Detmold. Die evangelisch-reformierten Kirchengemeinden Detmold-Ost und Detmold-West stehen vor einem zukunftsweisenden Schritt. Zum 1. Januar 2027 werden die beiden Gemeinden fusionieren. Die Pfarrerinnen Mareike Lesemann (Kirche Detmold-Ost), Stefanie Rieke-Kochsiek (Kirche Detmold-West) und Pfarrer Stefan Schmidtpeter (Kirche Detmold-West) gehören neben Julius von Rotenhan, Dietmar Reineke und James Kerkeling-Sheerin zu der Lenkungsgruppe, die derzeit die Weichen für die neue Zusammenarbeit stellt. Warum gerade jetzt genau der richtige Moment für diese Entscheidung ist, erklären die Pfarrerinnen und der Pfarrer in einem Gespräch mit der LZ. Was zunächst nach einem rein organisatorischen Schritt klingt, betrifft den kirchlichen Alltag ganz konkret. Dabei arbeiten beide Gemeinden schon jetzt eng zusammen. Sie geben den Gemeindebrief gemeinsam heraus, Gottesdienste werden immer häufiger gemeinsam vorbereitet und gefeiert. Auch die Konfirmandenarbeit wird künftig zusammengelegt. „Wir haben schon jetzt so viele Bereiche, die sich berühren“, sagt Stefan Schmidtpeter. Lesen Sie auch: Evangelische Kirchengemeinden in Detmold fusionieren Ein Beispiel dafür ist der gemeinsame Gottesdienst, den die Gemeinden am ersten Weihnachtsfeiertag in der Marktkirche organisierten. Während dort rund 80 Besucher zusammenkamen, wären getrennt voneinander abgehaltene Formate aus Sicht der Verantwortlichen wohl deutlich schwächer besucht gewesen. „Daran merken wir, dass vieles leichter wird, wenn alles unter einem Dach ist.“ Pfarrerin: „Gemeindeglieder sind schon viel weiter als wir“ Für die Gemeindeglieder spiele es ohnehin keine Rolle, welche evangelisch-reformierte Gemeinde sie für Veranstaltungen besuchen, meint Pfarrerin Mareike Lesemann: „Manchmal habe ich den Eindruck, dass die Gemeindeglieder schon viel weiter sind als wir in unseren Gemeindestrukturen. Die einen gehen wie selbstverständlich zu Konzerten auch in die Christuskirche oder die anderen morgens zum Gottesdienst an den Markt.“ Nun soll der große Zusammenschluss auf allen Ebenen kommen. Dass das nötig ist, zeigt ein Blick auf die finanzielle Situation. „Was auffällt, ist, dass wir rasend schnell viel weniger Geld haben“, sagt Schmidtpeter. Die Kirchensteuereinnahmen sinken seit Jahren, während die Ausgaben steigen. Nicht nur aufgrund des demografischen Wandels, sondern auch durch Austritte jüngerer Menschen. „Von zwölf Austritten im Monat haben wir acht oder neun Personen zwischen Anfang 20 und Ende 30. Das hängt mit der Kirchensteuer-Zahlungspflicht zusammen“, sagt Pfarrerin Stefanie Rieke-Kochsiek. „Über deren Motivation rätseln wir oft. Ich glaube, die Menschen sind nicht unbedingt kirchenfeindlich, sie fühlen sich der Kirche entfremdet.“ Zugleich sei die Kirchensteuer für viele der erste Ansatzpunkt, um Kosten einzusparen. Aktuell hat die Kirchengemeinde Detmold-Ost 3705 Mitglieder, Detmold-West hat 4130. Zur Einordnung: Vor rund 20 Jahren sollen es dort laut Rieke-Kochsiek noch um 12.000 Mitglieder gewesen sein. Handlungsfähiger als eine große Gemeinde Auch die personelle Lage spitzt sich den Verantwortlichen zufolge mehr und mehr zu. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter - beide Gemeinden kommen zusammen auf rund 30 - sollen auch nach der Fusion bleiben. In den kommenden Jahren stehen jedoch mehrere Ruhestände an, etwa im Bereich der Kirchenmusik oder bei den Küstern. „Wir glauben, dass wir als eine Gemeinde insgesamt flexibler mit dem Personal umgehen können, gerade auch, was die Nachbesetzung von Stellen betrifft“, erklärt Schmidtpeter. Hinzu kommt laut Lesemann, dass es immer schwerer fällt, Ehrenamtliche zu finden oder neue Kirchenvorstände zu ernennen. „Wenn wir eine große Gemeinde sind, müssen wir diese Positionen nur einmal besetzen.“ Ganz ohne Sorgen läuft die Fusion nicht. So sorgten sich einige Gemeindeglieder, dass sich das kirchliche Leben in Detmold bald zu stark auf die Innenstadt konzentriere. Auch die Zukunft der Kirchenmusik und die Infrastruktur beschäftige viele. „Wir sind jetzt gezwungen, uns die Arbeit beider Gemeinden genau anzusehen“, führt Schmidtpeter aus. Neue Konzepte würden entwickelt, zugleich werde Überflüssiges gestrichen. Für die Pfarrerinnen und den Pfarrer steht fest: Beide Gemeinden hätten auch unabhängig voneinander eine Zukunft gehabt. Die Frage sei jedoch: In welcher Form und für wie lange? „Wir wollen die Zukunft gestalten und nicht bloß wegreduzieren“, verdeutlicht Schmidtpeter. Die inhaltliche und organisatorische Vorbereitung der Fusion liegt beim Lenkungsteam. Dort werden derzeit Ausschüsse zusammengeführt, Verträge geprüft und Grundlagen für einen gemeinsamen Haushalt erarbeitet. Auch formale Veränderungen stehen an: neue Konten, ein neues Siegel und nicht zuletzt ein neuer Name. Vorgeschlagen ist „Evangelisch-reformierte Kirchengemeinde Detmold“. Besonders anspruchsvoll werde auch die Haushaltsplanung für das Jahr 2027, die gemeinsam erfolgen soll. Bei einer Gemeindeversammlung am Dienstag, 20. Januar, um 18.30 Uhr werden die Kirchenvorstände im Gemeindehaus am Marktplatz 6 allen Interessierten das Vorhaben genauer erläutern. Auch interessant: So geht es nun mit der Remmighauser Friedenskirche weiter Gemeinde Detmold-West verhandelt den Verkauf der Versöhnungskirche