem Anschein nach wirklich eine fiktive Figur ist. "Das tut mir nun wirklich sehr leid. Wir wollten nur die Verbraucher warnen und keineswegs Rufschädigung betreiben", beteuert Högden.
Wer die wahren Betrüger sind und warum sie ausgerechnet die Identität von Dirk Uwe Zajonc gestohlen und benutzt haben, versucht die Gütersloher Polizei nun zu klären. Ihre Ermittlungen führen auch nach Berlin. Die Täter hatten dort bei der Postbank ein Konto eingerichtet, um zu Unrecht erlangte Abmahngebühren zu kassieren. Womöglich ist dieses Konto aber von einem Strohmann, einem sogenannten Finanzagenten, eingerichtet worden. Dann wären die Hintermänner wohl kaum zu fassen.
Dirk Uwe Zajonc hat nun den Mut gefasst, sich selbst an die Presse zu wenden. "Zahlreiche Strafanzeigen" gegen ihn seien in den letzten Tagen bei der Polizei eingegangen, erzählt der IT-Fachmann. Einige wurden sogar beim Landeskriminalamt in Düsseldorf erstattet. Auch etliche bitterböse Briefe mit Beschimpfungen und Beleidigungen habe er bereits an seine Privatadresse erhalten. "Das nimmt mich sehr mit", sagt Zajonc.